SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

29. Oktober 2006, 15:11 Uhr

Kongo

Zwei Tote bei Präsidentenwahlen

Randale bei den Präsidentenstichwahlen im Kongo: Polizisten erschossen zwei Anhänger des Kandidaten Bemba. Die Männer hatten ein Wahllokal im Norden des Landes zerstört. Vielerorts behinderten sintflutartige Regenfälle die Abstimmung.

Kinshasa - Die kongolesischen Polizisten hätten das Feuer eröffnet, als Jean-Pierre Bembas Anhänger im Norden des Kongos ein Wahllokal zerstört hätten, sagte der Gouverneur der Provinz Equateur, Yves Mobando. Die Männer hätten randaliert, weil sie einen Wahlbetrug zugunsten des amtierenden Präsidenten Joseph Kabila beobachtet haben wollen. Die Polizisten hätten geschossen, um die Randalierer zu vertreiben, berichtete Mobando.

Etwa 25 Millionen Wahlberechtigte sind im Kongo aufgerufen, sich zwischen Amtsinhaber Joseph Kabila und Jean-Pierre Bemba zu entscheiden. In der Hauptstadt Kinshasa war die Präsidentenstichwahl heute wegen starker Regenfälle nur schleppend angelaufen. Präsident Kabila hatte am Vormittag seine Stimme abgegeben. Kabila und Bemba hatten im Wahlkampf vor der Stichwahl auf öffentliche Auftritte verzichtet.

Kabila gilt als Favorit, da er in der ersten Runde die absolute Mehrheit nur knapp verfehlt hatte. Die Wähler hatten sich vor allem entlang den Sprachgrenzen entschieden. Kabila ist besonders stark im Osten, wo Suaheli gesprochen wird. Er beherrscht Französisch und Lingala, die Sprache des Westens, nur unzulänglich.

"Ich wähle Joseph (Kabila), weil er jung ist wie wir und versprochen hat, das Land wieder aufzubauen", sagte Mimirite Atamboto, eine 20-Jährige Kongolesin. Bembas Anhänger betonten, dass Kabila in seiner bisherigen Amtszeit nicht viel geleistet habe. "Ich bin überzeugt, dass Kabila versuchen wird, die Wahl zu fälschen", sagte der 43 Jahre alte Mukanu Mbenza. "Wir werden das Ergebnis nur anerkennen, wenn die Wahl transparent war", sagte er.

Nach den starken Regenfällen beschwerten sich Bundeswehrsoldaten der Eu-Truppe Eufor über undichte Zelte. "In einige Zelte regnet es rein, aber dann schiebt man eben das Bett etwas zur Seite", sagte Eufor-Sprecher Peter Fuss. "Umziehen musste deswegen noch niemand." Eufor hat derzeit etwa 1300 Soldaten in Kinshasa stationiert, die mögliche Unruhen verhindern sollen. Unter ihnen sind 580 Bundeswehrsoldaten, von denen wiederum 160 zu den Kampftruppen zählen.

Politische Beobachter fürchten, dass es in den kommenden Wochen erneut zu Ausschreitungen kommen könnte. Nach der Bekanntgabe der Ergebnisse der ersten Runde war es zu Kämpfen zwischen Anhängern beider Seiten gekommen, bei denen mindestens 23 Menschen getötet worden waren. Die Expertenorganisation International Crisis Group geht davon aus, dass Kabila etwa 5000 Soldaten der Präsidialgarde in Kinshasa hat, die nicht dem Kommando der Armee unterstehen. Bembas Truppen werden auf etwa 1000 geschätzt.

anr/AFP/dpa/Reuters

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung