Kopenhagen-Countdown Röttgen warnt vor Scheitern des Klimagipfels

Klimaschützer und Politiker in aller Welt zählen die Stunden bis zum Beginn der Klimakonferenz in Kopenhagen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen warnt: Wenn sich die Weltgemeinschaft nicht darauf einigt, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, werde der Gipfel scheitern.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen: Gipfelergebnisse nicht schönreden
dpa

Bundesumweltminister Norbert Röttgen: Gipfelergebnisse nicht schönreden


Berlin - Die Welt schaut auf Kopenhagen: Am Montag beginnt in der dänischen Hauptstadt die bereits im Vorfeld heiß diskutierte Weltklimakonferenz. Für Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) wird der Gipfel nur dann ein Erfolg, wenn sich die dort versammelten 192 Staaten auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad verpflichten. "Eine Verständigung darauf, dass das Klima sich nur noch höchstens um zwei Grad erwärmen darf, muss das Ziel für Kopenhagen sein", sagte Röttgen der "Bild am Sonntag" ("BamS").

Denn dabei handele es sich eher um ein Minimalziel. "Ich habe nicht vor, mir die Ergebnisse von Kopenhagen schönzureden: Wenn am Ende die Zwei-Grad-Grenze nicht Teil der Absprachen ist, ist Kopenhagen kein Erfolg."

Zugleich warnte Röttgen drastisch vor den Folgen eines Scheiterns der Konferenz: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, wäre ein Leben auf unserem Planeten, wie wir es bisher kennen, nicht mehr möglich." Die Folgen des immer höheren Ausstoßes von Treibhausgasen seien "schlimme Naturkatastrophen" wie das Abschmelzen der Gletscher und die Überflutung ganzer Inseln.

Das Klimatreffen in Kopenhagen, das am Montag beginnt, soll bis zum 18. Dezember über ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls beraten. Im Kyoto-Protokoll hatten sich die 38 führenden Industrieländer auf eine Verringerung der Emissionen von sechs klimaschädigenden Gasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 verpflichtet.

Röttgen begrüßte die geplante Teilnahme von US-Präsident Barack Obama an der Schlussphase des Kopenhagener Gipfels. "Das ist ein eindeutiges Signal, dass Obama den Erfolg will und mit allem Risiko das Gewicht seiner Person in die Waagschale wirft." Der Umweltminister sieht die USA aber auch in der Pflicht: "Obama weiß: Wenn Amerika in Kopenhagen seiner Führungserwartung nicht gerecht wird, verliert es auf Dauer seine technologische Führungsposition in der Welt." Der US-Präsident will nach Angaben eines Sprechers nicht wie ursprünglich geplant zur Eröffnungsphase nach Kopenhagen reisen, sondern zu den entscheidenden Abschlussverhandlungen am 18. Dezember.

China nahm der Umweltminister gegen Vorwürfe in Schutz, ein besonders schlimmer Klimasünder zu sein. Pro Kopf gerechnet emittiere ein Deutscher doppelt so viel und ein Amerikaner vier- bis fünfmal so viel CO2 wie ein Chinese, erklärte Röttgen der Zeitung. Trotzdem setze China mehr als viele andere konsequent auf Klimaschutz, weil es die Folgen im eigenen Land und weil es die Chancen des technologischen Wettbewerbs sehe.

Dabei könnten Investitionen in den Klimaschutz zu einem enormen Wettbewerbsvorteil führen, fügte der Umweltminister hinzu. "Wer es schafft, den Wohlstand im eigenen Land durch kohlenstoffarme Produktionsweisen zu sichern, ist der Gewinner von morgen."

Die SPD erwartet von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass sie substantielle Ergebnisse auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen zustande bringt. "Die Bundeskanzlerin muss zunächst verbindliche und weitreichende Reduktionsziele durchsetzen", sagte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles der "BamS". "Es reicht aber nicht, auf internationalem Parkett bella figura zu machen, sie muss es auch zu Hause umsetzen. Wenn ihr beides gelingt, hat sie auch unsere Zustimmung."

mik/ddp/AFP/dpa



insgesamt 15293 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Klo, 14.11.2009
1.
Zitat von sysopDie Erderwärmung und ihre Ursachen werden in der aktuellen wissenschaftlichen und politischen Diskussion um den Klimawandel intensiv behandelt. Dabei sind sich Fachleute in der Bewertung durchaus nicht immer einig. Ist die Angst vor der globalen Erwärmung übertrieben? Diskutieren Sie mit!
Panik ist fehl am Platz, aber Gegensteuern angebracht. Das Klo.
Adran, 14.11.2009
2.
Schon aus rationalen Erwägungen heraus, macht es sinn, gegenzusteuern.. Wir haben doch erlebt, wie schnell Öl/energie teuer werden kann. Daher ist rationalisierung und alternativen zu entwickeln dadurch schon gegeben, um seinen eignen Geldbeutel zu schonen. Je unabhängiger man von solchen Dingen wird, je besser für die mittelfristige Zukunft. Der Effekt auf das globale Klima wäre da nur ein Bonbon, dass man aber durch aus ernst nehmen sollte..
Satiro, 14.11.2009
3.
Zitat von KloPanik ist fehl am Platz, aber Gegensteuern angebracht. Das Klo.
Gegensteuern ja aber wie und um welchen Preis?
Edgar, 14.11.2009
4.
Zitat von AdranSchon aus rationalen Erwägungen heraus, macht es sinn, gegenzusteuern.. Wir haben doch erlebt, wie schnell Öl/energie teuer werden kann. Daher ist rationalisierung und alternativen zu entwickeln dadurch schon gegeben, um seinen eignen Geldbeutel zu schonen. Je unabhängiger man von solchen Dingen wird, je besser für die mittelfristige Zukunft. Der Effekt auf das globale Klima wäre da nur ein Bonbon, dass man aber durch aus ernst nehmen sollte..
Wir erleben vor allem, wie immens teuer die 'rationlaen' Gegensteuerungen sind. Und die derzeitige 'Klima'-Politik macht uns nicht unabhängiger, ganz im Gegenteil.
rkinfo 14.11.2009
5.
Zitat von KloPanik ist fehl am Platz, aber Gegensteuern angebracht. Das Klo.
Genau ! Zudem ist die Grundlage der CO2-Freisetzung und globalen Erwärmung die endliche Verfügbarkeit fossiler Energieträger. Es ist also vernünftig beides rückläufig zu gestelten. Nachdem die Staaten der welt erkannt haben dass man Rohstoff- und Energiespekulationen nicht eindämmen kann hilft nur eine konsequente Roadmap raus aus knappen Energieträgern und rein in erneuerbare und überschußmäßig Vorhandene gegen Preistreibereien. Wenn die Welt einmal -80% CO2 vs. 1990 emmitiert dann wird dies definitiv das Klima nicht wg. CO2-Mangel 'schädigen'. Umgekehrt = viel mehr CO2 kann Keiner Entwarnung geben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.