Korruptionsverdacht in Afghanistan CIA-Mann in Kabul blamiert US-Regierung

Eine peinliche Personalie bringt die CIA ins Zwielicht: Laut "New York Times" bezahlte der Geheimdienst einen womöglich korrupten Vertrauten von Afghanistans Präsident Karzai. Nun muss sich die US-Regierung fragen lassen, wie ernst sie es wirklich meint mit dem Kampf gegen die Korruption.
Afghanistans Präsident Karzai: Vertrauter auf der Gehaltsliste der CIA?

Afghanistans Präsident Karzai: Vertrauter auf der Gehaltsliste der CIA?

Foto: Pool/ Getty Images

Hamid Karzai

Taliban

Washington - Wohl kaum einen Appell hat US-Präsident Barack Obama öfter an seinen afghanischen Amtskollegen gerichtet als die Bitte, sich stärker dem Feldzug gegen die Korruption zu widmen. Immer wieder kommt aus Washington der Aufruf, so für mehr Stabilität am Hindukusch zu sorgen und den Einfluss der zurückzudrängen. Auch die internationale Gemeinschaft pocht immer wieder auf ein energischeres Vorgehen Karzais - bisher ohne durchschlagenden Erfolg.

CIA

Nun allerdings bringt eine pikante Personalie den Regierungschef in Washington in Not. Ein unter Korruptionsverdacht stehender Vertrauter Karzais steht einem Bericht der "New York Times" zufolge auf der Gehaltsliste des US-Geheimdienstes CIA. Der ranghohe Mitarbeiter des Nationalen Sicherheitsrats Afghanistans, Mohammed Sia Salehi, habe jahrelang Geld von der erhalten, berichtete die Zeitung. Das Blatt beruft sich dabei auf namentlich nicht genannte Vertreter der USA und Quellen aus Afghanistan. Der Zeitung zufolge ist aber unklar, welche Rolle Salehi für die CIA gespielt hat, ob er Informationen gesammelt oder der afghanischen Regierung amerikanische Interessen nahegebracht habe - oder beides.

Kleine Hilfe gegen ein Auto für den Sohn?

Salehi war im Juli kurzzeitig unter Korruptionsverdacht festgenommen worden. Die afghanische Polizei hatte von einem abgehörten Telefonat berichtet, in dem Salehi eine Firma zu erpressen versucht habe. Das Unternehmen steht im Verdacht, im Auftrag von Aufständischen, Drogenhändlern und auch afghanischen Politikern Geld ins Ausland geschafft zu haben. Salehi soll einem Vertreter der Firma angeboten haben, gegen eine Bestechungsgabe (ein Auto für seinen Sohn) die Ermittlungen von US-Seite zu behindern.

Salehi wurde allerdings schon nach sieben Stunden wieder freigelassen - auf persönliche Intervention von Präsident Karzai. Zudem soll Karzai den Fahndern der zuständigen Antikorruptionseinheit untersagt haben, weiter in dem Fall zu ermitteln. Nach Ansicht eines afghanischen Politikers, der lieber anonym bleiben wollte, wird Karzai Ermittlungen gegen Salehi aber niemals zulassen. "Dafür weiß er zu viel", sagte er.

Salehi ist nicht der erste afghanische Vertreter, der unter Korruptionsverdacht steht und zugleich angeblich auf der Gehaltsliste der CIA steht. Auch gegen den Halbbruder von Präsident Karzai, Ahmed Wali Karzai, gibt es ähnliche Vorwürfe, die dieser jedoch zurückgewiesen hat.

"Man bekommt keine Informationen von Mutter Teresa oder Mary Poppins"

Regierung Obama

Nun müht sich die um Schadensbegrenzung. Der demokratische Senator John Kerry machte sich auf nach Kabul - auch um mit Präsident Karzai über den Fall Salehi zu sprechen. Man müsse sich die Sache "genau anschauen", sagte Kerry. Er glaubt, von Karzai eine Zusage bekommen zu haben, dass die Antikorruptionseinheit die Ermittlungen gegen Salehi und weitere Verdächtige wieder aufnehmen könne.

"Das Thema Korruption ist uns sehr wichtig", sagte einer aus der Obama-Regierung, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen wollte. "Dass Salehi möglicherweise auf unserer Gehaltsliste stand, ändert ja nicht unbedingt etwas an unserer grundlegenden Einstellung dazu."

Salehi ist laut "New York Times" ein politischer Überlebenskünstler. Seine Loyalitäten hat er offenbar stetig den Gegebenheiten angepasst. Früher war er als Übersetzer tätig - für einen der berüchtigtsten Warlords Afghanistans, Abdul Rashid Dostum. Dostum ist ein Verbündeter von Präsident Karzai und arbeitete nach den Anschlägen vom 11. September 2001 eng mit der CIA zusammen.

Einige in Obamas Umfeld scheinen sich über Salehis Vita allerdings keine Sorgen zu machen. "Wenn wir als Staat uns entscheiden, dass wir uns in Afghanistan niemals mit jemandem einlassen, der irgendwann mal möglicherweise - und natürlich nicht mit unserer Billigung - die Hand aufgehalten hat, dann können wir gleich nach Hause fahren", zitiert die "New York Times" einen Regierungsmitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Wenn man in einem Kriegsgebiet an geheimdienstliche Informationen kommen will, dann bekommt man die nicht von Mutter Teresa oder Mary Poppins."

ffr/AFP
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