Kontroverse über Trump und Navy Seal US-Marinestaatssekretär Spencer muss gehen

Die Affäre um einen von Donald Trump begnadigten Elitesoldaten hat personelle Konsequenzen: Der zivile Leiter der US-Marine ist seinen Job los. In seinem Rücktrittsschreiben wird er deutlich.

Richard Spencer in Washington: Nicht mehr dasselbe Verständnis von Ordnung und Disziplin
Alex Brandon/ AP

Richard Spencer in Washington: Nicht mehr dasselbe Verständnis von Ordnung und Disziplin


Die Kontroverse über den Navy-Seal-Soldaten Edward Gallagher schwelt in den USA seit Wochen, nun hat der Fall einem hochrangigen Funktionär den Posten gekostet. Verteidigungsminister Mark Esper habe Richard Spencer um dessen Rücktritt als ziviler Leiter der US-Marine gebeten, teilte das Pentagon am Sonntagabend (Ortszeit) mit.

US-Präsident Donald Trump hatte vor wenigen Tagen die Rücknahme der Degradierung Gallaghers verfügt, die ein Militärgericht im Juli in einem Verfahren wegen Vorwürfen über Kriegsverbrechen angeordnet hatte. Er hatte außerdem befohlen, dass Gallagher nicht aus der Eliteeinheit fliegt.

Edward Gallagher (im Juli 2019): "Bei all dem geht es nur um Vergeltung"
Sandy Huffaker/ AFP

Edward Gallagher (im Juli 2019): "Bei all dem geht es nur um Vergeltung"

Ermittler hatten Gallagher beschuldigt, 2017 im Irak einen verletzten Kämpfer der Terrormiliz IS erstochen und später neben dessen Leiche posiert zu haben. Ihm wurde zudem vorgeworfen, sich mit Schüssen auf einen unbewaffneten Mann und ein Mädchen des versuchten Mordes schuldig gemacht zu haben. In dem Militärgerichtsverfahren wurde Gallagher lediglich für schuldig befunden, mit der Leiche des Gefangenen für ein Foto posiert zu haben. Er wurde deswegen in seinem Dienstgrad zurückgestuft.

Die US-Marine prüfte nach dem Verfahren, ob Gallagher aus den Navy Seals ausgeschlossen werden sollte. Trump - der als Präsident der Oberkommandierende der US-Streitkräfte ist - schrieb am vergangenen Donnerstag auf Twitter, das werde nicht geschehen. Die "New York Times" berichtete, Spencer habe mit seinem Rücktritt gedroht, sollte Trump den Ausschluss Gallaghers aus der Eliteeinheit blockieren. Spencer dementierte, dass es eine solche Drohung gegeben habe.

Spencer schrieb in seinem von US-Medien verbreiteten Rücktrittsbrief an Präsident Trump, er verlasse sein Amt mit sofortiger Wirkung. "Ich kann nicht guten Gewissens einen Befehl befolgen, von dem ich glaube, dass er den heiligen Eid verletzt, den ich im Beisein meiner Familie, meiner Flagge und meines Glaubens geleistet habe, um die Verfassung der Vereinigten Staaten zu verteidigen." Es sei offensichtlich geworden, dass er mit dem Präsidenten nicht mehr dasselbe Verständnis von Ordnung und Disziplin teile.

Navy Seal ist "überglücklich", dass sich Trump eingemischt hat

Gallagher hatte Spencer am Sonntag im Sender Fox News vorgeworfen, sich in seinen Fall eingemischt zu haben. "Bei all dem geht es nur um Vergeltung", sagte der Soldat. Er wolle Ende des Monats aus dem Dienst ausscheiden - allerdings "mit allen Ehren, die ich verdient habe". Gallagher sagte, er sei "überglücklich", dass Trump sich für ihn eingesetzt habe. Trump hatte Mitte November nicht nur Gallaghers Degradierung zurückgenommen, sondern auch zwei wegen Kriegsverbrechen beschuldigte Soldaten begnadigt. Kritiker warfen ihm vor, auf gefährliche Weise die Militärjustiz zu unterlaufen.

Das Pentagon teilte am Sonntagabend mit, Esper habe angeordnet, dass Gallagher bei den Navy Seals bleibe. Der Minister habe das Vertrauen in Spencer verloren, nachdem dieser an ihm vorbei mit dem Weißen Haus über den Fall Gallaghers gesprochen habe. Spencer habe dem Weißen Haus vorgeschlagen, Gallaghers Degradierung zurückzunehmen und ihn als Mitglied der Navy Seals ausscheiden zu lassen. Das widerspreche öffentlichen Äußerungen Spencers. Spencer habe eingeräumt, seine Gespräche mit dem Weißen Haus in mehreren Treffen mit dem Minister nicht zur Sprache gebracht zu haben.

jok/dpa

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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
jaegerepiceriefine 25.11.2019
1.
Einmal mehr zeigt dieser Präsident, dass er Anstand, Ehre und Würde hasst. Eine Entscheidung wie diese fördert die Spaltung der US-Gesellschaft und reisst auch noch in der Armee Gräben auf, der Ehrenkodex gilt nichts, die Schurken feiern ihren Triumph über die Anständigen mit dem Segen des Obersten Befehlshabers. Ich bin nicht sicher, ob ihn das nicht massig Stimmen aus der army kosten wird.
Jöel L. 25.11.2019
2. Stund der Wahrheit
Man muss sich jetzt entschieden, ob man entweder ein anständiger Mensch sein will oder ein Republikaner. Beides zusammen geht nicht mehr. Ich fürchte bloss, dass es nicht genügend anständige Menschen gibt.
bran_winterfell 25.11.2019
3. unklar
Zitat: "Der Minister habe das Vertrauen in Spencer verloren, nachdem dieser an ihm vorbei mit dem Weißen Haus über den Fall Gallaghers gesprochen habe." Mit wem soll er denn da gesprochen haben, mit Trump selbst ja vermutlich nicht, aber welche Person macht dann Sinn? Verstehe ich nicht so ganz.
Wertheo 25.11.2019
4. USA verlieren. Wer gewinnt?
Die Vereinigten Staaten von Amerika verlieren durch Trump nicht nur integere, gesetzestreue, gerechte Leitungspersonen, sie verlieren Stück für Stück ihre Führungsrolle der demokratischen, freien Welt. Der Ansehensverlust durch Trump wird dich rächen. Irgendwann auch ökonomisch. Möge die EU die Kraft finden, die Lücke zu füllen. Sonst triumphiert am Ende China. Oder gar Russland. Trump hat China und Russland great again gemacht. Blamabel.
Hamburgerhoch 25.11.2019
5. Bezeichnung der Position vom Richard Spencer
Ziviler Chef der US-Marine trifft es m.E. nicht. Der Secretary of the Navy ist Kabinettsmitglied, Marineminister wäre demnach die deutsche Übersetzung.
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