Kongo-Wahl Schwere Kämpfe vor Oberstem Gericht in Kinshasa

Ausbruch der Gewalt in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa. Vor dem Obersten Gericht lieferten sich wenige Tage nach Bekanntwerden des Wahlergebnisses Anhänger rivalisierender Parteien schwere Gefechte. Tausende sind bereits ins Nachbarland Kongo-Brazzaville geflüchtet.


Kinshasa – Das Obersten Gericht im Kongo steht in Flammen. Rund 150 Soldaten der Uno-Friedenstruppe Monuc fuhren mit Panzerwagen vor dem Gerichtsgebäude auf und gaben Warnschüsse ab. Die sich in dem Gebäude aufhaltenden Personen wurden von Uno-Soldaten in Sicherheit gebracht. Auch in den umliegenden Straßen wurde geschossen. Autos wurden in Brand gesetzt.

Kinshasa: Feuerwehrleute im Löscheinsatz vor dem Obersten Gericht
AFP

Kinshasa: Feuerwehrleute im Löscheinsatz vor dem Obersten Gericht

Es seien zusätzliche Kräfte zusammengezogen worden, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen, sagte ein Sprecher der Uno-Vertretung im Kongo. Auch Soldaten der Eingreiftruppe der Europäischen Union seien in der Nähe des Gerichtsgebäudes im Einsatz. Zu der EU-Truppe gehören auch 780 Bundeswehrsoldaten, die zum Schutz der Wahl entsandt worden waren.

In dem Gericht hatte gerade eine Anhörung über Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit der Präsidentenwahl begonnen. Die Anwälte von Vizepräsident Jean-Pierre Bemba haben beim Obersten Gerichtshof Einspruch gegen das Ergebnis der Stichwahl vom 29. Oktober eingelegt, wonach der ehemalige Rebellenführer auf 42 Prozent der Stimmen kam. Amtsinhaber Joseph Kabila gewann nach Angaben der Unabhängigen Wahlkommission mit 58 Prozent. Der Oberste Gerichtshof muss das Ergebnis bis zum 30. November bestätigen.

Innenminister Denis Kalume sagte, bewaffnete Männer hätten sich unter die Menschenmenge vor dem Gericht gemischt und auf die Polizei geschossen. Ein Gerichtsbote erklärte, Anhänger Bembas hätten versucht, in das Gebäude vorzudringen. Die Uno-Soldaten hätten Tränengas gegen sie eingesetzt. Sechs bis sieben Büros in dem zweistöckigen Gebäude stünden in Flammen.

Augenzeugen berichteten von brennenden Dokumenten im Inneren des Gerichts. Man müsse nun sehen, welche Papiere bei dem Feuer vernichtet wurden, sagte ein Bemba-Berater. Sollte es sich um Dokumente der Wahlkommission handeln, so könne das Gericht wohl keine angemessene Entscheidung über die Beschwerde Bembas mehr fällen.

Angesichts gewaltsamer Auseinandersetzungen nach der Wahl in der Demokratischen Republik Kongo flüchteten bereits mehr als 2000 Menschen ins benachbarte Kongo-Brazzaville (Republik Kongo), wie dortige Behördenvertreter mitteilten. Dabei handelt es sich bei vielen offenbar um Anhänger Kabilas, die sich vor Übergriffen gewalttätiger Anhänger Bembas in Sicherheit brachten.

asc/AP/AFP/Reuters



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