Unruhen im Kosovo Polizei und Demonstranten geraten in Pristina aneinander

Bei einer Demonstration in der Hauptstadt des Kosovo ist es zu Ausschreitungen gekommen. Augenzeugen berichten von Polizisten, die mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Tausende vorgingen.

AFP

Pristina - Mit Tränengas und Wasserwerfern ist die Polizei in der Hauptstadt des Kosovo gegen Demonstranten vorgegangen. Die Regierungsgegner von der nationalistischen Oppositionspartei "Vetevendosje" (auf Deutsch: Selbstbestimmung) hatten die Proteste organisiert. Rund 2000 Menschen waren auf die Straßen gegangen. Einige bewarfen das Regierungsgebäude mit Steinen.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtet von maskierten Polizisten, die gegen die Demonstranten vorgingen. Die Bilanz der Polizei: Unter den mehr als 80 Verletzten seien auch 56 Polizisten gewesen. Mehr als hundert Demonstranten wurden demnach festgenommen.Wie die Polizei mitteilte, waren unter den mehr als 80 Verletzten auch 56 Polizisten. Mehr als hundert Demonstranten wurden demnach festgenommen.

Die Protestierenden werfen der Regierung vor, gegenüber dem serbischen Nachbarn zu nachgiebig zu sein. Sie forderten den Rücktritt des Arbeitsministers Aleksandar Jablanovic, der mit Äußerungen über albanisch-stämmige Demonstranten für Empörung gesorgt hatte. Schon am Samstag hatte es bei einer Demonstration Ausschreitungen gegeben, der Vetevendosje-Chef Albin Kurtin kündigte an, die Proteste bis zum Rücktritt des Ministers fortzusetzen.

Jablanovic ist einer von drei ethnischen Serben im Kabinett von Ministerpräsident Isa Mustafa. Er hatte vor zwei Wochen albanische Demonstranten als "Wilde" bezeichnet, weil sie eine Gruppe von Serben daran gehindert hatten, zum orthodoxen Weihnachtsfest ein Kloster im Westen des Kosovos zu besuchen. Die Beschuldigten argumentierten, unter den Pilgern seien auch "Kriegsverbrecher" gewesen. Später bat Jablanovic öffentlich um Entschuldigung.

Das Kosovo hatte sich im Jahr 1999 im Zuge eines blutigen Konflikts unter Beteiligung der Nato von Serbien abgespalten. Die EU will am 9. Februar in Brüssel neue Verhandlungen zwischen den zerstrittenen Nachbarländern vermitteln. Dabei geht es um die Integration der serbischen Minderheit in das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo.

vek/Reuters/dpa



insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
remax 27.01.2015
1. unfassbar aber wahr....dass laut
kosovarischer Verfassung, die auf Druck von Außen verabschiedet wurde der serbischen Minderheit, die nur 5 ÷der Bewölkung ausmacht quasi Vollmachten über alle wichtigen Entscheidungen im Parlament und Regierung erlaubt, d.h. Gesetzte über Armeebildung, Justiz usw. müssen von 2/3 der serbischen Parlamentarier bewilligt werden. Das schlimmste dabei ist, dass die 10 Parlamentssitze für Serben laut "Verfassung" für die serbische Minderheit unabhängig vom Wahlausgang garantiert sind, obwohl sie mit 3,5÷ deutlich unter der Quote von 5÷ liegen. Das ist keine Demokratie und irgendwie der Zorn dieser Demonstranten verständlich
lock_vogell 27.01.2015
2. das ist...
... aber usus im umgang mit minderheiten... es läuft ja z.B. in schleswig holstein ähnlich mit der dänischen minderheit.
Adriaaan!! 27.01.2015
3.
@remax: Interessante Sichtweise. Natürlich haben Sie dabei ganz nebenbei unter den Tisch fallen lassen, dass die Serben im Kosovo aufgrund wiederholter Pogrome und ethnischer Säuberungen NACH der Nato-Intervention 1999 auf rund 5% der Bevölkerung geschrumpft sind. Die weitreichenden institutionellen Zugeständnisse an die Serben zeugen von dem Versuch der Natostaaten, die Serben für den völkerrechtswidrigen Raub des Kosovo von der Republik Serbien, wenn auch nur symbolisch, zu kompensieren. Warum sonst denken Sie, hätte man sich sonst zu so einem überspannten Verfassungsartikel hinreissen lassen?
alias1942 27.01.2015
4. enn das die Ukraine auch so machen würde
wäre dort Frieden. Verhindert wird das von Kiew. Also wäre es nur logisch, wenn auch hier die NATO Kiew bombardiert, bis es dem Donbass seine Unabhängigkeit lässt. Völkerrechtlich gibt es ja den Präzedenzfall Kosovo.
Kimmerier 27.01.2015
5. Minderheitenschutz versus Mehrheitsmeinung
Demokratie lebt davon, dass eine Mehrheit der Gesamtbevölkerung entscheidet. Moderne Demokratien bieten aber in der Regel auch einen Schutz von Minderheiten, welche ihre (von den mehrheitsinteressen abweichenden) Interessen über die demokratischen Mechanismen nicht vertreten können. Kritisch wird es, wenn die Abweichungen zwischen den Interessen der Minderheiten mit garantierten Rechten und einer Mehrheit der Bevölkerung zu weit auseinandergehen. Wenn zudem - wie im Falle des Kosovo - die Mitglieder der unterschiedlichen Volks- und/oder Religionsgruppen zudem gerade erst einen blutigen, bewaffneten Konflikt erst auf äusseren Druck beendet haben, bedarf es einer gewissen Blauäugigkeit zu glauben, dass diese Gruppen sich nun schnell an ein geordnetes und friedliches Zusammenleben gewöhnen. Diese Blauäugigkeit ist aber fast allen zu eigen, welche - wie wir in Mitteleuropa - eine lange Periode des Friedens geniessen konnten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.