Kongo Medien sehen Betrug bei Präsidentschaftswahl bestätigt

Internationale Medien haben bisher geheime Daten zur Präsidentschaftswahl im Kongo analysiert. Ihr Ergebnis: Der unterlegene Martin Fayulu bekam 60 Prozent der Stimmen - der Gewinner Félix Tshisekedi gerade 20 Prozent.

Martin Fayulu
REUTERS

Martin Fayulu


Der Sieg von Félix Tshisekedi bei der Präsidentschaftswahl im Kongo überraschte viele Beobachter - und soll Kritikern zufolge durch ein Abkommen mit dem scheidenden Präsidenten Joseph Kabila zustande gekommen sein. Die Skepsis scheint angebracht: Eine Analyse bisher geheimer Daten aus den Wahllokalen hat nach Berichten internationaler Medien klar die Fälschung der Ergebnisse der Präsidentenwahl gezeigt.

Die Wahl habe Oppositionskandidat Martin Fayulu mit rund 60 Prozent der Stimmen gewonnen, nicht der von der Wahlkommission vergangene Woche zum Sieger erklärte Félix Tshisekedi. Dieser habe nur knapp 20 Prozent der Stimmen bekommen, berichteten am Dienstag die "Financial Times" sowie die französischen Auslandsmedien RFI und TV5.

Die Medien stützten ihren Bericht auf ein Leak der Rohdaten der Wahlkommission und die bislang ebenfalls unter Verschluss gehaltenen Daten der Wahlbeobachter der katholischen Kirche. Die Kirche hatte rund 40.000 Beobachter im Einsatz.

Nach der Abstimmung vom 30. Dezember waren die Ergebnisse in jedem Wahllokal öffentlich angeschlagen worden. Diese Resultate gelten als zuverlässig. Eine Fälschung der Wahl konnte es daher wohl nur auf der nächst höheren - und kaum transparenten - Ebene geben, wo die Einzelergebnisse addiert werden.

Einspruch gegen das Ergebnis eingelegt

"Die Analyse deutet auf riesigen Betrug hin", schrieb die "Financial Times" unter Berufung auf die Datensätze. Fayulu hat vor dem Verfassungsgericht bereits Beschwerde eingelegt. "Wir werden dies nicht für einen Moment akzeptieren", sagte Fayulu vor wenigen Tagen vor dem Gerichtsgebäude in Kinshasa. Man könne keine Ergebnisse hinter verschlossenen Türen fabrizieren.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der instabilsten Länder Afrikas. Seit dem Ende der belgischen Kolonialherrschaft 1960 gab es noch nie einen friedlichen Machtwechsel. Die Präsidentenwahl hätte laut Verfassung eigentlich schon vor zwei Jahren stattfinden müssen. Da sich Kabila jedoch weigerte, wie vorgesehen nach zwei Amtszeiten abzutreten, wurden die Wahlen mehrfach verschoben. Proteste dagegen wurden blutig niedergeschlagen.

vks/dpa

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