Kosovo-Konflikt Nato beordert deutsche Eingreiftruppe erneut auf den Balkan

Im Kosovo-Konflikt fordert die Nato erneut die Eingreiftruppe der Bundeswehr an. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE schickt Berlin schon Ende September die 700 Mann starke Kriseneinheit aus Deutschland und Österreich in Richtung Balkan - zum dritten Mal in diesem Jahr.
Deutscher Kfor-Soldat in Zvecan: Dritter Einsatz binnen eines Jahres

Deutscher Kfor-Soldat in Zvecan: Dritter Einsatz binnen eines Jahres

Foto: STRINGER/ REUTERS

Berlin - Die Nato hat erneut den Einsatz einer deutsch-österreichischen Eingreiftruppe im Kosovo für den Herbst 2012 angefordert. Das Einsatzführungskommando in Potsdam unterrichtete am Mittwochnachmittag ausgewählte Abgeordnete des Bundestags, dass die rund 700 Mann starke Einheit aus deutschen und österreichischen Soldaten ab Anfang Oktober eine italienische Eingreiftruppe ablösen soll, die bisher wegen der brenzligen Lage auf dem Balkan dort eingesetzt wurde.

Es ist bereits das dritte Mal dieses Jahr, dass die deutschen Soldaten des sogenannten Operativen Reservebataillons (ORF) in Richtung Kosovo ausrücken müssen. Gleichwohl stimmte Berlin der Bitte der Nato umgehend zu, so das Einsatzführungskommando, "um die erfolgreiche Fortsetzung der Operationen und eine weitere Stabilisierung und Verbesserung der Sicherheitslage im Nordkosovo bestmöglich zu unterstützen". Die Soldaten der Bundeswehr werden deswegen bis Ende September gen Balkan verlegt und sollen bis mindestens Ende 2012 im Einsatz bleiben.

Die Beschreibung der Lage im Kosovo klingt alarmierend. Trotz der Präsenz von rund 5800 internationalen Soldaten und einer italienischen Eingreiftruppe von ebenfalls 700 Mann schätzt die Nato demnach die Lage vor allem im Grenzgebiet des Kosovo zu Serbien weiterhin als "fragil" ein. Nach den Wahlen in Serbien vom Frühsommer, aus denen nationalistische Kräfte als Sieger hervorgingen, bestehe in den kommenden Monaten ein "erhebliches Potential für eine erneute Lageverschlechterung", schreibt Bundeswehrgeneral Rainer Glatz an die Abgeordneten.

Die Eingreiftruppe wurde von der Nato ausdrücklich für brenzlige Situationen und den Fall aufgestellt, dass die regulären Kräfte die Lage nicht mehr kontrollieren können. Auf dem Balkan ist die Einheit vor allem im Grenzgebiet eingesetzt und versucht, die Bewegungsfreiheit der internationalen Truppen sicherzustellen und die Blockierung der Grenzübergänge von beiden Seiten aufzulösen.

Bei solchen Operationen war es in den letzten Monaten mehrmals zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Schießereien gekommen.

Truppenreduzierung in naher Zukunft kaum möglich

Die Bitte aus Brüssel illustriert einmal mehr, dass mit einer raschen Reduzierung der internationalen Truppen auf dem Balkan in naher Zukunft kaum zu rechnen ist. Grundsätzlich besteht die Aufgabe der Kfor-Soldaten, die traditionell von einem deutschen General geführt werden, seit dem Beginn der Operation im Jahr 1999 in der Vermeidung von neuen Konflikten zwischen dem Kosovo und Serbien.

In den letzten Monaten war die eigentlich geplante weitere Reduzierung der internationalen Einheiten der Nato deutlich in Frage gestellt worden, da sich die Lage im Kosovo eher zuspitzt als entspannt. Erst im Februar hatte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Lage im Kosovo als schwierig bezeichnet, eine Reduzierung der Einheiten sei deswegen derzeit nicht denkbar.

Die Spannungen zwischen dem Kosovo und Serbien, das das Kosovo als abtrünnige Republik betrachtet, waren zuletzt durch einen drastischen Auftritt des neu gewählten serbischen Regierungschefs deutlich geworden. Vor den Vereinten Nationen in New York polterte Ivica Dacic, das Kosovo müsse mit einem Eintrittsverbot in alle internationalen Organisationen belegt werden. Die einseitige Unabhängigkeitserklärung der Provinz im Jahr 2008 werde von Serbien auf keinen Fall akzeptiert.

Genau diese Unabhängigkeit wird seither von den Nato-Einheiten abgesichert, trotzdem kommt es immer wieder zu Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Serben und Kosovaren. Die Unabhängigkeitserklärung ist bislang von 92 Ländern anerkannt worden, darunter Deutschland und die USA. Die Uno erkennt das Kosovo bisher nicht als unabhängigen Staat an.