Kosovo-Streit Serbien zieht Botschafter aus Deutschland ab

Serbien macht im Streit über die Anerkennung des Kosovo Druck: Die Regierung in Belgrad beruft ihre Botschafter aus Deutschland und Österreich ab. Sie begrüßte die gewaltsamen Proteste an der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien.


Hamburg/Wien/Kosovska Mitrovica - Serbien reagiert im Streit über die Unabhängigkeit des Kosovo: Das Außenministerium in Belgrad will seine Botschafter aus Deutschland und Österreich abziehen. Beide Länder haben der am Wochenende ausgerufenen politischen Autonomie des Kosovo zugestimmt. Bisher gehörte die Region zu Serbien.

Kfor-Soldaten an der Grenze von Serbien und Kosovo: "Einzige legale und legitime Ordnungskraft in der Region"
AFP

Kfor-Soldaten an der Grenze von Serbien und Kosovo: "Einzige legale und legitime Ordnungskraft in der Region"

Zuvor hatte der serbische Vizeverteidigungsminister Dusan Spasojevic weiteren Protest seines Landes gegen die Autonomie des Kosovo angekündigt. Dessen Unabhängigkeitserklärung stelle bisher kein militärisches, sondern ein politisches und juristisches Problem dar, sagte Spasojevic am Rande seiner Rede vor der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in Wien.

"Wir werden nicht militärisch intervenieren", erklärte er allerdings nach einem Bericht der Nachrichtenagentur APA.

Zugleich unterstrich er, dass seine Regierung "mit aller Kraft" gegen die "illegale" Unabhängigkeitserklärung des Kosovo protestiere. Die Nato-Friedenstruppe Kfor sei die "einzige legale und legitime Ordnungskraft in der Region", sagte Spasojevic. Serbien werde sich als "verantwortungsvoller Partner" verhalten. Die Unabhängigkeitserklärung durch Pristina verstoße gegen jegliches internationales Recht.

Man respektiere die Kfor "in ihrer Zone" - "in unserer Zone" werde man allerdings "keine Gewalt tolerieren", erklärte der stellvertretende Minister weiter. Mit emotionalen Reaktionen habe man gerechnet. Man vertraue jedoch im Hinblick auf den Schutz von Zivilisten voll und ganz den Kfor-Truppen. Spasojevic erläuterte vor der OSZE auch die Reformen der serbischen Armee, die sich in wenigen Jahren zur stärksten Streitkraft in der Region entwickelt habe.

Belgrad begrüßt gewaltsame Aktionen an der Grenze

Die gewaltsamen Proteste von radikalen Kräften der serbischen Minderheit im Kosovo wurden von der Regierung in Belgrad begrüßt. Die Übergriffe stünden "im Einklang mit der allgemeinen Regierungspolitik", hieß es.

Am Dienstag hatten nationalistische Serben Grenzanlagen zwischen Serbien und dem Kosovo in Brand gesetzt, um so gegen die Unabhängigkeitserklärung der Regierung in Pristina zu protestieren. Kosovo-Minister Slobodan Samardzic sagte, mit den Zollposten werde das Ziel verfolgt, eine Staatsgrenze zu errichten.

"Wir werden das nicht zulassen", sagte Samardzic gestern Abend in einem Interview des Fernsehsenders B92. Er kündigte an, dass seine Regierung die bislang von den Vereinten Nationen betriebenen Zollstellen im Norden des Kosovos übernehmen wolle.

flo/als/AFP/AP



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