Kongo Bundeswehr gerät in Gewalt-Demonstration

Es könnte ein noch harmloser Vorgeschmack auf das sein, was die Bundeswehr bei ihrem Einsatz im Kongo erwartet. Erstmals sind deutsche Soldaten in Kinshasa zwischen gewaltsame Demonstranten geraten. Bilanz: zwei zerschlagene Autoscheiben.


Kinshasa - Hunderte Anhänger der Oppositionspartei UDPS protestierten heute in Kongos Hauptstadt Kinshasa gegen die für Sonntag geplanten Wahlen. Sie blockierten die Hauptstraße vom Flughafen in die Innenstadt, warfen mit Steinen und Molotow-Cocktails. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein, um die Demonstration aufzulösen. Auch Bundeswehrsoldaten wurden mit gewaltsamen Demonstranten konfrontiert. Dabei seien zwei Scheiben eines VW-Busses zertrümmert worden, sagte Oberstleutnant Peter Fuss heute. "Zwei Demonstranten haben mit einer Holzstange die Scheiben zerschlagen", sagte er weiter.

Gewaltsame Proteste in Kinshasa: "Das hätte auch in Berlin passieren können"
DPA

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Ein Zeichen für die Gefährlichkeit der deutschen Kongo-Mission will Fuss in dem Zwischenfall jedoch nicht sehen. Dies hätte auch auf einer Demonstration in Berlin passieren können, so der Oberstleutnant Es sei kein Angriff auf die EU-Truppe im Kongo gewesen. Ob es bei der Demonstration Verletzte gab, wurde zunächst nicht bekannt.

Bei der Explosion einer Granate auf dem zentralen Markt von Kinshasa wurden heute nach Polizeiangaben dagegen mindestens 16 Menschen verletzt. Die Granate sei einem "Militär aus der Tasche gefallen" und dann sei ein Auto darüber gefahren, zitierte der Uno-Radiosender Okapi einen Augenzeugen. Die Verletzten, die sich nicht in Lebensgefahr befänden, wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Polizei leitete Ermittlungen ein, um die genaue Ursache zu klären. Auf dem Markt herrschte zum Zeitpunkt des Unglücks reger Betrieb. Täglich versorgen sich dort tausende Bewohner der Hauptstadt mit Lebensmitteln und anderem.

Etwa 280 deutsche Soldaten sind mittlerweile in Kinshasa angekommen. Sie bilden einen Teil der 2000 Mann starken europäischen Truppe, die die ersten Wahlen seit mehr als 40 Jahren im Kongo absichern soll. Die Bundeswehr hat in Kinshasa ein Lazarett aufgebaut und soll in den kommenden Tagen mit drei Hubschraubern vom Typ CH-53 den Transport von Truppen und Material im Großraum Kinshasa übernehmen.

phw/AFP/AP/dpa



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