Konzepte für Afghanistan Eine multinationale Truppe soll es richten

Wie geht es nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan weiter? Uno-Diplomaten und Militärs arbeiten nun mit Hochdruck an einer Strategie für den Einsatz eines multinationalen Truppenkontingents in Afghanistan.


New York/Washington/Brüssel - Die Truppe soll in der Übergangsphase nach dem Taliban-Regime für Sicherheit und Ordnung in Afghanistan sorgen. Die "Washington Post" berichtete am Freitag, dass das Kernstück der Truppe unter türkischer Führung bereits Mitte kommender Woche in Afghanistan eintreffen könnte.

Außer der Türkei wollten sich auch andere muslimische Staaten beteiligen, unter anderen Bangladesch, Indonesien und Malaysia. Ankara erwarte nach Auskunft eines seiner Diplomaten, in Afghanistan eine ähnliche Rolle zu spielen wie Australien an der Spitze der Uno- Mission in Ost-Timor, schrieb die Zeitung.

Der Weltsicherheitsrat hatte bereits am Mittwochabend in allgemeiner Form grünes Licht gegeben. Ob er der Truppe mit einer zusätzlichen Resolution offiziell das Mandat in die Hand geben wird, ist nach Auskunft von Uno-Sprecher Fred Eckhard derzeit noch ungewiss. Großbritannien und Frankreich drängten auf ein offizielles Mandat, hieß es.

In Großbritannien stehen nach offiziellen Angaben Tausende Soldaten für einen Afghanistan-Einsatz bereit. Der ersten Welle internationaler Truppen werden nach Angaben der "Washington Post" auch Einheiten aus den Niederlanden und Kanada angehören. Ottawa schickt laut seinem Verteidigungsminister Art Eggleton rund 1000 Soldaten zur Vorbereitung "einer möglichen langfristigen Friedensmission".

USA wollen sich heraushalten

Dagegen erklärte US-Verteidigungsminister Ronald Rumsfeld es für "höchst unwahrscheinlich", dass sich die Amerikaner an irgendeiner Friedenstruppe in Afghanistan beteiligen werden. Es könne aber durchaus sein, dass die USA zu irgendeinem Zeitpunkt entschieden, mehr Soldaten nach Afghanistan zu schicken, sagte Rumsfeld am Donnerstag in Washington.

Auch die Nato dementierte Informationen, wonach die Allianz eine Truppenentsendung nach Afghanistan erwogen habe. "Die Berichte, wonach die Allianz die Entsendung von Truppen, einschließlich deutscher Einheiten, als Teil einer Friedenssicherungs-Streitkraft nach Afghanistan diskutiert hat, sind unbegründet", erklärte der Sprecher der Allianz, Yves Brodeur, am Donnerstagabend in Brüssel.

Auch die Bundesregierung in Berlin hatte Berichte dementiert, wonach sie um die Beteiligung an einer Friedenstruppe gebeten worden sei. Es könne lediglich um Lufttransportkapazitäten für den humanitären Einsatz gehen.



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