Kosovo-Gipfel Verhandlungen auf acht Metern Distanz

Es geht um die Zukunft des Kosovo, um eine Überwindung der Gegensätze zwischen Serben und Albanern. Doch auf dem Gipfel weigerten sich Serbiens Ministerpräsident Kostunica und sein albanischer Gegenüber Ceku sogar, gemeinsam das Mittagessen einzunehmen.


Wien - Der serbische Präsident verzog keine Miene. Mit grimmigem Gesicht betrat Boris Tadic heute Morgen das Palais Niederösterreich. Auf die Frage: "Herr Präsident, was erwarten Sie von diesen Gesprächen?" hob er nur kurz die Augenbrauen. Die 15 serbischen Delegierten erschienen als letzte zu der von den Uno-Vermittlern einberufenen Kosovo-Konferenz in Wien; fünf Minuten nach den nicht weniger schweigsamen Kosovo-Albanern. Am Treppenaufgang zum prachtvollen Sitzungssaal trennten die Organisatoren bewusst ihre Wege: rechts für die Serben, links für die Albaner.

Kosovo-Gipfel in Wien: Verhandlungen auf Distanz
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Kosovo-Gipfel in Wien: Verhandlungen auf Distanz

Doch zu dem befürchteten Eklat kam es bei diesem Gipfeltreffen über die Zukunft des Kosovos nicht. Dafür sorgten die rund acht Meter Distanz, die zwischen den Tischen der beiden Regierungsdelegationen lagen. Dass der serbische Ministerpräsident Vojislav Kostunica das offizielle Mittagessen mit seinem albanischen Gegenüber, Agim Ceku, mied, war abzusehen. Belgrad betrachtet den Ex-Führer der "Befreiungsarmee des Kosovo" als Kriegsverbrecher.

Wie zu erwarten war, brachte das Gipfeltreffen vor allem eine Erkenntnis: Wenn es um die politische Zukunft des Kosovos geht, sind die Gegensätze zwischen Serben und Albanern weiterhin unüberbrückbar. Kostunica bekräftigte, dass sein Land die vollständige Unabhängigkeit der serbischen Provinz "nicht hinnehmen" werde. Dagegen beharrte Ceku auf der "vollständigen Unabhängigkeit" für das seit 1999 von den Vereinten Nationen verwaltete Kosovo: "Pristina bietet Unabhängigkeit an, die volle Souveränität, aber für alle Bürger. Das ist sicherlich möglich, man muss sie uns nur gewähren."

Wie es nach dieser vermutlich einmalig bleibenden Anhörung weiter geht, hängt zunächst davon ab, ob die Uno-Vermittler Martti Ahtisaari und Albert Rohan, deren Mandat im November ausläuft, überhaupt eine Chance für einen Kompromiss in der Statusfrage sehen. Rohan warf beiden Seiten noch am Morgen vor dem Wiener Treffen "mangelnden politischen Willen" vor. Doch die Sondierungen in Sachfragen, wie etwa der Dezentralisierung der Verwaltung für die verbliebenen 100.000 Kosovo-Serben, oder den Schutz ihrer religiösen Stätten will man dennoch zunächst fortsetzen.

Allzu viel Zeit bleibt den Vermittlern nicht mehr. Schon im vergangenen November hatte die so genannte Uno-Kontaktgruppe für den Kosovo (USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien) beschlossen, bis Ende 2006 über die Frage des künftigen Status' des Kosovos zu entscheiden. Vor allem die USA drängen auf eine endgültige Lösung des Problems. Immerhin bindet die Krisenprovinz noch immer 17.000 Nato-Soldaten (darunter 2300 Mann der Bundeswehr) in der Schutztruppe Kfor. Und die Kosten für die Verwaltung und militärische Sicherung des Kosovo stehen schon bei 2,6 Milliarden Euro.

Bereits im September werden sich nach Medienberichten die Mitglieder der Uno-Kontaktgruppe bei der Generalversammlung der Uno in New York treffen und dabei vermutlich den entscheidenden Bericht Ahtisaaris und dessen Empfehlungen hören. Danach dürfte das Kosovo wieder den Weltsicherheitsrat beschäftigen, der dann letztlich eine Entscheidung treffen muss. Wie diese ausfallen wird, ist weiterhin ungewiss, doch die meisten Experten erwarten, dass sich das Gremium für eine eingeschränkte Unabhängigkeit aussprechen wird.

asc/dpa



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