Konflikt mit Nordkorea Russland warnt vor Teufelskreis der Eskalation

"Die Situation könnte außer Kontrolle geraten": Im Konflikt zwischen Nordkorea und seinen Gegnern warnt Russlands Außenminister Lawrow vor einer Eskalation und einseitigen Maßnahmen - eine kaum verklausulierte Kritik an den USA und den Manövern mit Südkorea.
Konflikt mit Nordkorea: Russland warnt vor Teufelskreis der Eskalation

Konflikt mit Nordkorea: Russland warnt vor Teufelskreis der Eskalation

Foto: Jon Chol Jin/ AP/dpa

Moskau - Russland fürchtet eine Eskalation des Konflikts zwischen den Gegnern Nordkoreas und dem Regime in Pjöngjang. Man sei besorgt darüber, dass rund um Nordkorea einseitig Maßnahmen ergriffen würden, die militärische Aktivität erhöhten, sagte Außenminister Sergej Lawrow. "Die Situation könnte einfach außer Kontrolle geraten, sie entwickelt sich zu einem Teufelskreis." Lawrow rief alle Seiten auf, Muskelspiele zu unterlassen und das Risiko einer militärischen Auseinandersetzung zu mindern.

Lawrows Äußerungen spielen auf ein Manöver der USA an. Die Amerikaner hatten am Donnerstag zwei Tarnkappenbomber gemeinsam mit Südkorea zum Einsatz gebracht. Diese flogen dafür aus den USA zur südlichen Halbinsel und zurück. Seit dem Korea-Krieg sind beide Staaten Verbündete. Sie betonen, die gemeinsamen Militärübungen dienten der Verteidigung.

Nordkorea versetzte daraufhin seine Raketeneinheiten in Alarmbereitschaft. Angesichts "der gegenwärtigen Lage ist die Zeit gekommen, um Rechnungen mit den US-Imperialisten zu begleichen", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Staatschef Kim Jong Un. Wenige Stunden später demonstrierten Tausende Nordkoreaner in Pjöngjang gegen die USA. Sie riefen "Tod den Imperialisten" und "Fort mit den US-Aggressoren".

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Aggressive Rhetorik: Säbelrasseln auf koreanischer Halbinsel

Foto: AFP/KCNA via KNS

Dass Nordkorea seinen Gegnern droht, ist nichts Neues. Doch ein derart aggressiver Ton sei bislang selten erreicht worden, berichtete die BBC. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete außergewöhnliche Truppen- und Fahrzeugbewegungen auf den Raketen-Stützpunkten im Norden. Nur wenige Experten gehen allerdings davon, dass Nordkorea das Risiko eingehen würde, einen Krieg zu starten.

China ruft zum Dialog auf

Das international nahezu vollständig isolierte und mit umfassenden Sanktionen belegte Land verfügt über sowjetische Scud-Kurzstreckenraketen, die das benachbarte Südkorea erreichen könnten, aber auch über bisher ungetestete Mittelstrecken-Geschosse. Nordkorea hat US-Stützpunkte in Hawaii und Guam als mögliche Ziele benannt.

Experten gehen nicht davon aus, dass Nordkorea über Waffensysteme verfügt, mit denen es das US-Festland angreifen könnte. Einige Militärstützpunkte, etwa auf Hawaii und Guam, seien aber in der Reichweite nordkoreanischer Raketen. Unter Fachleuten herrscht Uneinigkeit, ob Nordkorea über nukleare Sprengköpfe verfügt, die klein genug sind, um von den Raketen getragen zu werden.

In Südkorea werden die Signale aus dem Norden als Indiz für bevorstehende Raketentests und als Säbelrasseln gedeutet. Man beobachte genau, ob Nordkorea seine Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen aktiviere, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums.

Nordkorea müsse verstehen, dass seine Handlungen sehr gefährlich seien, sagte US-Verteidigungsminister Chuck Hagel. Die USA haben mitgeteilt, man sei auf jede Eventualität vorbereitet. China, der einzige mächtige Verbündete Nordkoreas, rief in der angeheizten Stimmung zum Dialog auf. Alle Seiten sollten gemeinsam daran arbeiten, die "angespannte Situation" zu entschärfen, hieß es aus dem chinesischen Außenministerium.

Erst im Februar war trotz Warnungen auch aus China ein dritter Atomwaffentest vorgenommen worden. Die Regierung in Pjöngjang erklärte das Waffenstillstandsabkommen mit dem Süden für nichtig, das den Korea-Krieg (1950 bis 1953) beendete. Zudem wurden Kommunikationsleitungen in den Süden gekappt.

ulz/Reuters
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