Korruptionsaffäre Gattin von Skandal-Gouverneur Blagojevich gerät in die Schusslinie

Eine schrecklich nette Familie: Auch die Ehefrau von Rod Blagojevich soll in den Korruptionsskandal um die Obama-Nachfolge involviert sein. Laut Medienberichten hat sie den Gouverneur gedrängt, für den Senatorenjob Geld zu fordern. Obama weist jede Verwicklung in den Skandal strikt zurück.

Chicago - Sie ist in der US-Politik bislang kaum in Erscheinung getreten - nicht einmal in ihrem Heimatstaat. Patricia Blagojevich, First Lady von Illinois, "könnte wahrscheinlich die Michigan Avenue in Chicago lang spazieren, und neun von zehn Leuten würden sie nicht erkennen", sagte Paul Green der "New York Times". Er ist Politikwissenschaftler an der Roosevelt University in Chicago.

Rod und Patricia Blagojevich: "Politik in Chicago ist wie Kampfsport"

Rod und Patricia Blagojevich: "Politik in Chicago ist wie Kampfsport"

Foto: AP

Nun jedoch rückt die Ehefrau von Gouverneur Rod Blagojevich ins Rampenlicht: In der Affäre um Obamas Senatorenposten soll sie sich als Strippenzieherin hervorgetan haben. Das berichten übereinstimmend mehrere US-Zeitungen, so auch die "Chicago Tribune". Wie aus der 76-seitigen Anklageschrift hervorgeht, hat sie großen Einfluss auf ihren Mann ausgeübt. Blagojevich wird beschuldigt, er habe Obamas Job an den Meistbietenden verschachert wollen.

Angeklagt wurde "Patti" Blagojevich bislang nicht. Aber wie die "New York Times" aus Kreisen der Staatsanwaltschaft erfahren haben will, sei ihre Rolle in dem Korruptionsskandal durchaus Teil der laufenden Ermittlungen.

Wie sehr sie an den Aktivitäten ihres Ehemanns beteiligt war, zeigt eine mit Obszönitäten gespickte Schimpftirade, die in den Unterlagen der Staatsanwaltschaft dokumentiert ist: Ihr Mann versuchte in einem Telefonat, die Besitzer der "Chicago Tribune" zu erpressen - mit dem Ziel, unliebsame Kommentatoren loszuwerden. Im Hintergrund ist dabei offenbar Patti zu vernehmen: In zwei Sätzen soll sie dreimal das Wort "fuck" benutzt und ihren Gatten so angestachelt haben.

Von Beginn an war sie die treibende Kraft seiner Karriere. Wie sie 2002 zugab, habe ihr Mann keinerlei politische Ambitionen gehabt, bevor er sie getroffen habe. Als Tochter eines einflussreichen Demokraten, des langjährigen Stadtrats von Chicago, Richard "Dick" Mell, stammt Patricia aus einer politischen Familie. Ihre Schwester ist Abgeordnete im Parlament von Illinois.

Obama verteidigt sich in Pressekonferenz

Im vergangenen Monat soll sie an einer Sitzung mit dem Gouverneur und seinen Mitarbeitern teilgenommen haben. Dabei ging es darum, wie sie von der Neubesetzung des Obama-Postens profitieren könnte. Sie solle dafür lukrative Posten in Aufsichtsräten bekommen - wofür sie laut Selbsteinschätzung außerordentlich qualifiziert sei. Ihr Mann sagte dazu laut Anklageschrift, er erwarte dafür ein Mindestgehalt von 150.000 Dollar jährlich. Damit könne sie dazu beitragen, "finanziellen Stress" von der Familie zu nehmen.

In einer Pressekonferenz am Donnerstag verteidigte sich Obama: "Ich habe nie mit dem Gouverneur über dieses Thema gesprochen", sagte er. "Ich habe mein Team gebeten, die Fakten über jegliche Kontakte mit dem Gouverneursamt in dieser Angelegenheit zusammenzutragen." Ergebnisse würden "in den nächsten Tagen" vorgelegt, sagte Obama. Er sei aber "absolut sicher", dass sein Team nichts mit der Affäre zu tun hatte.

Obama betonte, dass die Ermittler weder mit ihm noch mit seinen Mitarbeitern in der Angelegenheit Kontakt aufgenommen hätten. Den Gouverneur forderte er erneut zum Rücktritt auf. Er unterstützte den Plan, seinen Senatssitz in einer eigens anzusetzenden Nachwahl neu zu besetzen.

Einem Familienmagazin in Chicago hatte Patricia Blagojevich kürzlich übrigens gesagt, sie wolle nicht, dass ihre beiden - fünf und zwölf Jahre alten - Töchter jemals politische Karriere machen: "Politik in Chicago ist wie Kampfsport." Sie freue sich auf den Tag, wenn ihr Mann aus der Politik ausscheide.

Das könnte bereits früher geschehen als erwartet.

cte
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