Koran-Verbrennung US-Soldaten soll Prozess erspart bleiben

Fünf US-Soldaten, die an den Koran-Verbrennungen in Afghanistan beteiligt waren, drohen laut einem Zeitungsbericht offenbar keine strafrechtlichen Konsequenzen. Begründung: Sie hätten zwar achtlos, aber ohne Vorsatz gehandelt. Allerdings droht den Soldaten ein Disziplinarverfahren.

Washington - Das höchste religiöse Gremium Afghanistans fordert einen öffentlichen Prozess - doch den fünf verantwortlichen Soldaten drohen nach der Koran-Verbrennung auf dem US-Militärstützpunkt Bagram offenbar keine strafrechtlichen Konsequenzen. Das berichtet die "Washington Post" auf ihrer Internetseite. Außerdem würden die Namen der betroffenen Soldaten nicht veröffentlicht.

Die Ermittler des US-Militärs kamen laut der Zeitung zu dem Ergebnis , dass die Korane aus dem Gefängnis in Bagram entfernt wurden, weil sie extremistische Botschaften enthielten. Allem Anschein nach hatten einige Insassen die Bücher benutzt, um heimlich miteinander zu kommunizieren. Die Korane seien zur Verwahrung in ein Büro gebracht worden und dann fälschlicherweise im Abfall gelandet. Afghanische Arbeiter an der Müllkippe in Bagram hätten schließlich bemerkt, dass es sich bei dem brennenden Papier um Koran-Seiten handelte.

"Was sie gemacht haben, war achtlos, aber es gab keinen bösen Vorsatz", zitiert die Zeitung einen Vertreter des US-Militärs. Daher müssen die US-Soldaten zwar keinen Strafprozess fürchten - allerdings dürfte der Vorfall dennoch Konsequenzen für sie haben. Den Angaben zufolge drohen den fünf Soldaten disziplinarrechtliche Folgen wie eine Degradierung.

Bevor bekannt wurde, dass die Soldaten wahrscheinlich nicht mit einem Strafprozess rechnen müssen, hatte das oberste religiöse Gremium Afghanistans ein hartes Vorgehen verlangt. Der Ulema-Rat erklärte, dass ein "solch teuflischer Akt" nicht mit Entschuldigungen aus der Welt zu räumen sei. Das von der afghanischen Regierung finanzierte Gremium verlangte nach einem Treffen mit Präsident Hamid Karsai, dass die Verbrennung des heiliges Buchs der Muslime zu einem öffentlichen Prozess und einer ebensolchen Bestrafung für die Täter führen müsse. Die Religionsgelehrten forderten zudem, dass das Gefängnis in Bagram unter die Kontrolle afghanischer Sicherheitskräfte gestellt werde.

Die Koran-Verbrennungen hatten Ende Februar zu zahlreichen gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Afghanen und Vertretern der internationalen Gemeinschaft sowie zu gewalttätigen Protesten gegen die USA geführt. Rund 40 Menschen kamen dabei ums Leben. US-Präsident Barack Obama hatte sich umgehend für die offenbar versehentlich erfolgten Koran-Verbrennungen beim afghanischen Volk entschuldigt.

fdi/AFP