Konflikt zwischen USA und Iran Russland warnt vor Eskalation

Nachdem Donald Trump Iran kürzlich noch indirekt mit der Vernichtung gedroht hatte, kommen nun sanftere Töne aus Washington. Teheran betont, kein Interesse an einer Eskalation zu haben. Der Irak will vermitteln.
Irans Außenminister Sarif (l.) besuchte Anfang Mai seinen russischen Amtskollegen Lawrow in Moskau

Irans Außenminister Sarif (l.) besuchte Anfang Mai seinen russischen Amtskollegen Lawrow in Moskau

Foto: Pavel Golovkin/ DPA

Im Konflikt zwischen den USA und Iran hat Russland vor einer Eskalation gewarnt. Viel hänge von den Europäern und ihrer Fähigkeit ab, angemessen auf die Bedenken Irans zu reagieren, teilte das Außenministerium am Dienstagabend in Moskau mit. Es sollten die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Handelsbeziehungen mit Iran erhalten blieben.

Das bekräftigte auch Kremlchef Wladimir Putin bei einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Nach Angaben aus Berlin sahen es die drei Politiker als erforderlich an, dass Iran im Atomabkommen bleibt.

Die USA waren vor einem Jahr einseitig aus dem mühsam ausgehandelten Vertrag ausgestiegen. Die Führung in Teheran hatte vor mehr als einer Woche angekündigt, sich nicht mehr an einzelne Vereinbarungen aus dem Abkommen halten zu wollen. Am Montag erklärte Iran dann, seine Uranproduktion in der Atomanlage Natans um das Vierfache erhöht zu haben.

Das russische Außenministerium sagte dazu, man beobachte die Situation genau. Moskau hoffe, dass Iran keine weiteren Schritte gehen werden, die gegen die Verpflichtung im Atomvertrag verstießen.

Die Lage in der Golfregion ist wegen des Streits zwischen den USA und Iran derzeit sehr angespannt. Das US-Verteidigungsministerium hatte unter anderem einen Flugzeugträger und eine Bomberstaffel in den Nahen Osten entsandt und das damit begründet, es gebe Hinweise auf mögliche iranische Angriffe auf US-Kräfte. Die USA und ihr enger Verbündeter Saudi-Arabien werfen Iran vor, Konflikte in der Region anzuheizen und Terrorismus zu unterstützen. Washington setzt Iran auch massiv mit Wirtschaftssanktionen unter Druck.

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Am vergangenen Wochenende hatte US-Präsident Donald Trump Iran indirekt mit der Vernichtung gedroht. Inzwischen gibt es wieder etwas sanftere Töne aus Washington zu hören. "Es geht uns nicht darum, in den Krieg zu ziehen", sagte der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan am Dienstag. Es gehe um Abschreckung, nicht um Krieg. "Wir wollen nicht, dass die Situation eskaliert."

Shanahan und US-Außenminister Mike Pompeo hatten zuvor hinter verschlossenen Türen Mitglieder des Repräsentantenhauses und des Senats über die Lage im Konflikt mit Iran informiert.

Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA am Dienstag vor, einen wirtschaftlichen Krieg gegen sein Land zu führen und ein "sehr gefährliches Spiel" zu spielen. Er betonte zugleich, Iran habe kein Interesse an einer Eskalation. "Wir werden nicht diejenigen sein, die eine Eskalation beginnen, aber wir werden uns verteidigen."

Irak will Delegationen nach Washington und Teheran schicken

Iraks Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi kündigte an, in naher Zukunft Delegationen nach Washington und Teheran zu schicken um auf eine Deeskalation hinzuwirken. Es sei wichtig, "niemandem Raum zu geben, die Situation zu befeuern", sagte Mahdi.

Der Irak könne sich von den Spannungen zwischen den USA und Iran nicht distanzieren und arbeite deshalb mit europäischen und arabischen Ländern an einer Deeskalation der Situation. Das liege "sowohl im Interesse des Iraks und seiner Bevölkerung als auch der Region im Allgemeinen".

aar/dpa/AFP