Bei Uno-Sitzung
Präsidenten von Kosovo und Serbien geraten aneinander
Kosovo will eine eigene Armee aufbauen, der große Nachbar Serbien ist empört. Nun hat der Groll für Aufregung im Uno-Sicherheitsrat gesorgt. Russland warnt vor einer "Situation, die jederzeit explodieren" könne.
Der Beschluss der Regierung des Kosovo, eine eigene Armee zu schaffen, hat am Montagabend für Aufregung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gesorgt. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic nannte den Schritt eine Bedrohung für Frieden und Stabilität in der Region - ebenso wie Russlands Uno-Vertreter Wassili Nebensja. In der Sondersitzung des höchsten Uno-Gremiums zur Lage im Kosovo gerieten Vucic und Kosovos Präsident Hashim Thaci mehrfach aneinander.
Thaci verteidigte den Beschluss des Parlaments in Pristina als "nicht außergewöhnlich" und als "natürlichen Schritt". Vucic verwarf dagegen das "sogenannte souveräne Recht" des Kosovo auf eine reguläre Armee. Der Sicherheitsrat müsse das Land "bremsen" und "zähmen". Er verwies dabei ebenso wie der Russe Nebensja auf die immer noch gültige Uno-Resolution 1244 aus dem Jahr 1999, mit der der Kosovokrieg beendet wurde und die unter anderem der internationalen Kosovo-Friedenstruppe Kfor das Mandat zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung übertrug.
Nebensja warnte vor einer "Situation, die jederzeit explodieren" könne. Dagegen unterstützten die USA bei der Sitzung im Sicherheitsrat die Pläne des Kosovo.
Kosovos Präsident Hashim Thaci bei der Uno
Foto: Craig Ruttle/ AP
Die Neuausrichtung der bisherigen Katastrophenschutz-Einheit des Kosovo hatte Serbien und Russland empört und bei westlichen Partnern des kleinen Balkanlandes Bedenken hervorgerufen. Nach den bisherigen Plänen soll die künftige Armee des Kosovo 5000 Mann stark sein. Serbien hat nach unterschiedlichen Angaben zwischen 40.000 und 50.000 Mann unter Waffen. Serbiens Präsident Vucic sagte, er sei "sehr beunruhigt, sehr besorgt und sogar etwas verängstigt" über die Auswirkungen einer kosovarischen Armee in der Region.
Das in großer Mehrheit von Albanern bewohnte Kosovo hatte früher zu Serbien gehört und im Krieg 1999 für seine Unabhängigkeit gekämpft. Offiziell ist das Kosovo seit 2008 unabhängig und wird von mehr als hundert Staaten anerkannt. Serbien hat die Abspaltung seiner ehemaligen Provinz nie anerkannt und betrachtet das Kosovo immer noch als sein Staatsgebiet. Derzeit leben noch etwas mehr als 100.000 Serben im Kosovo.
"Wie sie wissen, sind die Serben ein sehr stolzes Volk..."
"Wenn das Kosovo einen Fehler gemacht hat, dann nur, dass wir fünf Jahre zur Schaffung einer Armee gewartet haben", sagte Thaci. Die Armee würde mit "Soldaten des Friedens" zur Stabilität in der Region beitragen.
Nach serbischen Medienberichten forderte Vucic die Uno nachdrücklich zu mehr Engagement im Kosovokonflikt auf und kündigte "selbstverständlich" die Fortsetzung des Dialogs an. Aber: "Wie sie wissen, sind die Serben ein sehr stolzes Volk und wir können keine Erniedrigungen akzeptieren. Das werden wir niemandem auf der Welt zugestehen, egal wie groß Sie und wie klein wir sind."