Konflikt um Kehrtwende Japans Regierung droht Streit um Atomausstieg

Nach der Fukushima-Katastrophe zeichnet sich in Japan ein Konflikt über den Umgang mit Atomenergie ab. Zuerst kündigte Ministerpräsident Kan eine Abkehr von der Kernkraft an - jetzt rudert der Sprecher zurück: Ein voller Ausstieg sei nicht die offizielle Regierungslinie und liege in ferner Zukunft.

Japans Ministerpräsident Naoto Kan: Sprecher fährt ihm in die Parade
DPA

Japans Ministerpräsident Naoto Kan: Sprecher fährt ihm in die Parade


Tokio - Einen Tag nach der angekündigten Kehrwende in der Energiepolitik macht die japanische Regierung bereits wieder einen Schritt zurück: Der von Ministerpräsident Naoto Kan in Aussicht gestellte Atomausstieg nach der Fukushima-Katastrophe sei nicht offizielle Regierungslinie, sagte sein Sprecher Yukio Edano am Donnerstag. Eine Gesellschaft ohne Atomkraft sei lediglich eine "Hoffnung für die ferne Zukunft", zitierte die Nachrichtenagentur Kyodo Edano.

Am Mittwoch hatte der politisch angeschlagene Regierungschef Kan angekündigt, sein Land wolle "systematisch und in Etappen" aus der Atomkraft aussteigen. "Wir müssen eine Gesellschaft entwickeln, die auf Atomenergie verzichten kann", erklärte er, gab aber keinen genauen Zeitplan an.

Nun wiegelt Regierungssprecher Edano ab. Die Aussagen Kans seien vielmehr als Beginn einer nationalen Debatte über Atomenergie zu verstehen. Japan werde seine Atomkraftwerke noch viele Jahre nutzen, so Edano. Der Anteil der Atomenergie müsse aber reduziert werden. Das japanische Parlament debattierte am Donnerstag über ein neues Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energie.

Die Atomenergie ist derzeit noch der zentrale Pfeiler der Energieversorgung in Japan. Vor der Fukushima-Katastrophe wollte das Land den Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung bis 2030 von rund 30 Prozent auf 50 Prozent erhöhen. Derzeit sind nur 19 der landesweit 54 Reaktoren in Betrieb. Die Industrie befürchtet deshalb, dass in den Sommermonaten Stromausfälle die immer noch schwächelnde japanische Wirtschaft weiter bremsen könnten.

Am 11. März hatten ein Beben der Stärke 9,0 und eine nachfolgende Tsunamiwelle im Nordosten Japans verheerende Schäden angerichtet. Durch die Naturgewalten war im Atomkraftwerk Fukushima die größte Atomkatastrophe seit dem Reaktorunfall von Tschernobyl vor 25 Jahren ausgelöst worden. In mehreren Reaktorblöcken der Atomanlage kam es zu Kernschmelzen, in deren Folge die Region radioaktiv verstrahlt wurde.

lgr/dpa/AFP

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CarlitoJ 15.07.2011
1. Japan hat Besseres verdient
Japan hat Besseres verdient als diese halbherzige, unentschlossene Regierung. Ein Premier, der nicht meint, was er sagt und vom Regierungssprecher korrigiert wird: Das muss bei Japanern doch hoch zynisch ankommen. Anstatt Perspektiven zu erarbeiten, wie man Sonne, Wind und Wasser (alles reichlich vorhanden) endlich für die Energieversorgung nutzen und aus der Steinzeittechnologie AKW aussteigen kann, setzen sich anscheinend wieder die plumpen ökonomischen Interessen von Tepco und Co. durch.
gewiko 15.07.2011
2. deutsche Missionare belehren die "primitiven" Völker
Zitat von CarlitoJJapan hat Besseres verdient als diese halbherzige, unentschlossene Regierung. Ein Premier, der nicht meint, was er sagt und vom Regierungssprecher korrigiert wird: Das muss bei Japanern doch hoch zynisch ankommen. Anstatt Perspektiven zu erarbeiten, wie man Sonne, Wind und Wasser (alles reichlich vorhanden) endlich für die Energieversorgung nutzen und aus der Steinzeittechnologie AKW aussteigen kann, setzen sich anscheinend wieder die plumpen ökonomischen Interessen von Tepco und Co. durch.
Da wollen wir wieder mal die Welt retten und die Völker belehren, deutscher Größenwahn seit 1914, nein, seit dem der erste Missionar im Urwald im Kochtopf endete. Kan wollte mit dem Atomthema seine Beliebtheit steigern, er gilt mit Umfragewerten von 16% als unbeliebt, in den kommenden Monaten wird sein Rücktritt erwartet. Die Opposition hat kein Problem mit Atomkraft. Uran ist auch reichlich vorhanden und Uran schickt keine Rechnung. Man kann Kernbrennstoff mit Brütern sogar vermehren. Frankreich entwickelt einen Reaktor, bei dem eine Kernschmelze nicht mehr möglich ist. Kernenergie ist die Zukunft, Deutschland steigt aus, westlich von uns bleibt man bei der Atomkraft und östlich von uns steigt man ein oder baut sie aus. Bereits heute ist in Deutschland der Strom doppelt so teuer wie in unseren Nachbarländern. Das geht so lange gut, wie man von der Substanz lebt, die in der Vergangenheit auch billige Strompreise geschaffen haben. Aber wie soll man benötigte Investoren mit teuren Preisen und einer nicht grundlastfähigen Energieversorgung anlocken? Das Kapital wird Deutschland verlassen. Abgesehen davon, wie sollen die Japaner das reich vorhandene Wasser nutzen? Mit Eimern aus dem Ozean holen und auf einen Berg tragen und in ein staubtrockenes Staubecken kippen? Solarenergie gilt als ineffizient, überteuert und veraltet, lässt sich physikalisch nicht weiter steigern und ist nicht wirtschaftlich finanzierbar, Solarsubvension ist Korruption und die Lobby schon fast organisierte kriminalität. Windkraft ist nicht Grundlastfähig und zu teuer. Es ist den Japanern sicher nicht zu wünschen, das sie in den selben Ruin getrieben werden in dem wir unser Land treiben. Spätestens wenn deutschland pleite und zahlungsunfähig ist, werden hier wieder AKWs gebaut. So denkt Japan über unseren Atomausstieg: http://www.jpquake.info/ Ziemlich eindeutig, die halten uns für bekloppt, zurecht.
CarlitoJ 15.07.2011
3. Tja
Zitat von gewikoDa wollen wir wieder mal die Welt retten und die Völker belehren, deutscher Größenwahn seit 1914, nein, seit dem der erste Missionar im Urwald im Kochtopf endete. Kan wollte mit dem Atomthema seine Beliebtheit steigern, er gilt mit Umfragewerten von 16% als unbeliebt, in den kommenden Monaten wird sein Rücktritt erwartet. Die Opposition hat kein Problem mit Atomkraft. Uran ist auch reichlich vorhanden und Uran schickt keine Rechnung. Man kann Kernbrennstoff mit Brütern sogar vermehren. Frankreich entwickelt einen Reaktor, bei dem eine Kernschmelze nicht mehr möglich ist. Kernenergie ist die Zukunft, Deutschland steigt aus, westlich von uns bleibt man bei der Atomkraft und östlich von uns steigt man ein oder baut sie aus. Bereits heute ist in Deutschland der Strom doppelt so teuer wie in unseren Nachbarländern. Das geht so lange gut, wie man von der Substanz lebt, die in der Vergangenheit auch billige Strompreise geschaffen haben. Aber wie soll man benötigte Investoren mit teuren Preisen und einer nicht grundlastfähigen Energieversorgung anlocken? Das Kapital wird Deutschland verlassen. Abgesehen davon, wie sollen die Japaner das reich vorhandene Wasser nutzen? Mit Eimern aus dem Ozean holen und auf einen Berg tragen und in ein staubtrockenes Staubecken kippen? Solarenergie gilt als ineffizient, überteuert und veraltet, lässt sich physikalisch nicht weiter steigern und ist nicht wirtschaftlich finanzierbar, Solarsubvension ist Korruption und die Lobby schon fast organisierte kriminalität. Windkraft ist nicht Grundlastfähig und zu teuer. Es ist den Japanern sicher nicht zu wünschen, das sie in den selben Ruin getrieben werden in dem wir unser Land treiben. Spätestens wenn deutschland pleite und zahlungsunfähig ist, werden hier wieder AKWs gebaut. So denkt Japan über unseren Atomausstieg: http://www.jpquake.info/ Ziemlich eindeutig, die halten uns für bekloppt, zurecht.
Mit Verlaub: mit deutschem Größenwahn 1914ff. habe ich nichts zu tun (bin in erst in den 1970ern dazu gestoßen). Sie leifern ein sehr schönes Beispiel dafür, auf welchem technischem Niveau sich die verbliebenen AKW-Befürworter bewegen.
m a x l i 15.07.2011
4. Schon wieder der Titelkampf
Zitat von gewikoDa wollen wir wieder mal die Welt retten und die Völker belehren, deutscher Größenwahn seit 1914, nein, seit dem der erste Missionar im Urwald im Kochtopf endete. Kan wollte mit dem Atomthema seine Beliebtheit steigern, er gilt mit Umfragewerten von 16% als unbeliebt, in den kommenden Monaten wird sein Rücktritt erwartet. Die Opposition hat kein Problem mit Atomkraft. Uran ist auch reichlich vorhanden und Uran schickt keine Rechnung. Man kann Kernbrennstoff mit Brütern sogar vermehren. Frankreich entwickelt einen Reaktor, bei dem eine Kernschmelze nicht mehr möglich ist. Kernenergie ist die Zukunft, Deutschland steigt aus, westlich von uns bleibt man bei der Atomkraft und östlich von uns steigt man ein oder baut sie aus. Bereits heute ist in Deutschland der Strom doppelt so teuer wie in unseren Nachbarländern. Das geht so lange gut, wie man von der Substanz lebt, die in der Vergangenheit auch billige Strompreise geschaffen haben. Aber wie soll man benötigte Investoren mit teuren Preisen und einer nicht grundlastfähigen Energieversorgung anlocken? Das Kapital wird Deutschland verlassen. Abgesehen davon, wie sollen die Japaner das reich vorhandene Wasser nutzen? Mit Eimern aus dem Ozean holen und auf einen Berg tragen und in ein staubtrockenes Staubecken kippen? Solarenergie gilt als ineffizient, überteuert und veraltet, lässt sich physikalisch nicht weiter steigern und ist nicht wirtschaftlich finanzierbar, Solarsubvension ist Korruption und die Lobby schon fast organisierte kriminalität. Windkraft ist nicht Grundlastfähig und zu teuer. Es ist den Japanern sicher nicht zu wünschen, das sie in den selben Ruin getrieben werden in dem wir unser Land treiben. Spätestens wenn deutschland pleite und zahlungsunfähig ist, werden hier wieder AKWs gebaut. So denkt Japan über unseren Atomausstieg: http://www.jpquake.info/ Ziemlich eindeutig, die halten uns für bekloppt, zurecht.
Sie liefern ein sehr gutes Beispiel, dass es diesen Groessenwahn leider immer noch gibt. Nein, sowas! Mir haben diese Schlingel trotzdem immer eine Rechnung geschickt. Eine Frechheit! Jetzt werde ich mal meine Zahlungen unterbinden. Danke fuer den Tipp! Um Himmels Willen! Noch mehr Abfaelle. Und die Muellabfuhr hat sich noch nicht ein einziges mal blicken lassen. Schnickschnack! Sowas brauchen wir nicht, bei uns ist doch keine Kernschmelze moeglich. Oder hat da vielleicht jemand ein bisschen geschwindelt? Dann machen wir es doch einfach wie die Oesterreicher, die Polen, die Daenen und die Luxemburger: Weg mit allen AKWs und schon halbiert sich der Strompreis! Das scheint die Grundphilosophie der Atom-Wirtschaft zu sein. Jetzt geht es allmaehlich an die Substanz, weil schon der Platz, wo man noch Kuehe weiden lassen oder Kinder im Freien spielen lassen kann, knapp wird. Und wenn wir erstmal wissen, wie wir den ganzen Krempel auch wieder los werden, kommt noch eine ganz grosse Rechnunmg. Ich bin enttaeuscht. Das weiss jeder Fuenfjaehrige. Verdunstung, Wolken, Regen. Die Eimer braucht man erst, wenn wieder mal so ein Uran-Kocher zerbroeselt und kein Mensch so recht weiss, wie man das Ding die naechsten paar Tage kuehlen soll. Alles Behauptungen ohne Begruendung. Riecht nach interessengesteuerter Meinungsmache. Einfach Solar- durch Atom- ersetzen! Als Insider wissen Sie ja, ob dann alles passt. Na, logisch! Wenn wir keinen Pfennig mehr in der Tasche haben, dann stellen wir das Land voll mit AKWs. Jedes kostet ja hoechstens ein paar Milliarden.
ichse-michse 15.07.2011
5. Ihr Link...
Zitat von gewikoDa wollen wir wieder mal die Welt retten und die Völker belehren, deutscher Größenwahn seit 1914, nein, seit dem der erste Missionar im Urwald im Kochtopf endete. Kan wollte mit dem Atomthema seine Beliebtheit steigern, er gilt mit Umfragewerten von 16% als unbeliebt, in den kommenden Monaten wird sein Rücktritt erwartet. Die Opposition hat kein Problem mit Atomkraft. Uran ist auch reichlich vorhanden und Uran schickt keine Rechnung. Man kann Kernbrennstoff mit Brütern sogar vermehren. Frankreich entwickelt einen Reaktor, bei dem eine Kernschmelze nicht mehr möglich ist. Kernenergie ist die Zukunft, Deutschland steigt aus, westlich von uns bleibt man bei der Atomkraft und östlich von uns steigt man ein oder baut sie aus. Bereits heute ist in Deutschland der Strom doppelt so teuer wie in unseren Nachbarländern. Das geht so lange gut, wie man von der Substanz lebt, die in der Vergangenheit auch billige Strompreise geschaffen haben. Aber wie soll man benötigte Investoren mit teuren Preisen und einer nicht grundlastfähigen Energieversorgung anlocken? Das Kapital wird Deutschland verlassen. Abgesehen davon, wie sollen die Japaner das reich vorhandene Wasser nutzen? Mit Eimern aus dem Ozean holen und auf einen Berg tragen und in ein staubtrockenes Staubecken kippen? Solarenergie gilt als ineffizient, überteuert und veraltet, lässt sich physikalisch nicht weiter steigern und ist nicht wirtschaftlich finanzierbar, Solarsubvension ist Korruption und die Lobby schon fast organisierte kriminalität. Windkraft ist nicht Grundlastfähig und zu teuer. Es ist den Japanern sicher nicht zu wünschen, das sie in den selben Ruin getrieben werden in dem wir unser Land treiben. Spätestens wenn deutschland pleite und zahlungsunfähig ist, werden hier wieder AKWs gebaut. So denkt Japan über unseren Atomausstieg: http://www.jpquake.info/ Ziemlich eindeutig, die halten uns für bekloppt, zurecht.
... führt zu sehr interessanten Informationen und Meinungen. Ich kann allerdings nicht erkennen, dass dies das allgemeine japanische Meinungsbild repräsentieren soll. Bitte schauen Sie auch mal hier: http://ex-skf.blogspot.com/ oder hier: http://mdn.mainichi.jp/perspectives/news/20110715p2a00m0na001000c.html
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