Kongo Präsident Tshisekedi bildet Regierung mit Partei seines Vorgängers

Im Januar fanden in der Demokratischen Republik Kongo historische Wahlen statt. Nun steht auch die Koalition. Die Parteien von Präsident Félix Tshisekedi und seinem Vorgänger Joseph Kabila regieren künftig zusammen.

Félix Tshisekedi: Die Wahl war historisch - und umstritten
Baz Ratner/REUTERS

Félix Tshisekedi: Die Wahl war historisch - und umstritten


Sieben Monate nach dem Amtsantritt von Félix Tshisekedi als Präsident der Demokratischen Republik Kongo bekommt das zentralafrikanische Land eine neue Regierung. "Die Regierung ist endlich da", sagte Ministerpräsident Sylvestre Ilunga. Das Parlament tritt am 7. September zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, um die neue Regierung einzusetzen.

Der Koalitionsvertrag sieht eine Machtaufteilung zwischen dem Bündnis von Präsident Tshisekedi und der Bewegung seines Vorgängers Joseph Kabila vor. 42 Regierungsmitglieder kommen aus dem Lager Tshisekedis, 23 aus dem von Kabila.

Der scheidende Präsident Kabila durfte sich nicht um eine weitere Amtszeit bewerben. Bei den Parlamentswahlen hatte sich sein Lager 337 von 485 Sitzen gesichert.

Glaubhafte Vorwürfe des Wahlbetrugs

Die Wahl im Kongo war umstritten. Gegen Präsident Tshisekedi gab es glaubhafte Vorwürfe des Wahlbetrugs. Das Verfassungsgericht erklärte ihn im Januar dennoch zum Gewinner der Abstimmung. Sein Amtsantritt gilt trotzdem als ein Erfolg für das Land. Die Wahl Tshisekedis markiert den ersten friedlichen Machtwechsel seit der Unabhängigkeit von Belgien 1960.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der instabilsten Länder Afrikas. Seit dem Ende der belgischen Kolonialherrschaft 1960 gab es noch nie einen friedlichen Machtwechsel. Die Präsidentenwahl hätte laut Verfassung eigentlich schon vor zwei Jahren stattfinden müssen. Da sich Kabila jedoch weigerte, wie vorgesehen nach zwei Amtszeiten abzutreten, wurden die Wahlen mehrfach verschoben. Proteste dagegen wurden blutig niedergeschlagen.

Nach der Unabhängigkeit von Belgien 1960 hatte Diktator Mobutu Sese Seko bald die Macht ergriffen. Er wurde von Rebellenführer Laurent-Désiré Kabila gestürzt, der sich 1997 selbst zum Präsidenten erklärte. 2001 wurde Kabila von einem Bodyguard erschossen. Sein damals 29 Jahre alter Sohn Joseph erbte die Macht - und blieb anschließend knapp 18 Jahre im Amt.

asc/AFP



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