Korruptionsprozess US-Lobbyist bekennt sich schuldig

Der einst einflussreiche US-Lobbyist Jack Abramoff hat sich in einem Korruptionsprozess schuldig bekannt, der mehrere US-Abgeordnete mit in den Strudel ziehen könnte. Den Politikern drohen peinliche Enthüllungen.


Washington - Der US-Lobbyist Jack Abramoff bekannte sich in dem Verfahren des Betrugs und der Steuerhinterziehung schuldig. Er steht im Mittelpunkt eines verschachtelten Korruptionsnetzes, in dem prominente Abgeordnete Geld erhielten oder mit Golf-Ausflügen, Tickets für Sportveranstaltungen, Abendessen und anderen Zuwendungen bedacht wurden. Das Verfahren dürfte Informationen an die Öffentlichkeit bringen, die mehrere Abgeordnete vor allem der regierenden Republikaner in Bedrängnis bringen könnten.

US-Lobbyist Jack Abramoff: Sein Geständnis könnte US-Abgeordnete in Bedrängnis bringen
AP

US-Lobbyist Jack Abramoff: Sein Geständnis könnte US-Abgeordnete in Bedrängnis bringen

Vor der im Herbst anstehenden Wahl wäre dies eine schwere Bürde für die Partei von Präsident George W. Bush. Bereits das Geständnis Abramoffs dürfte Schockwellen durch den US-Kongress schicken: Viele Abgeordnete von Regierung und Opposition haben während des Wahlkampfs von der Unterstützung durch Abramoff profitiert. Einige Abgeordnete, die sich vor dem Prozess von dem Lobbyisten distanzieren wollten, haben in den vergangenen Wochen bereits mehr als 200.000 Dollar zurückgezahlt.

Abramoff hatte sich zur Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft bereit erklärt und kann daher auf eine deutliche Reduzierung des Strafmaßes rechnen. Ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft. Allerdings wird sich die Strafe wegen des Geständnisses wohl auf maximal elf Jahre belaufen. Sollte Abramoff vollständig mit dem Gericht zusammenarbeiten, könnte die Haftdauer sogar noch weiter verringert werden. Im Rahmen der Vereinbarung zum Schuldeingeständnis erklärte sich Abramoff zudem bereit, mindestens 25 Millionen Dollar an Entschädigung zu bezahlen. Vor Gericht sagte er, er bedauere seine Fehler und entschuldige sich für den entstandenen Schaden.

In Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre wird auch gegen den früheren republikanischen Fraktionsvorsitzenden im Repräsentantenhaus, Tom DeLay, ermittelt. DeLay, ein enger politischer Freund Präsident George W. Bushs, soll von Abramoff oder dessen Verbindungsmännern in den Jahren 2001 bis 2004 mindestens 57.000 Dollar (48.000 Euro) erhalten haben.

Die Demokraten beschuldigen die Republikaner, die im Zentrum der Bemühungen des Lobbyisten gestanden haben sollen, eine "Kultur der Korruption" zugelassen zu haben.



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