Vorladung durch Sondergericht Kosovos Regierungschef Haradinaj tritt zurück

Ramush Haradinaj hat sein Amt niedergelegt. Ein Sondergericht in Den Haag habe ihn vorgeladen - ihm werden Verbrechen an der serbischen Zivilbevölkerung während des Kosovokriegs vorgeworfen.
Ramush Haradinaj: Vorladung durch Sondergericht

Ramush Haradinaj: Vorladung durch Sondergericht

Foto: Armend NIMANI / AFP

Der kosovarische Regierungschef Ramush Haradinaj ist zurückgetreten. Er sei als Verdächtiger vom Sondergericht für Kriegsverbrechen während des Kosovokriegs in Den Haag vorgeladen worden, sagte Haradinaj.

Er werde der Vorladung nachkommen, wolle dies aber nicht als Premierminister tun. Haradinaj sagte weiter, er habe sein Kabinett über den Schritt unterrichtet und den Präsidenten des Landes ersucht, vorgezogene Parlamentswahlen anzusetzen.

Während des Kosovokriegs in den Jahren 1998 und 1999 war Haradinaj Kommandeur der Rebellenorganisation UCK. Das Uno-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien hatte Haradinaj 2008 und 2012 in zwei Prozessen freigesprochen. Die serbischeSeite legt ihm allerdings andere Taten zur Last als diejenigen, um die es in den Prozessen in Den Haag ging.

Die Vorladung gegen Haradinaj erging nun vom 2015 in Den Haag eingerichteten Sondertribunal, das sich speziell mit Verbrechen befasst, die UCK-Mitglieder begangen haben sollen. Das Gericht hatte im Januar 2019 mit Befragungen in Den Haag begonnen.

Das in großer Mehrheit von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört und im Krieg 1999 für seine Unabhängigkeit gekämpft. Offiziell ist das Kosovo seit 2008 unabhängig und wird von mehr als hundert Staaten anerkannt. Serbien hat die Abspaltung seiner ehemaligen Provinz nie anerkannt und betrachtet das Kosovo immer noch als sein Staatsgebiet. Derzeit leben noch etwas mehr als 100.000 Serben im Kosovo.

Anmerkung in einer früheren Version dieses Artikels hieß es, Haradinaj sei vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag vorgeladen worden. Das ist unzutreffend. Er wurde von den Kosovo Specialist Chambers vorgeladen, einem Sondergericht das mutmaßliche Verbrechen der UCK im bewaffneten Konflikt mit Serbien in den Jahren 1998 bis 2000 aufklären soll und seinen Sitz ebenfalls in Den Haag hat. Wir haben den Fehler korrigiert.

asa/AFP/AP
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