Sicherheit an Bahnhöfen Europäische Minister planen mehr Zugkontrollen

Bahnkontrollen sind europaweit eine Seltenheit - noch. In Zukunft sollen bei grenzüberschreitenden Fahrten Passagiere und Gepäck kontrolliert werden und auf Zugtickets der Name der Passagiere stehen. Das haben die europäischen Innenminister beschlossen.

Kontrolle am Bahnhof in Brüssel: Bahnfahren soll sicherer werden
DPA

Kontrolle am Bahnhof in Brüssel: Bahnfahren soll sicherer werden


Nach dem vereitelten Angriff auf die Passagiere eines Thalys-Schnellzuges zwischen Amsterdam und Paris wollen europäische Innen- und Verkehrsminister auf "größeren Bahnhöfen" und "wichtigen internationalen Bahnstrecken" mehr Kontrollen einführen und die Namen der Fahrgäste auf den Fahrkarten erfassen. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens in Paris, an dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) teilgenommen haben. Eine "vollständige, flächendeckende, Personen- oder Gepäckkontrolle" solle es aber nicht geben, sagte de Maizière.

"Die Bahn ist ein offenes und frei zugängliches System. Das ist seine Stärke", sagte Dobrindt. Allein in Deutschland gebe es fast 6000 Bahnhöfe. Gepäck und Personen sollten nur bei entsprechendem Verdacht kontrolliert werden.

Einen Plan der EU-Kommissare diskutierten die Minister laut Dobrindt nicht. Der Plan sah Videoüberwachung in Hochgeschwindigkeitszügen vor. Passagiere und Gepäck sollten per Metalldetektor oder Ganzkörperscanner überprüft werden.

Selbst wenn es technisch möglich wäre, alle Bewegungen im Bahnverkehr zu erfassen und zu kontrollieren, sollte den Terroristen dieser Erfolg nicht vergönnt sein, sagte Innenminister de Maizière. Es gehe vielmehr darum, die gezielte Zusammenarbeit der Behörden und den Austausch von Informationen über Verdächtige zu verbessern. Verdächtige sollten "eher zur offenen als zur verdeckten Fahndung ausgeschrieben werden". Für die bessere Nutzung von Kameras in deutschen Bahnhöfen gebe es bereits einen Investitionsplan.

De Maizière plädierte zudem dafür, die Fluggastdatenspeicherung in Europa voranzutreiben. Auch der Angreifer aus dem Thalys sei zuvor in Flugzeugen unterwegs gewesen.

"Koordinierte Kontrolloperationen auf ausgewählten Verbindungen" seien unverzichtbar, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve. Kontrolliert werde in Zukunft "überall, wo es nötig ist". Geplant seien multinationale Patrouillen im grenzüberschreitenden Zugverkehr. An Bahnhöfen sollen Passagiere und Gepäck verstärkt kontrolliert und Waffengesetze verschärft werden.

An dem Treffen nahmen auch Minister aus Belgien, Großbritannien, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, der Schweiz und Spanien teil.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Markus Becker: "Macht die Welt nicht zum Flughafen!"

vet/AFP/dpa

insgesamt 27 Beiträge
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der_bulldozer 29.08.2015
1. Es ist schon interessant
Es ist schon interessant zu beobachten, nach welchen Regeln Spiegel online sein Forum öffnet, oder auch nicht. Das System ist leicht zu durchschauen. Bei brisanten Themen wird dem Leser immer öfter keine Möglichkeit geöffnet sich zu äußern. Je belangloser ein Thema ist, umso eher ist SPON geneigt, ein Forum zu gestatten. Ich empfinde dies als ziemlich aufdringliche Bevormundung des Lesers. Wovor hat SPON eigentlich Angst? Vor seinen Lesern?
Verschwörungspraktiker 29.08.2015
2.
Wahrscheinlich darf man dann auch bald keine Getränke mehr mitnehmen bzw. nur noch in 100ml Gefäßen, durchsichtig.... Schwarzmalerei? Lassen wir uns überraschen. Lasst uns die Freiheit zu Gunsten der Freiheit aufgeben.
micmichd 29.08.2015
3. Europa ohne Grenzen?
Vielen Dank für ein weiteres gebrochenes Versprechen.
Paddel2 29.08.2015
4. Realistisch sein
Mir ist bewusst, dass es wieder viele Kritiker dieser Maßnahmen geben wird, die reflexhaft um ihre "Datensicherheit" fürchten. Ich sehe jedoch die Kontrollen auf Flughäfen für unumgänglich und war bislang überrascht, wie offen der Zugverkehr war. Bessere Kontrollen halte ich in diesem Bereich für notwendig.
silverhair 29.08.2015
5. Die freie Gesellschaft schafft sich ab
Die freie Gesellschaft schafft sich ab , und das wegen einzeltätern , deren Relevanz gegen Null geht, und das nebenbei noch ohne wirklich eine verbesserte Sicherheit für alle umzusetzen, sondern nur eine Scheinsicherheit zu versprechen! Dann kommen als nächstes die Busse dran, und Autofahren wird nur noch mit Staatlicher Lizenz und natürlich verherigen Betreten des Nacktscanners erlaubt... Demos .. nur noch bei kontrolliertem Nacktscannen, und Veranstaltungen Feten im Freien ebenso .. Der Staat als aufpasser auf den entmündigten Bürger, der natürlich dann immer verdächtig ist , und am Besten Hausarrest verordnet bekommt! Natürlich sind Massenarbeitsplätze auch verdächtigt gefährlich , genauso wie Hochhäuser, Kneipen, Restaurants .. und Kaufhäuser ebenso , immmerhin sind da hunderte von Leuten unterwegs! Glaubt wirklich jemand das man mit solch einer Kastritrierten Gesellschaft sicherer lebt? oder das da nicht eher bald die Massenflucht nach China einsetzt, weil sogar deren Zentralistisches System noch weit von solchen Hirnrissigen Ideen entfernt ist?
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