Pristina - Es war wie ein Progrom: Bei dem Aufstand von Kosovo-Albanern Mitte März wurden mindestens 19 Menschen getötet, mehr als 900 verletzt, 800 Häuser niedergebrannt sowie 29 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster zerstört. EU-Außenkommissar Chris Patten ist inzwischen überzeugt davon, dass prominente albanische Politiker der Krisenprovinz die Angriffe auf Serben, Roma und Kfor-Truppen angezettelt haben.
Doch auch die Kfor selbst kommt bei der Bewertung der blutigen Unruhen nicht ungeschoren davon: Deutsche Soldaten sollen nach Augenzeugenberichten die Brandschatzungen zugelassen haben - aufgebrachte Albaner konnten so ungehindert die serbischen Gotteshäuser niederbrennen.
Statt die Schuldigen in den eigenen Reihen nun zur Rechenschaft zu ziehen oder die albanischen Extremisten aufzuspüren, versucht die Uno-Verwaltung des Kosovo nun offensichtlich, Kritiker gezielt einzuschüchtern.
Vergangene Woche wurde etwa der Menschenrechts-Aktivist Bashkim Hisari von der Unmik-Polizei aufgefordert, sich in der Polizeistation in Prizren einzufinden. Das anschließende Verhör, an dem unter anderem auch ein albanischer sowie ein deutscher Polizist teilnahmen, dauerte mehrere Stunden.
Hisari, der für eine humanitäre Organisation arbeitet und dessen Beobachtungen über die dramatischen Ereignisse vom 17. März auch im SPIEGEL zitiert wurden, wurde bei dem Verhör von den Uno-Milizen unterrichtet, es hänge nun von ihm ab, wie man weiter mit ihm verfahren werde. Schließlich sei er ein "Teilnehmer" der Demonstrationen. Er könne sich ja einen Anwalt nehmen.
Dem Vernehmen nach gingen die Uno-Polizisten bei ihrer Befragung immer wieder auch auf den Artikel des SPIEGEL ein, in dem die Rolle der deutschen Kfor kritisch durchleuchtet wird. Dabei zeigten die Polizisten ein gesteigertes Interesse, ob und wann Hisari mit dem SPIEGEL gesprochen habe und ob er mit dem Inhalt des Artikels einverstanden sei.