Kongo Französische Soldaten unter Beschuss

Wenige Tage nach ihrem Eintreffen in Kongo gerieten französischen Soldaten der EU-Friedensmission erstmals unter direkten Beschuss. Trotz der risikoreichen Lage hält die Bundesregierung an ihren Plänen fest, sich an der europäischen Friedenstruppe zu beteiligen.


Einsatz auf gefährlichem Terrain: Französische Soldaten im Kongo
DPA

Einsatz auf gefährlichem Terrain: Französische Soldaten im Kongo



Bunia - Der Zwischenfall ereignete sich am Samstagmorgen während einer Militärpatrouille etwa sechs Kilometer südöstlich der Provinzhauptstadt Bunia, wie der französische Oberst Gerard Dubois mitteilte. Das Feuergefecht habe etwa 20 Minuten angehalten. Opfer auf französischer Seite habe es nicht gegeben, von Toten oder Verletzten unter den Angreifern sei nichts bekannt.

Im Verlauf des Angriffs waren mindestens zehn Explosionen von Granaten zu hören. Die Soldaten des Konvois erwiderten das Feuer. Später flogen französischen Kampfflugzeuge über das Kampfgebiet. Die Angreifer hielten sich im dichten Buschland versteckt. Wer sie gewesen seien, sei nicht zu erkennen gewesen.

Kämpfe zwischen Angehörigen der Volksgruppen Hema und Lendu haben seit Mai zu Chaos und Anarchie in der Gegend um Bunia geführt. Hunderte Menschen wurden getötet; Zehntausende sind aus ihren Häusern vertrieben worden oder geflüchtet.

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DER SPIEGEL

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Ein Kommandeur der Volksgruppe der Hema erklärte, für den Überfall seien Kämpfer vom Stamm der Lendu verantwortlich. Die Hema hätten gegen ihre "traditionellen Feinde" vorgehen wollen, doch die Franzosen hätten sie daran gehindert. Kurze Zeit später seien die französischen Truppen dann selbst von den Lendu unter Feuer genommen worden.

Unterdessen lagen der Uno-Mission in Kongo Berichte von mehreren Massengräbern in Bunia vor, wie Sprecher Manodje Mounoubai erklärte. Kämpfer der Hema-Miliz UPC hätten die Uno-Truppen jedoch daran gehindert, die betreffenden Orte aufzusuchen und den Berichten nachzugehen.

Struck weiterhin für Bundeswehreinsatz im Kongo

Unterdessen verteidigte Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) erneut die bevorstehende Beteiligung der Bundeswehr am EU-Militäreinsatz im Kongo: "Der Kampf um Demokratisierung und Menschenrechte darf sich nicht auf Regionen wie Afghanistan beschränken, sondern ist auch in Afrika nötig."

Über den Einsatz, zu dem die Bundeswehr vor allem mit Lufttransporten nach Uganda beitragen soll, wird der Bundestag am Mittwoch entscheiden.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte Anfang Juni der Entsendung einer 1400 Mann starken Friedenstruppe beschlossen. Frankreich stellt rund 1000 Soldaten der Truppe, den Rest steuern andere Staaten der Europäischen Union und Länder wie Kanada und Südafrika bei. Deutschland entsendet voraussichtlich ein fliegendes Lazarett und stellt Lufttransport-Kapazitäten sowie Stabsoffiziere für das französische Hauptquartier zur Verfügung.



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