Konflikt um Kurilen-Inseln Japan zieht Botschafter in Moskau ab

Der jahrzehntelange Streit um die Kurilen-Inseln hat einen neuen Höhepunkt erreicht: Japan zieht seinen Botschafter aus Moskau ab - und macht damit seine Drohung vom Vortag wahr. Ursache ist der Besuch des russischen Präsidenten Medwedew in dem umstrittenen Gebiet.

Medwedew auf der Insel Kunaschir: Das Außenministerium kündigte weitere Besuche des Präsidenten an
dpa

Medwedew auf der Insel Kunaschir: Das Außenministerium kündigte weitere Besuche des Präsidenten an


Moskau - Der Kreml ließ sich nicht davon abbringen: Am vergangenen Montag hat mit Dmitrij Medwedew erstmals ein russischer Präsident offiziell die Kurilen-Inseln besucht. Er unterstrich damit Moskaus Anspruch auf die Inselgruppe, die auch Japan für sich reklamiert. Umgehende Proteste der japanischen Regierung blieben daher nicht aus: Am Dienstag zog Tokio vorübergehend seinen Botschafter aus Moskau ab.

Ungeachtet dessen hat der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag weitere Besuche des Präsidenten angekündigt. Zudem wolle Medwedew die Investitionen dort erhöhen. Ob es zu einem Treffen zwischen Japans Premier Naoto Kan und Medwedew am Rande des Apec-Gipfels Mitte des Monats im japanischen Yokohama kommt, war zunächst unklar.

Japan fordert seit Jahrzehnten die Rückgabe der vier südlichen Inseln, die sowjetische Truppen im Zweiten Weltkrieg besetzt hatten. Annäherungen der beiden Seiten sind bisher jedoch stets gescheitert. Der frühere Präsident Wladimir Putin etwa lehnte im Jahr 2000 eine von Japan vorgeschlagene Veränderung der Grenze ab. Wegen des Streits haben beide Länder bis heute keinen Friedensvertrag unterzeichnet.

Wirtschaftlich ist die zwischen der russischen Halbinsel Kamtschatka und der japanischen Insel Hokkaido gelegene Region wegen möglicher Bodenschätze und des Fischreichtums begehrt. Japanische Unternehmen fürchten jetzt negative Auswirkungen auf ihr Russlandgeschäft.

Die USA zeigten unterdessen laut japanischen Medienberichten Unterstützung für Japan. Man sei sich des Streits mit Russland bewusst. Washington stehe in der Frage der in Japan sogenannten nördlichen Territorien hinter Tokio, wurde US-Außenamtssprecher Philip Crowley zitiert.

Der Territorialstreit bricht zu einer Zeit neu auf, in der ein anderer Inselkonflikt rund um eine unbewohnte Inselgruppe im Ostchinesischen Meer Japans Verhältnis zu China belastet. In den zwei felsigen Eilanden werden Öl- und Gasvorräte vermutet. Ein Vermittlungsangebot der USA lehnte China am Dienstag ab.

sko/dpa/rtr



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Seite 1
w.-d.w 02.11.2010
1. Die Japaner handeln
Zitat von sysopDer jahrzehntelange Streit um die Kurilen-Inseln hat einen neuen Höhepunkt erreicht:*Japan zieht seinen Botschafter aus Moskau ab - und macht damit seine Drohung vom Vortag wahr. Ursache ist der Besuch des russischen Präsidenten Medwedew. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726665,00.html
und die Merkel beklatscht die Siegesparade der Russen
Emmi 02.11.2010
2. Gebietsansprüche?
Zitat von w.-d.wund die Merkel beklatscht die Siegesparade der Russen
D hat im 2. WK auch einiges an Territorium eingebüßt. Würden Gebietsansprüche dieses Landes z.B. an Polen oder Rußland von Ihnen auch so begrüßt werden?
suum.cuique 02.11.2010
3. bitte PC bleiben !!!
Zitat von w.-d.wund die Merkel beklatscht die Siegesparade der Russen
das ist die Befreiungsparade, also fuer die Deutschen ein Grund zum mitfeiern!
schwarzer Schmetterling, 02.11.2010
4. Nix gelernt - die Japaner
Zitat von sysopDer jahrzehntelange Streit um die Kurilen-Inseln hat einen neuen Höhepunkt erreicht:*Japan zieht seinen Botschafter aus Moskau ab - und macht damit seine Drohung vom Vortag wahr. Ursache ist der Besuch des russischen Präsidenten Medwedew. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,726665,00.html
wer einen Krieg verliert, der zahlt. Und wir Deutschen haben mehr verloren als ein paar Inselchen - und akzeptieren dies seit langer Zeit. Die japanische Politik darf ihrer stagnierenden Wirtschaft nun beibringen, warum Moskau sich noch mehr den Chinesen zuwendet. Und das Geschlabber aus dem Ami-Land? Na lasst sie doch! Und wenn die Japaner nicht zur Aufarbeitung ihrer eigenen faschistischen Vergangenheit in der Lage sind - werden sie als rohstoffarmes Land schnell die Zeche zahlen müssen. Den russischen Bären sollte man besser in Ruhe lassen - und an den Westen ein kleiner Tipp - der Besuch zeigt einen Richtungswechsel - in Richtung Osten, zur Zusammenarbeit mit den Chinesen - und wenn diese beiden Großmächte an einem Strang ziehen - dann gute Nacht. Vielleicht sollte man die ständige Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer doch endlich mal unterlassen und akzeptieren, dass nicht jeder auf der Welt freiheitlich-lobbyitisch-demokratisch ist und es nicht nur Lakaien einer untergehenden Großmacht gibt.
w.-d.w 02.11.2010
5. Emmi
Zitat von EmmiD hat im 2. WK auch einiges an Territorium eingebüßt. Würden Gebietsansprüche dieses Landes z.B. an Polen oder Rußland von Ihnen auch so begrüßt werden?
sorry, aber was soll ich evtl. begrüßen?
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