Kosovo Thaci lässt Datum der Unabhängigkeit offen

Eigentlich war endlich ein klares Wort zum Termin der Unabhängigkeitserklärung erwartet worden: Doch Hashim Thaci, Regierungschef des Kosovo, enttäuschte die Beobachter. Er nahm das Wort Unabhängigkeit nicht einmal in den Mund.


Pristina - Wird es der Sonntag sein, über den schon seit Tagen spekuliert wird? Endlich, so hatten Mitarbeiter Hashim Thacis am Morgen gestreut, werde der Regierungschef des Kosovo den Termin für die Unabhängigkeitserklärung nennen - auf einer Pressekonferenz am Mittag.

Hashim Thaci: Wann kommt der Schritt in die Unabhängigkeit?
REUTERS

Hashim Thaci: Wann kommt der Schritt in die Unabhängigkeit?

Doch die Journalisten und Beobachter aus aller Welt wurden enttäuscht: Thaci vermied es, ein Datum für die Ausrufung der Unabhängigkeit zu nennen, mehr noch, er nahm nicht einmal das Wort in den Mund. Er sagte lediglich, dass das Parlament neue Gesetze verabschiedet habe, die dem Kosovo eine "bessere Zukunft" gewährleisten würden.

Serbien wehrt sich indes weiter gegen die Loslösung der abtrünnigen Provinz. Präsident Boris Tadic sprach sich heute erneut gegen die Unabhängigkeit des Kosovo aus. Er habe zwei Ziele als Präsident: den Kampf für "unser Kosovo" und Serbiens Mitgliedschaft in der EU, sagte der vor kurzem wiedergewählte Präsident bei seiner Vereidigung vor dem Parlament in Belgrad.

Zuvor hatte Serbiens Außenminister vor dem Weltsicherheitsrat in New York für den Fall einer solchen Unabhängigkeitserklärung Sanktionen gegen die Provinz angekündigt. Sein Land werde alle diplomatischen, politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen, um diesen "direkten und grundlosen Angriff auf unsere Souveränität" zu verhindern und rückgängig zu machen, sagte Vuk Jeremic vor dem höchsten Uno-Gremium, ohne dies näher zu erläutern. "Die serbische Republik kann einen solch illegalen Akt von Abspaltung nicht tolerieren." Der Weltsicherheitsrat war auf Antrag Serbiens zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen.

Die Bundeswehr hat derzeit keine Hinweise auf eine Verschärfung der Sicherheitslage im Kosovo. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, sagte heute, die Lage sei ruhig. "Wir haben keine Anhaltspunkte, dass sich das ändern sollte." Die Bundeswehr sei aber auf verschiedene Szenarien vorbereitet und könne im Notfall innerhalb von zwei Wochen mit Reservekräften im Kosovo sein. Die KFOR hat im Kosovo 16.000 Soldaten im Einsatz, davon knapp 2500 der Bundeswehr.

phw/dpa/AFP



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