Ärger für Diktatorensohn aus Äquatorialguinea Prinz Protz

Drei von vier Menschen in Äquatorialguinea sind arm - trotzdem schwelgt der Sohn und designierte Nachfolger von Herrscher Obiang in absurdem Luxus. Doch nun wächst der Druck, Ferrari-Pfändungen inklusive.

Jerome Leroy/ AFP

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2019 ist für die Präsidentenfamilie Äqutorialguineas ein besonderes Jahr: Staatschef Teodoro Obiang Nguema Mbasogo, 77, hat im August 40. Amtsjubiläum. Und im September wird auch noch Sohn Teodorin, in der Hauptstadt auch bekannt als "Prinz von Malabo", 50 Jahre alt.

Zwei runde Jubiläen auf einmal, es dürfte hart gefeiert werden. Und das obwohl der "Prinz" in den vergangenen Jahren einige empfindliche finanzielle Rückschläge verkraften musste. Zuletzt traf es Obiang, Vizepräsident von Äquatorialguinea und mutmaßlich Afrikas glamourösester Playboy, als er gerade in Brasilien gelandet war.

Einen Monat nach dem Fußball-WM-Finale 2018 in Moskau, bei dem er mit Wladimir Putin und Nicolas Sarkozy posierte, jettete der Sohn des Präsidenten von Äquatorialguinea nach Sâo Paulo. Die Zöllner fanden im Gepäck seiner Delegation: Armbanduhren im Wert von 15 Millionen Dollar mit den Initialen des Vize-Staatschefs und 1,5 Millionen Dollar in bar. 2400 Dollar sind bei der Einfuhr erlaubt, die Wertgegenstände und das Geld wurden erst einmal einbehalten.

Wegen Geldwäsche: 25 Autos und eine Jacht beschlagnahmt

Obiang kennt das. Mehrfach nahmen Behörden anderer Länder dem schwerreichen Politiker, der sich auf Instagram auf Jachten und in Luxushotels inszeniert, bereits enorme Vermögenswerte ab.

Vor gut zwei Jahren bemühte sich die Genfer Staatsanwaltschaft darum, Obiang wegen Geldwäsche zu belangen. Das Ergebnis war ein Vergleich zwischen Justiz und Obiang-Anwälten. Die Schweiz beschlagnahmte 25 Luxusautos Obiangs - angeblich äquatorial-guineischer Staatsbesitz - direkt am Flughafen.

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Kleptokrat Obiang in Westafrika: Jachten, Villen, Rennautos

Einige der Boliden waren mehr als eine Million Euro Wert, darunter ein Bugatti Veyron und ein schwedischer Koenigsegg One, ein Luxussportwagen, von dem es laut Hersteller nur sieben Exemplare gibt. Außerdem veranlassten die Behörden die Beschlagnahme der 120-Millionen-Euro teuren, mehr als 70 Meter langen Luxusjacht "Ebony Shine" in den Niederlanden.

Die Autos wurden zugunsten von Sozialprojekten in Äquatorialguinea versteigert, das Land musste für Prozess- und Verfahrenskosten an die Schweiz 1,3 Millionen Franken überweisen.

In mehreren afrikanischen Ländern geraten Kleptokraten wie Obiang vermehrt unter Druck: So laufen im benachbarten Angola Ermittlungen gegen die Familie des Ex-Präsidenten José Eduardo dos Santos, die das ebenfalls ölreiche Land für 38 Jahre zu ihrem Selbstbedienungsladen machten. In Südafrika bemüht sich die sogenannte Zondo-Kommission darum, den neunjährigen Beutezug von Präsident Jacob Zuma aufzuarbeiten. Und im westafrikanischen Gambia jagte das Volk nach 22 Jahren Yahya Jammeh davon. Er fand Zuflucht bei den Obiangs, in Äquatorialguinea.

Die USA machten 2014 den Anfang

Teodorin fällt sogar unter den Diktatorenkindern durch seinen Lebenswandel auf. Im eigenen Land ist sein Vater der Staat, da mag das noch gehen. Im Ausland kam er - nach jahrelanger Untätigkeit von Regierungen, Großbanken und Staatsanwaltschaften - mit seiner Prasserei inzwischen oft mit der Justiz in Konflikt.

2017 dann verurteilte ein Pariser Gericht Obiang wegen Geldwäsche von 150 Millionen Euro zu drei Jahren Haft auf Bewährung und einer Strafe von 30 Millionen Euro. Für den Vizepräsidenten war der Prozess ärgerlich, er sprach von "Mummenschanz". Noch immer versucht er, juristisch gegen das Urteil vorzugehen.

Pariser Stadtvilla mit mehr als 100 Zimmern - eine Botschaft?

Um die Summe einzutreiben, konfiszierten französische Finanzbehörden im Pariser Stadthaus Obiangs in der Nähe des Triumphbogens nur das Beste: Juwelen, Champagner, Silbergeschirr im Wert von Zehntausenden Euro - und auch dort 17 Autos der höchsten Preisklasse.

Vor dem Internationalen Gerichtshof ist allerdings ein Verfahren anhängig, denn Äquatorialguinea behauptet, das Anwesen mit aktuell 100 Millionen Euro Wert und mehr als 100 Zimmern sei die diplomatische Vertretung des Landes.

Insgesamt fanden sich Vermögenswerte von mehr als 100 Millionen Euro, die der Präsidentensohn "nicht mit seinen offiziellen Einkünften finanzieren konnte", urteilte das französische Gericht. In den Jahren, um die es bei dem Prozess ging, lag Obiangs Gehalt als Landwirtschaftsminister bei 80.000 Dollar per annum.

Märchenhaft reich dank Tropenholz

Ermittler vermuteten, dass sich für ihn vor allem der Holzexport persönlich bezahlt gemacht hat. In den vergangene zwei Berichtsjahren (2016 und 2017) der Uno-Landwirtschaftsorganisation verkaufte das Land, das kleiner ist als Belgien, Hunderttausende Tonnen im Wert von einer halben Milliarde Dollar.

Auf dem Papier regieren Vater und Sohn ein wohlhabendes Land. Das statistische Pro-Kopf-Einkommen ist mit etwa 34.000 Dollar das höchste des Kontinents. Aber Äquatorialguinea ist keine afrikanische Schweiz, im Gegenteil: Eine kleine Clique teilt die Einkünfte aus dem Öl-, Gas- und Holzgeschäft unter sich auf. Wie viele Menschen dazu gehören ist unklar, wer an der Spitze steht nicht: Teodoro und Teodorin Obiang, Präsident und Stellvertreter, Vater und Sohn. Sie zählen zu den reichsten Menschen Afrikas.

Drei von vier ihrer Untertanen hingegen lebten 2006 unterhalb der Armutsgrenze. Neuere Zahlen gibt es nicht. Weniger als die Hälfte der Kinder gehen zur Schule, bei der Säuglingssterblichkeit und den einfachsten Impfungen gehört das Land zu den afrikanischen Schlusslichtern.



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