Kriegsverbrechen Kosovo feiert Freispruch von Ex-Premier Haradinaj

Die Anklage lautete auf Mord und Folter - doch den Richtern fehlten die Beweise: Das Uno-Kriegsverbrechertribunal hat Kosovos Ex-Premier Haradinaj freigesprochen. Die Kosovaren jubeln, in Serbien herrscht dagegen Empörung.

Fußgänger in Pristina: Freude über Freispruch von Haradinaj
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Fußgänger in Pristina: Freude über Freispruch von Haradinaj


Den Haag/Belgrad - Dieser Richterspruch sorgt auf dem Balkan für Aufregung. Das Uno-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den Ex-Premier des Kosovo, Ramush Haradinaj, erneut in allen Anklagepunkten vom Vorwurf der Kriegsverbrechen freigesprochen.

Die Richter erklärten auch die beiden mitangeklagten früheren Kommandeure der Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) für unschuldig. Das Gericht stellte zwar fest, dass die UCK Serben und andere Oppositionelle misshandelt hatte. Es gebe aber keine Beweise dafür, dass Haradinaj an Mord und Folter beteiligt war und dass es einen "kriminellen Plan" für die Verfolgung von Serben gegeben habe.

Haradinaj, ein ehemaliger UCK-Kommandeur, war bereits 2008 in einem ersten Verfahren freigesprochen worden. Der Prozess musste jedoch nach einer Entscheidung der Berufungskammer des Uno-Tribunals teilweise wiederholt werden. Nach Ansicht der Berufungsrichter waren Zeugen der Anklage bedroht worden.

Im Kosovo wurde der Freispruch mit großem Jubel und Feuerwerk aufgenommen. In der Hauptstadt Pristina hatten Bürger auf großen Leinwänden die Urteilsverkündung live verfolgt. Tausende feierten auf den Straßen. Sie trugen T-Shirts mit dem Konterfei Haradinajs und der Aufschrift "Ein Führer, der Wort hält". Vereinzelt schossen die Menschen aus Freude in die Luft.

Das Urteil beweist nach Ansicht des Außenministeriums in Pristina, dass die UCK einen "gerechten Kampf für die Freiheit" geführt habe. Der Freispruch macht nun den Weg für eine Rückkehr Haradinajs in die Politik frei. Er hatte 2005 nach nur einhundert Tagen sein Amt als Premier aufgegeben, um sich der Anklage zu stellen.

Serbien reagierte empört auf das Urteil. "Das ist ein Schlag gegen die Wahrheit und stellt ein ernsthaftes Hindernis für die Fortsetzung des Dialogs zwischen Belgrad und Pristina dar", sagte Regierungssprecher Milivoje Mihajlovic in Belgrad.

Der Belgrader Fernsehsender B92 sprach von einer "neuen Ohrfeige" für Serbien. Vor knapp zwei Wochen hatte das Tribunal zwei hohe kroatische Offiziere vom Vorwurf der Kriegsverbrechen an Serben freigesprochen.

lat/dpa/dapd



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
tok.p 29.11.2012
1. Traurig aber wahr
Nach dem Freispruch für die kroatischen Generäle war nichts anderes zu erwarten. Ein weiteres politisches Urteil, dass wie ein Schlag in das Gesicht der vielen Opfer ist! Alleine der Aspekt, dass im Prozess zeugen ermordet und bedroht wurden lässt darauf schließen , dass hier viel falsch gelaufen ist. Serbien sollte seine Angeklagten zurückholen (wenn das möglich ist) und ihnen in Serbien den Prozess machen. Vom Haager Tribunal ist
tok.p 29.11.2012
2. Traurig aber war
Nach dem Freispruch für die kroatischen Generäle war überhaupt nichts anderes zu erwarten. Ein weiteres politisches Signal in Richtung Belgrad, welches zu neuen Konflikten auf dem Balkan führen könnte! Alleine die Tatsache, das während dem Prozess Zeugen ermordet und bedroht wurden zeigt, dass da was ziemlich schief gelaufen ist. An dieser stelle sollte Serbien seine Angeklagten zurückholen ( das ist natürlich nicht möglich ), denn dieses Gericht ist nicht objektiv. Man hat mit dem ICTY genau das Gegenteil vom eigentlichen Ziel erreicht! Man hätte die Angeklagten auch in Belgrad, Zagreb, Sarajevo und Prishtina lassen können. Das hätte im Endeffekt nicht nur zeit sondern auch Geld gespart. Außerdem zeigen diese Urteile die Scheinheiligkeit der UN und machen deutlich, wie wichtig es ist die richtigen Verbündeten zu haben. Im Abschluss gedenke ich allen Opfern des Kosovokriegs, ungeheuerliche Verbrechen werden wohl nie bestraft!
vertige 29.11.2012
3. Siegerjustiz ...
So ein Gericht entscheidet eben im Sinne von den Gründern des Gerichts. Dass kroatische und kosovarische Seite ebenfalls Kriegsverbrechen begangen hat, pass den Auftraggebern des Gerichts nich ins Konzept. Dass unbequeme Zeugen eingeschüchtert oder ermordet wurden bzw. dass Organe bei Kriegsgefangenen entnommen werden, wird schlichtweg ausgeblendet. Siegerjustiz - nicht weniger aber auch nicht mehr ...
Acerb 29.11.2012
4. Angst
Zitat von sysopAPDie Anklage lautete auf Mord und Folter - doch den Richtern fehlten die Beweise: Das Uno-Kriegsverbrechertribunal hat Kosovos Ex-Premier Haradinaj freigesprochen. Die Kosovaren jubeln, in Serbien herrscht dagegen Empörung. Kosovo feiert Freispruch von Ex-Kommandeur Haradinaj - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/kosovo-feiert-freispruch-von-ex-kommandeur-haradinaj-a-870019.html)
Angst machen Augen zu.
conversation 29.11.2012
5.
Man sollte nicht vergessen, dass Serbien das Schuldige Land ist, welches den kompletten Balkan auf den Kopf gestellt hat und am Ende doch alles verloren hat. Die UCK wird nicht unschuldig sein, aber ich bin mir sehr sicher, dass es in jedem Land irgendwelche Organisationen geben würde, die das eigene Volk schützen wollen würden! Wie viele serbische Generäle wurden nicht angeklagt, die Menschenleben genommen haben? Man kann sich tagelang darüber streiten, dennoch sollte der größere "Schwarze Peter" an das Land geschoben werden, welches diese Probleme überhaupt angezettelt hat!!!
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