Kämpfe gegen Rebellen Tausende Kongolesen auf der Flucht

Im Osten des Kongos hat eine neue Flüchtlingswelle eingesetzt. Zehntausende Menschen flüchten vor der Offensive der Armee gegen die Rebellen. Die jüngsten Hoffnungen auf einen Waffenstillstand haben sich zerschlagen.

Flüchtlinge an der Grenze zu Uganda: M23 bricht eigenen Waffenstillstand
AFP

Flüchtlinge an der Grenze zu Uganda: M23 bricht eigenen Waffenstillstand


Kinshasa - Der angekündigte Waffenstillstand ist gescheitert. Laut der kongolesischen Armee griffen die Rebellen der M23 am Montag an der Grenze zu Uganda erneut mit schweren Geschützen die Stadt Bunagana an. Tausende Kongolesen sollen auf der Flucht ins Nachbarland sein.

"Das ist kein Kampf, das sind Bomben gegen die Zivilbevölkerung von Bunagana. Der Waffenstillstand war eine Lüge", sagte der Armee-Sprecher Olivier Hamuli der Nachrichtenagentur Reuters. Noch am Wochenende hatte die M23 eine Waffenruhe verkündet. Nach den erneuten Angriffen ist diese Ankündigung wohl hinfällig.

Über Twitter ließ die M23 ("Bewegung 23. März") verlautbaren, dass sie mit ihren Angriffen nur auf "Provokationen" der kongolesischen Armee reagiere. Die Rebellen beschuldigen auch die in der Region stationierten Uno-Truppen, nicht auf einen Friedensschluss hinzuarbeiten, sondern die FARDC und die mit der M23 verfeindete Rebellengruppe Forces Démocratiques de Libération du Rwanda (FDLR) zu unterstützen.

In der vergangenen Woche hatte die kongolesische Armee eine Offensive auf die von der M23 gehaltenen Gebiete gestartet. Die Rebellen wurden aus ihrer Hochburg Bunagana, der Grenzstadt zwischen der ostkongolesischen Region Kivu und Uganda, vertrieben.

Unterstützt wurde die Armee dabei wohl von Truppen afrikanischer Nachbarländer. Mindestens ein Soldat aus Tansania soll bei den Gefechten getötet worden sein.

Uno und EU plädieren für Waffenstillstand

Laut Uno und dem ugandischen Roten Kreuz sind Tausende Kongolesen auf der Flucht vor den erneut aufflammenden Kämpfen. Seit 2012 sollen insgesamt 750.000 Menschen aus der Region geflohen sein.

Am Montag gaben Vertreter von Uno, Afrikanischer Union, EU und den USA eine gemeinsame Stellungnahme zu den Kämpfen ab. Darin drängten sie die M23 zur Aufgabe. Außerdem solle die kongolesische Armee von weiteren militärischen Angriffen absehen. Nur so könne die M23 entwaffnet und für ihre Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht werden.

In den letzten Jahren kam es immer wieder zu schweren Gefechten im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Zwischenzeitlich hatten die Rebellen der M23 sogar die Millionenstadt Goma besetzt. Um einen Friedensvertrag ringen die Konfliktparteien seit dem letzten Jahr erfolglos.

asp/Reuters

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DonMcM 04.11.2013
1. Zu schwache UNO
Angesichts ständig zunehmender Fluchtbewegungen der Menschen aus unterschiedlichsten Gründen muss es endlich ein international anerkanntes und robustes Mandat zur Mediation für die UNO geben. Es geht um den Minderheitenschutz, schon bevor sich Milizen gebildet haben und ein Bürgerkrieg ausbricht. Die Probleme können nicht dadurch gelöst werden, dass weltweit Flüchtlinge aus ihrer Heimat dauerhaft vertrieben werden und die einzige Möglichkeit darin besteht diese in anderen Ländern aufzunehmen. Hilfeleistung für die Menschen muss früher beginnen! Staatliche Souveränität ist nicht alles! Einmischung in die Politik mancher Regime von Außen ist die Aufgabe der Zukunft (Nur durch legitimierte internationale Organisationen natürlich, nicht durch die CIA wie bisher immer!).
el-gato-lopez 04.11.2013
2. Nörgeltruppe
Zitat von sysopAFPIm Osten des Kongos hat eine neue Flüchtlingswelle eingesetzt. Zehntausende Menschen flüchten vor der Offensive der Armee gegen die Rebellen. Die jüngsten Hoffnungen auf einen Waffenstillstand haben sich zerschlagen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/kongo-tausende-kongolesen-fluechten-vor-schwere-gefechten-a-931626.html
Hier gilt wohl: "Wie man's macht, ist's falsch"... UNO, EU, USA und Afrikanische Union haben im Ostkongo jahrelang nichts auf die Beine gestellt. Gerade die UNO-Mission MONUSCO war bis zum verschärften Mandat im Grunde ein schlechter Witz. Nun gelingt es endlich den Regierungstruppen, AU-Ländern und der UNO die M23 aufzureiben und schon wieder geht das Geheule von Schreibtisch-Diplomaten los. Die kongolesische Regierung hat vernüftigerweise klar gemacht, dass es keinerlei Verhandlungen mehr mit Rebellen geben wird, da diese dabei ohnehin auf Schutzgeld und Regierungsposten abzielen. Und die Regierung muss es wissen, schliesslich sind viele ihrer Leute ja so überhaupt an die Macht gekommen. Gerade die USA sind wohl am Status Quo im Ostkongo interessiert, da viele US-finanzierte Bergbauprojekte dort laufen. Sind die M23 und andere Gruppen weg vom Fenster bedeutet das für die Amis: neue Herren = neue Verhandlungspartner = mehr Kosten...
akalunga 04.11.2013
3. westliche Interessen
ich habe jahre lang ( seit früh 70') dieses hin und her des westens angesehen. selber komme aus der copperbelt. in norden von zambia, und stelle auch fest das der Westen hier den status quo genau so weiter betreiben tut. lass mal amerikaner erschossen werden oder von de beers ne mine bombadiert werden, schon sind die sondertruppen da und die Rebellen sind weg. ja das sind afrikanische probleme, selbst gemacht von korrupten Regierungen, aber wer bezahlt / besticht diese den???????
Aismann 04.11.2013
4. Ursachenforschung
Sollte immer mal wieder betrieben werden. Es mag sein, dass die Regierung nicht mehr mit den Rebellen vehandeln will, warum auch, jetzt, da die UNO doch 3500 Kampftruppen der desolaten DRC Armee zur Seite stellen. Auch wird vergessen, dass die Ruanda gesponsorten M23 sich aus dem Grunde von der FARDC ausgeschlossen haben, weil die Congo Regierung ihre Versprechen gebrochen hat. So hat nie eine Integration der nun M23 stattgefunden. DRC ist so gross wie Westeuropa. ein Grossteil davon ist friedlich. Da besteht überhaupt kein Grund gleich das Land zu verlassen. Die Hilfeleistung für die Menschen in DRC hat längst begonnen, und zwar in einem Ausmaße wie nirgend sonst in Afrika. Nur, man kann dieses Land nicht fremdregieren. Wenn die Regierung 2000 km im Westen keine Antwort hat, dann ist das Land offenbar zu groß zum eigenen Guten. Es wäre konsequent, dann eine neue Grenzziehung zu überdenken.
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