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27. Januar 2015, 15:00 Uhr

Unruhen im Kosovo

Polizei und Demonstranten geraten in Pristina aneinander

Bei einer Demonstration in der Hauptstadt des Kosovo ist es zu Ausschreitungen gekommen. Augenzeugen berichten von Polizisten, die mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Tausende vorgingen.

Pristina - Mit Tränengas und Wasserwerfern ist die Polizei in der Hauptstadt des Kosovo gegen Demonstranten vorgegangen. Die Regierungsgegner von der nationalistischen Oppositionspartei "Vetevendosje" (auf Deutsch: Selbstbestimmung) hatten die Proteste organisiert. Rund 2000 Menschen waren auf die Straßen gegangen. Einige bewarfen das Regierungsgebäude mit Steinen.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtet von maskierten Polizisten, die gegen die Demonstranten vorgingen. Die Bilanz der Polizei: Unter den mehr als 80 Verletzten seien auch 56 Polizisten gewesen. Mehr als hundert Demonstranten wurden demnach festgenommen.Wie die Polizei mitteilte, waren unter den mehr als 80 Verletzten auch 56 Polizisten. Mehr als hundert Demonstranten wurden demnach festgenommen.

Die Protestierenden werfen der Regierung vor, gegenüber dem serbischen Nachbarn zu nachgiebig zu sein. Sie forderten den Rücktritt des Arbeitsministers Aleksandar Jablanovic, der mit Äußerungen über albanisch-stämmige Demonstranten für Empörung gesorgt hatte. Schon am Samstag hatte es bei einer Demonstration Ausschreitungen gegeben, der Vetevendosje-Chef Albin Kurtin kündigte an, die Proteste bis zum Rücktritt des Ministers fortzusetzen.

Jablanovic ist einer von drei ethnischen Serben im Kabinett von Ministerpräsident Isa Mustafa. Er hatte vor zwei Wochen albanische Demonstranten als "Wilde" bezeichnet, weil sie eine Gruppe von Serben daran gehindert hatten, zum orthodoxen Weihnachtsfest ein Kloster im Westen des Kosovos zu besuchen. Die Beschuldigten argumentierten, unter den Pilgern seien auch "Kriegsverbrecher" gewesen. Später bat Jablanovic öffentlich um Entschuldigung.

Das Kosovo hatte sich im Jahr 1999 im Zuge eines blutigen Konflikts unter Beteiligung der Nato von Serbien abgespalten. Die EU will am 9. Februar in Brüssel neue Verhandlungen zwischen den zerstrittenen Nachbarländern vermitteln. Dabei geht es um die Integration der serbischen Minderheit in das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo.

vek/Reuters/dpa

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