Kosovo-Abspaltung Serben-Präsident will keinen Krieg

Rechtsextreme Kräfte in Serbien drohen mit Krieg, sollte das Kosovo selbstständig werden. Doch der serbische Präsident Boris Tadic lehnt das ab. Er will dem Land nicht die Zukunft verbauen. Unterdessen gehen die verbalen Angriffe gegen den deutschen Uno-Verwalter mit aller Heftigkeit weiter.


Belgrad - "Serbien wird mit diplomatischen und rechtlichen Mitteln für das Kosovo kämpfen, aber keinen Krieg führen", sagte Präsident Boris Tadic, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, am Samstag in Belgrad. "Wir würden die Zerstörung unseres Wirtschaftspotenzials nicht aushalten können und einer ganzen Generation in Serbien die Chance auf eine vernünftige Zukunft nehmen", begründete er seinen Standpunkt. Demgegenüber hatten die extrem nationalistischen Radikalen als größte Partei im Lande verlangt, dass die für Frühjahr kommenden Jahres erwartete Loslösung des Kosovos mit militärischen Mitteln verhindert werden müsse.

Die serbische Minderheit in der abtrünnigen Provinz hat gegen den Uno-Kosovo-Verwalter, den deutschen Diplomaten Joachim Rücker, schwere Vorwürfe erhoben. "Rücker verhält sich wie ein Mitglied der Kosovo-Regierung", sagte der serbische Lokalpolitiker Marko Jaksic am Samstag in Kosovska Mitrovica. Er warf Rücker die einseitige Bevorzugung der albanischen Mehrheit vor. Der Deutsche sei verantwortlich für "die räuberische Privatisierung und wirtschaftliche Diskriminierung der Serben".

Nach fast einjährigen erfolglosen Verhandlungen zwischen Serben und Albanern will der Uno-Kosovo-Vermittler Martti Ahtisaari im kommenden Februar eine Lösung für die Zukunft der fast nur noch von Albanern bewohnten Provinz vorlegen. Vieles deutet darauf hin, dass das Kosovo dann ein selbstständiger Staat außerhalb Serbiens unter Aufsicht der Europäischen Union werden dürfte. Belgrad will das Gebiet wieder in seinen Staatsverband eingliedern. Die Region wird nach dem Bürgerkrieg seit 1999 von den Vereinten Nationen verwaltet.

sev/dpa



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