Korruption in Brasilien Sechster Ministerrücktritt in sechs Monaten

Die Rücktrittsserie in der brasilianischen Regierung reißt nicht ab. Als sechstes Kabinettsmitglied innerhalb eines halben Jahres nahm der Arbeitsminister seinen Hut. Auch er hat mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen.

Zurückgetretener Minister Lupi: Im Ministerium soll Schmiergeld geflossen sein
REUTERS

Zurückgetretener Minister Lupi: Im Ministerium soll Schmiergeld geflossen sein


Brasília - In Brasilien hat innerhalb von sechs Monaten der sechste Minister wegen Korruptionsvorwürfen seinen Hut genommen. Arbeitsminister Carlos Lupi reichte am Sonntagabend seinen Rücktritt ein und machte in einer Erklärung die "politische und persönliche Verfolgung" durch die Medien verantwortlich. In seinem Ministerium soll Schmiergeld für Verträge mit Nichtregierungsorganisationen geflossen sein. Dem seit 2007 amtierenden Minister wird unter anderem vorgeworfen, kostenlos mit Flugzeugen von Unternehmen geflogen zu sein, die anschließend Aufträge seines Ministeriums erhielten. Eine Ethikkommission empfahl der Präsidentin vorige Woche die Entlassung des Ministers.

Lupi, der der Demokratischen Arbeitspartei (PDT) angehört, wies alle Vorwürfe zurück. Es gebe keine Beweise, und er habe nicht das Recht gehabt, sich zu verteidigen, kritisierte er in der Erklärung. Er gehe mit "ruhigem Gewissen" und mit der Überzeugung, dass seine "persönliche Ehrlichkeit" bewiesen werde.

Seit Anfang Juni gingen wegen Korruptionsvorwürfen bereits fünf Minister: Kabinettschef Antonio Palocci, Agrarminister Wagner Rossi, Verkehrsminister Alfredo Nascimento, Tourismusminister Pedro Novais und Sportminister Orlando Silva. Alle bestritten bis zuletzt die Vorwürfe. Präsidentin Dilma Rousseff plant für Januar eine Kabinettsreform.

ler/dpa/AFP

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