Kongo Rebellen rufen Waffenstillstand aus

Zehntausende Menschen auf der Flucht, weiter vordringende Rebellen, heftige Gefechte mit Regierungstruppen: Die Lage im Ostkongo ist dramatisch. Jetzt haben die Rebellen einen Waffenstillstand ausgerufen - die Uno begrüßt den Schritt, hat aber dennoch Zweifel.


Nairobi/Goma - Die Rebellen stehen nach eigenen Angaben vor der Provinzhauptstadt Goma im Osten Kongos - die Regierungssoldaten sind auf der Flucht, ebenso wie zehntausende Menschen. Für die Umgebung der Provinzhauptstadt haben die Tutsi-Rebellen jetzt eine einseitige Waffenruhe ausgerufen.

Angst vor den Rebellen: Flüchtlinge im Ostkongo auf dem Weg nach Goma
DPA

Angst vor den Rebellen: Flüchtlinge im Ostkongo auf dem Weg nach Goma

Ein Uno-Sprecher begrüßte die Ankündigung, erklärte jedoch, es sei nicht klar, ob der Erklärung auch Taten folgen würden. Uno-Soldaten hielten sich den Angaben zufolge am Flughafen und an anderen strategisch wichtigen Punkten auf. Vor der Stadt waren Explosionen von Bomben, Artilleriefeuer und das Heulen von Granaten zu hören.

Alle versuchten, Goma so schnell wie möglich zu verlassen, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation World Vision. "Wir werden unsere Mitarbeiter nach Ruanda zurückziehen, sobald die Sicherheitslage das erlaubt", sagte World-Vision-Chef Kevin Cook. Mehrere Mitarbeiter befänden sich selbst im Strom der Flüchtlinge, denen sie zu helfen versuchten.

Die Rebellenarmee hatte seit Beginn ihrer Offensive am Wochenende mehrere Städte eingenommen und eine Massenflucht ausgelöst. Nach schweren Kämpfen in Rutshuru an der Grenze zu Uganda flohen tausende Kongolesen in das Nachbarland.

Im Januar war in Goma ein Friedensabkommen unterzeichnet worden, das von allen Konfliktparteien wiederholt gebrochen wurde. General Laurent Nkunda, der Anführer der Rebellen, begründet seinen Kampf mit dem Schutz der kongolesischen Tutsi. In der Region sind auch Hutu-Milizen aktiv, die nach dem Völkermord im benachbarten Ruanda 1994 in das damalige Zaire geflohen waren.

Bereits in den vergangenen Tagen war die Arbeit von Helfern zunehmend gefährlich geworden. So wurden am Dienstag Caritas- Mitarbeiter nach der Verteilung von Lebensmitteln in der Region Goma von Soldaten der Regierungstruppen ausgeraubt. Caritas International rief zu Spenden für die mehr als eine Million Flüchtlinge auf, die durch den Konflikt im Ostkongo entwurzelt wurden. Allein seit dem Wiederaufflammen der Kämpfe Ende August flohen rund 250.000 Menschen.

"Den Flüchtlingen fehlt es an allem, was zum Überleben nötig ist, vor allem Nahrung und Trinkwasser. Manche Flüchtlinge sind dem Hungertod nah", sagte die deutsche Caritas-Sprecherin Ursula Hartwig.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er sei "tief besorgt" über die Zahl der getöteten Zivilisten und wegen der vor den Kämpfen fliehenden Bevölkerung. "Die Situation in Goma ist besorgniserregend", sagte Ban. Er habe Gespräche mit den Regierungen im Kongo und im benachbarten Ruanda sowie mit europäischen und afrikanischen Politikern geführt, um über eine Beilegung des Konflikts zu beraten.

Frankreichs Außenminister Kouchner sprach sich für einen EU- Einsatz im Ostkongo aus. Er halte eine Truppe mit bis zu 1500 Soldaten für sinnvoll, sagte er in Paris. Diese sollte innerhalb von acht bis zehn Tagen einsatzbereit sein.

EU-Chefdiplomat Javier Solana sprach sich gegen den Kouchner-Vorschlag aus: "In diesem Stadium ist eine militärische Intervention durch die EU nicht Gegenstand der Diskussion", sagte seine Sprecherin am Mittwochabend in Brüssel. Derzeit hätten diplomatische Bemühungen absolute Priorität. Die UNO habe außerdem bisher keinen militärischen Bedarf angemeldet. Solana und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hätten am Mittwoch telefoniert, fügte die Sprecherin hinzu.

Die EU hatte 2006 mit einem Einsatz unter Führung der Bundeswehr die MONUC bei der Absicherung der Wahlen unterstützt. Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte: "Die Konflikte in der Region werden sich nur im Dialog lösen lassen." In Nord Kivu drohe eine "politische und humanitäre Katastrophe".

hen/dpa/AFP



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