Korruptionsvorwürfe Polizisten nach Festnahmen in Istanbul versetzt

Nach der Festnahme von Ministersöhnen in der Türkei wegen Korruptionsvorwürfen sind fünf hochrangige Polizisten versetzt worden. Premier Recep Tayyip Erdogan nannte als Grund Amtsmissbrauch. Die Festnahmen seien Teil einer Schmutzkampagne gegen seine Regierung.

Festnahmen in Istanbul: Als Folge werden Polizisten versetzt
REUTERS

Festnahmen in Istanbul: Als Folge werden Polizisten versetzt


Istanbul - Staatsanwälte, die wohl der Gülen-Bewegung zuzurechnen sind, ließen am Dienstag drei Söhne von Ministern aus Recep Tayyip Erdogans Regierung festnehmen. Als Folge wurden nun offenbar hochrangige Beamte in Istanbul versetzt. Unter ihnen seien auch Polizisten, die an den Einsätzen beteiligt gewesen seien, berichteten türkische Medien am Mittwoch.

Bei den Razzien in der Türkei waren Dutzende Menschen festgenommen worden. Bei den Untersuchungen geht es unter anderem um Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen. Der stellvertretende Regierungschef Bülent Arinç bestätigte, dass sich noch 51 Verdächtige in Polizeigewahrsam befänden.

Der türkische Premier Erdogan nannte die Razzia eine Schmutzkampagne gegen seine Administration und brachte sie mit den Protesten gegen die Regierung im Sommer in Zusammenhang. "Wir kämpfen darum, die Türkei zu einem der Top-Ten-Länder der Welt zu machen", sagte er. Als Grund für die Versetzung der Polizisten nannte er Amtsmissbrauch. Weitere Versetzungen in anderen Städten könnten folgen, sagte Erdogan.

Aktive Bestechung, Betrug und Geldwäsche

Vizeministerpräsident Arinç versicherte, dass die Regierung sich an die Entscheidungen der Justiz halte. "Wir werden uns auf keinen Fall einmischen", sagte Arinç am Mittwoch.

Am Dienstag waren drei Söhne von Ministern, ein Bürgermeister der Regierungspartei und mehrere Geschäftsleute festgenommen worden. Bei den Untersuchungen geht es unter anderem um Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen. Hintergrund sind Spannungen zwischen der islamisch-konservativen Regierung von Erdogan und der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen.

Den Verdächtigen werden unter anderem aktive Bestechung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen. Erdogans Gegner in dieser Affäre ist nach Meinung vieler Beobachter die mächtige islamistische Bewegung des in den USA lebenden Predigers Gülen. In der Justiz und im Polizeiapparat gilt die Gülen-Bewegung als besonders einflussreich.

vek/Reuters/AFP/dpa

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südtirol11 19.12.2013
1. Wer nicht mit mir ist, ....
Die türkische Regierung entwickelt sich immer mehr zu einer 'gewählten Diktatur'. Nicht nur, dass der oberste Boss jeden Bodenkontakt seines Verstandes verloren hat (wir wollen die Türkei zu einer der 10 stärksten Wirtschaftsnationen entwickeln), sondern auch Mißachtung von Menschenrechten sind immer mehr zu beklagen. Erdoganchen, Polizisten, die Korruption bekämpfen, wirken an der Weiterentwicklung deines Landes! Das gilt genauso, wenn es deine Gülen-Bewegung betrifft. Wir denken daran, die Türkei in die EU aufzunehmen. Wenn das Land irgendwann einmal eine gefestigte Demokratie hat, dann kann man daran denken, die EU zu einer Eurasischen Union zu machen. (98% der Türkei liegen in Asien!) Aber bitte nie mit diesem totalitären Regime!
optional_muenchen 19.12.2013
2. Amtsmissbrauch...
..klar ist es Amtsmissbrauch, wenn sich führende Ermittler (gegen Korruption, gegen Terrorismus etc.) wagen, die Machenschaften von AKP-nahen Gruppen unter die Lupe zu nehmen. Logisch. Auf die Fragen, wie denn der ehrenwerte RTE an die 8 bis 10 Mrd. US-$ gekommen ist, die in diversen schweizer Banken lagern, gibt es aber keine Antworten. Wie kommt es, dass ein ehemals mittelloser Politiker, der sich rühmt, mit durchgetretenen Schuhen (spirch: arm) und ehrlich hochgearbeitet zu haben, wie kommt so ein Mensch an so ein unfassbares Vermögen? Nein, Amtsmissbrauch wird es eher nicht sein...
ratzmatz 19.12.2013
3. Militärputsch
Wie lange will das Miltär noch zuschauen wie diese Islamfaschisten das Land aussagen?Bis es keine Türkei mehr gibt oder was.Aud die Scheiss EU braucht das Militär keine Rücksicht mehr zunehmen.
asus-tec 19.12.2013
4. ...
Als junge Leute von Polizisten und Angehörigen der akp Jugendorganisation in den Straßen von Istanbul, Ankara, Hatay, Izmir und Eskisehir tot geprügelt wurden, hat man die Polizisten "für den Dienst an ihrem Vaterland" dekoriert. Als man Generale, Journalisten, Intelektuelle und Schriftsteller für einen "Putschversuch" mitunter zu 48 Jahren Gefängnis verurteilte, war die Fetullah Gülen Bewegung Kronzeuge. Nun fressen sich die dreckigen Hunde gegenseitig auf. Wir Atatürken verfolgen die Geschehnisse mit Genugtuung!
alsigirci 19.12.2013
5. etwas ist faul im Staate Dänemark
...dieses mal ist es sehr schwer um den radikal islamistischen ministerpraesidenten.. es ist nur eine frage der zeit, bis seine söhne und töchter und womöglich seine ehefrau auch in u-haft kommen. es ist eine unvorstellbare korruption, die seit jahren in der türkei herrscht und es ist ein offenes geheimniss, dass die nr. 1 auch die nr. eins im kabinett ist... game over- usa needs someone else...
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