Kongo "Schwerwiegende Greueltaten an der Zivilbevölkerung"

Massaker, willkürliche Erschießungen und die Rekrutierung von Kindersoldaten: Drei Monate nach Beginn des jüngsten Bürgerkriegs im Ostkongo haben die Vereinten Nationen Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen aufgenommen.


Kinshasa/New York - "Alle kriegführenden Parteien haben schwerwiegende Greueltaten in der Zivilbevölkerung verübt", teilte der Uno-Gesandte im Kongo, Alan Doss, am Mittwoch dem Sicherheitsrat in New York mit. "Frauen und Kinder haben unter den ständigen Kämpfen am meisten zu leiden." Sexuelle Gewalt sei weitverbreitet, und viele bewaffnete Gruppen rekrutierten weiterhin Kinder.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon empfahl in einem Bericht an den Sicherheitsrat, das Mandat für die Friedenstruppe im Kongo im nächsten Jahr fortzuführen. "Im gegenwärtigen Klima kann die Möglichkeit von Massakern an Zivilpersonen nicht ausgeschlossen werden", erklärte Ban. In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass die ugandische Rebellengruppe Widerstandsarmee des Herrn (Lord's Resistance Army, LRA) von Mitte September bis Anfang Oktober 177 kongolesische Kinder entführt und 76 Erwachsene umgebracht habe.

Ban Ki Moon: 1,35 Millionen Vertriebene

Nach Angaben Bans sind 1,35 Millionen Menschen in den ostkongolesischen Regionen Nord-Kivu, Süd-Kivu und Ituri aus ihren Wohnorten vertrieben worden. Ban äußerte die Sorge, dass der Konflikt auf andere Länder der Region übergreifen könnte. In der vergangenen Woche beschloss der Weltsicherheitsrat, die Friedenstruppe im Kongo um 3100 Mann zu verstärken. Einschließlich internationaler Polizeikräfte steigt die Mannschaftsstärke der Monuc damit auf mehr als 20.000 im gesamten Land, das so groß wie Westeuropa ist. Die stellvertretende britische Uno-Botschafterin Karen Pierce forderte, die Verstärkung müsse so schnell wie möglich ihren Einsatz beginnen. Die europäischen Staaten haben bisher aber nur zögerlich auf den Aufruf für weitere Uno-Kontingente reagiert.

Vor Ort verteilten die Vereinten Nationen Hilfsgüter an rund 3000 Menschen in der von Rebellen gehaltenen Stadt Rutshuru. Das Weltkinderhilfswerk Unicef lieferte Seife, Decken und frisches Wasser in die Region, um eine weitere Ausbreitung der Cholera zu verhindern. In den kommenden sechs Tagen sollen nach Uno-Angaben fast 100.000 Menschen mit Hilfsgütern versorgt werden.

Unterdessen wurden in der ostkongolesischen Stadt Bukavu nach Angaben der Regierung zwei ältere Massengräber mit bis zu 2000 Toten entdeckt. Justizminister Luzolo Bambi teilte am Mittwoch in Kinshasa mit, die Gräber seien am Samstag gefunden worden. Das Grundstück habe früher einem Mitglied der von Ruanda unterstützten Rebellengruppe RCD gehört. Der neue Besitzer sei bei Grabungsarbeiten auf die Toten gestoßen. Bukavu ist von den jüngsten Kämpfen nicht betroffen gewesen.

asc/AP

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Klaus.G 19.11.2008
1. Selbstverständlich!
Die Bundeswehr sollte solidarisch mit den Streitkräften die dort eingesetzt werden zum Einsatz kommen. Das erwartet die Uno und unsere Verbündeten von uns und dem können wir uns nicht entziehen ohne unser Ansehen zu beschädigen. Es kann nicht sein, dass alle anderen die Drecksarbeit machen und wir schauen nur zu. Nein, wir haben eine hervorragende Armee die hervorragendes leistet auf die wir stolz sein können. Die Zeiten haben sich geändert und dass sollten wir uns auch langsam mal klar machen...
kleiner-moritz 19.11.2008
2.
Zitat von sysopDie Lage in den Bürgerkriegsgebieten des Kongo wird immer dramatischer. Inzwischen sind mehr als 250.000 Menschen auf der Flucht. Frankreich will im Uno-Sicherheitsrat eine Aufstockung der dortigen Uno-Truppen beantragen. Was meinen Sie, soll Deutschland sich daran beteiligen?
Ganz klar: Nein! Besser wäre ein totales Embargo und drastische Strafen für dessen Bruch, analog zu Kriegsverbrechen!
Marquis d`Anjou, 19.11.2008
3. Hoechste Zeit !
Es ist wahrlich hoechste Zeit: die internationale Gemeinschaft ist gefragt - und wo bleiben die moralischen Vorreiter aus den USA ? Sie haben verdammt viel gutzumachen seitdem sie mit dem Fall Lumumba sehr viel mitzuverantworten haben an den tragichen Zustaenden der Gegenwart. Offen gestanden: für alle die Kongo lieben, und für die, die Kongo vom Ausland aus unterstützen: dem Schicksal des kongolesischen Volkes wird in Bezug auf das Rentabilitäts-Kalkül nicht Rechnung getragen. Uran und Coltan, das versteht sich von selbst, produzieren den Mehrwert. Was bedeuten also einige Millionen Tote im Vergleich dazu? Zynismus ? In dieser Region Afrikas konzentriert sich seit mehreren Jahrzehnten eine beträchtliche Zahl von Filous der ganzen Welt, offizielle und offiziöse. Das Zerstückeln und die Runde der Geier sind also nichts Neues. Diese Herren mit gutem Benehmen haben als Prinzip nur ihr Kapital. Humanistisches Handeln ist gefragt, ohne jedoch dabei gierig auf kuenftige Gewinne zu schielen.
Panslawist 19.11.2008
4.
Zitat von Marquis d`AnjouEs ist wahrlich hoechste Zeit: die internationale Gemeinschaft ist gefragt - und wo bleiben die moralischen Vorreiter aus den USA ? Sie haben verdammt viel gutzumachen seitdem sie mit dem Fall Lumumba sehr viel mitzuverantworten haben an den tragichen Zustaenden der Gegenwart. Offen gestanden: für alle die Kongo lieben, und für die, die Kongo vom Ausland aus unterstützen: dem Schicksal des kongolesischen Volkes wird in Bezug auf das Rentabilitäts-Kalkül nicht Rechnung getragen. Uran und Coltan, das versteht sich von selbst, produzieren den Mehrwert. Was bedeuten also einige Millionen Tote im Vergleich dazu? Zynismus ? In dieser Region Afrikas konzentriert sich seit mehreren Jahrzehnten eine beträchtliche Zahl von Filous der ganzen Welt, offizielle und offiziöse. Das Zerstückeln und die Runde der Geier sind also nichts Neues. Diese Herren mit gutem Benehmen haben als Prinzip nur ihr Kapital. Humanistisches Handeln ist gefragt, ohne jedoch dabei gierig auf kuenftige Gewinne zu schielen.
Die Unterstützung der Zivilbevölkerung, hat doch den Machterhalt Kabilas zum Ziel. Da schliesst das Eine das Andere nicht aus. Würde die Bundesregierung einmal ehrlich zu ihrem Volk sein, und es darüber aufklären, dass man da unten gegen die USA kämpft, dann würde die Zustimmung für den Einsatz steigen.
C. Weingart 19.11.2008
5.
Zitat von Klaus.GDie Bundeswehr sollte solidarisch mit den Streitkräften die dort eingesetzt werden zum Einsatz kommen. Das erwartet die Uno und unsere Verbündeten von uns und dem können wir uns nicht entziehen ohne unser Ansehen zu beschädigen. Es kann nicht sein, dass alle anderen die Drecksarbeit machen und wir schauen nur zu. Nein, wir haben eine hervorragende Armee die hervorragendes leistet auf die wir stolz sein können. Die Zeiten haben sich geändert und dass sollten wir uns auch langsam mal klar machen...
Das deutsche "Ansehen" in der Welt ist m.E. ein etwas dürftiger Gesichtspunkt, um Kriegseinsätze der Bundeswehr zu rechtfertigen. Die Bundeswehr ist bereits mit ihren aktuellen Einsätzen überlastet.
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