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Marbella: Sonne, Stars und Schmiergeld

Foto: Jorge Zapata/ dpa

Korruption in Marbella Die geschmierte Stadt

Dem Bürgermeister drohen zehn Jahre Haft, bei der Stellvertreterin fand man 50-Euro-Scheine in Massen, und das halbe Stadtparlament war gekauft: Seit Montag steht die frühere Elite des Badeorts Marbella vor Gericht. Es ist der größte Korruptionsprozess in der Geschichte Spaniens.

Málaga - Sie mussten eng zusammenrücken, denn so voll war es im Gerichtssaal in Málaga wohl noch nie. 95 Angeklagte sitzen seit Montag hier auf der Anklagebank, darunter zwei ehemalige Bürgermeister, Stadträte, Anwälte und Unternehmer.

Es ist die frühere Elite des Badeorts Marbella - der Stadt in Südspanien, in der ohne Schmiergeld über viele Jahre nichts mehr ging.

Wer in dem Ferienort bauen oder investieren wollte, musste hohe Schmiergelder zahlen. Laut Anklage ließen sich Lokalpolitiker jede einzelne baurechtliche Abstimmung bezahlen. Dann gewährten sie Baulöwen freie Hand: Der Staatsanwaltschaft zufolge ist jede dritte der 80.000 Wohnungen in Marbella illegal gebaut worden.

Korruptionsprozess

Spaniens

Als Drahtzieher der korrupten Systems gilt Marbellas Städtebau-Beauftragter Juan Antonio Roca. Er ist der Hauptangeklagte im größten in der Geschichte . Nun drohen ihm 30 Jahre Haft wegen Unterschlagung, Geldwäsche und Bestechung.

Laut Staatsanwaltschaft ließ der 57-Jährige insgesamt 200 Millionen Euro in die eigene Tasche fließen - und das Geld dann von befreundeten Unternehmern waschen. Roca sitzt als Einziger der Angeklagten bereits in Untersuchungshaft.

Marbella gilt als Luxus-Urlaubsort, der mit Yachthäfen und Palmenstränden lockt. Selbst Amerikas First Lady Michelle Obama machte hier im Sommer Kurzurlaub. Doch die Anklageschrift, die am Montag verlesen worden ist, zeigt die andere, schmutzige Seite des Badeorts an der Costa del Sol.

Rocas System der Korruption erstreckte sich über Parteigrenzen hinweg, die Mehrheit im Stadtrat wurde seit Mitte der Neunziger über viele Jahre geschmiert. Fast die gesamte Elite der Stadt hatte sich kaufen lassen.

Erstes Amtsenthebungsverfahren seit dem Ende der Franco-Diktatur

Die gigantische Korruption in Marbella hat auch zu Ermittlungen in der gesamten Costa del Sol geführt. Oft im Zentrum der Staatsanwälte: die Partei des berüchtigten Baulöwen Jesús Gil, der Anfang der Neunziger Bürgermeister in Marbella war. Er starb, bevor das korrupte Netzwerk dort hochgenommen wurde.

José Luis Rodriguez Zapatero

2006 hatte Spaniens Regierung unter Ministerpräsident den Stadtrat aufgelöst und Marbella unter eine unabhängige Verwaltung gestellt, bis ein Jahr darauf ein neuer Stadtrat gewählt wurde. Es war das erste Mal, dass Spanien nach Ende der Franco-Diktatur zu einer solchen Amtsenthebung griff.

Nun sitzen auf der Anklagebank zwei ehemalige Bürgermeister Marbellas, darunter Julián Muñoz, dem zehn Jahre Haft drohen. Er folgte Jesús Gil ins Amt. Auch die frühere Vize-Bürgermeisterin Isabel García Marcos ist angeklagt. Im Zuge der Ermittlungen wurde ihr Telefon überwacht. "Ich werde keine Papiere unterschreiben oder auch nur lesen, wenn ich kein Geld bekomme", hatte García Marcos in einem abgehörten Telefonat über einen Bauantrag gesagt. In ihrer Wohnung fanden Ermittler knapp 380.000 Euro in 50-Euro-Scheinen.

Der Prozess wird voraussichtlich ein Jahr dauern.

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