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Republikaner-Debatte: Romneys Siegeszug

Foto: ADAM HUNGER/ REUTERS

Kräftemessen der US-Republikaner Romney zieht davon

Erst gewinnt er einen wichtigen Unterstützer, dann läuft es auch noch in der TV-Debatte: Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney kann in dieser Woche kräftig punkten. Für Konkurrent Rick Perry wird es eng.

Washington - Die Musik düster, die Stimmung gewittrig. Barack Obama schaut in den Spiegel. Und heraus blickt: Mitt Romney. Schaudern. Aus dem Off die Stimme des US-Präsidenten: "Ich stimme Mitt Romney zu, er hat recht." Dann die Einblendung: "Auch der reichste Mann kann seine Vergangenheit nicht zurückkaufen." Schnitt.

Es ist das neueste Kampagnen-Video von Präsidentschaftsbewerber und Texas-Gouverneur Rick Perry. Und das bisher schärfste.

Es soll Romney, den Führenden in den Umfragen, an seiner empfindlichsten Stelle treffen: Ist der Mann überhaupt ein waschechter Konservativer? Hat er nicht als Gouverneur von Massachusetts einst eine Gesundheitsreform vorgelegt, die Obama hernach lobte? Ist Romney ein "Flip Flopper", wie sie hier sagen, ein Wendehals, der seine Ansichten alle paar Jahre ändert?

"Mitt Romney ist der Mann, den wir brauchen"

Ein paar heftige Attacken per Wahlkampfvideo - Perry hat vorgelegt für den Dienstagabend; für die TV-Debatte im Dartmouth College in Hanover, New Hampshire - in einem frühen und entscheidenden Vorwahl-Staat im kommenden Jahr. Perry steht unter Druck, weil er in den Umfragen hinter Romney zurückgefallen ist. In den letzten Debatten hat er sich vor Millionenpublikum peinliche Patzer geleistet.

Läuft es diesmal besser? Nicht wirklich. Romney kontert seine Attacken aus, bevor überhaupt die Aufnahmelichter der Kameras in Hanover rot leuchten. Denn schon am Nachmittag präsentiert der 64-jährige Geschäftsmann einen gewichtigen Unterstützer: Chris Christie, den Gouverneur von New Jersey, bis vor einer Woche selbst noch als möglicher Präsidentschaftskandidat im Gespräch. "Amerika kann nicht noch einmal vier Jahre Barack Obama überleben", sagt der bei Konservativen beliebte Christie. "Und Mitt Romney ist der Mann, den wir brauchen, um Amerika zu führen." Später, im Dartmouth College, setzt sich Christie dann sogar ins Publikum.

Das nennt man wohl Image-Transfer. Hinter Christie jedenfalls steht während der gemeinsamen Pressekonferenz ein beseelt in sich hinein lächelnder Mitt Romney.

Es plätschert so dahin

Dabei hatte sich doch Perry, der Texaner, so viel vorgenommen. Mehr Schlaf wolle er sich vor der Debatte gönnen, streuten seine Gehilfen. Eine bessere Vorbereitung auch. Das Spendenkonto zudem ist gut gefüllt, 17 Millionen Dollar hat Perry im letzten Quartal eingesammelt. Aber all das hilft nicht in diesen Tagen. Konkurrent Romney zieht davon, geht der republikanischen Präsidentschaftskandidatur entgegen. Kann der Mann noch gestoppt werden?

In dieser TV-Debatte jedenfalls nicht.

Es geht um die Wirtschaft, ausschließlich. Da spielt es keine Rolle, dass die US-Behörden offenbar einen spektakulären Attentatsplan auf den Botschafter Saudi-Arabiens aufgedeckt haben und nun Iran zur Verantwortung gezogen werden soll. Was auch immer das am Ende heißen mag. Nein, all das interessiert an diesem Abend in New Hampshire nicht. So war es geplant von den Veranstaltern - dem TV-Wirtschaftskanal "Bloomberg" und der "Washington Post" -, so wird es nun auch durchgezogen.

Also los. Der frühere Godfather's Pizza-Chef Herman Cain trommelt schon in der ersten Minute für sein Steuermodell; Rick Perry fordert einen Verfassungszusatz, der den ausgeglichenen Haushalt dekretiert; seinen Job-Plan kann er aber leider noch nicht vorlegen, "in den nächsten Tagen" soll es so weit sein; Romney appelliert ganz staatsmännisch an "gute Demokraten" und "gute Republikaner", die wieder zueinander finden müssten zum Wohle des Landes.

Es plätschert so dahin, gegen Regulierungen sind sie, gegen Steuererhöhungen sowieso. Sogar Freundlichkeiten für die Kontrahenten dürfen anfangs nicht fehlen: Da hat Rick was Gutes gesagt, Herman hat das eben schon erwähnt und auch Mitt, ja klar, hat bereits drauf hingewiesen. Dankeschön.

Erst als es konkret um den Bail-out, die staatlichen Rettungsaktionen für die Wall Street während der Finanzkrise geht, da wirken die Kandidaten, die sonst vor Rechtsaußen-Publikum in dieser Sache gern kraftmeiern, etwas schwammig: "Es musste damals etwas unternommen werden", sagt Romney, aber, durchaus, es habe Institutionen gegeben, die nicht hätten gerettet werden müssen. "Die Umsetzung war damals das Problem", meint Herman Cain. Nur Ron Paul, der radikalliberale Alte, hält das ganze System für völlig kaputt: "Die Wall Street bekam den Bail-out und die Mittelklasse hat ihre Jobs und ihre Häuser verloren."

"Sorry, Rick!"

Munter wird es erst, als sich die Kandidaten gegenseitig Fragen stellen dürfen. Im Mittelpunkt steht: Romney. Cain fragt ihn, ob er alle 59 Punkte seines Wirtschaftsplans aufsagen könne so wie er, Cain, seinen griffigen 999-Plan (jeweils neun Prozent Unternehmenssteuer, Einkommenssteuer, Konsumsteuer)? Ach, sagt Romney, er habe die Erfahrung, dass einfache Antworten manchmal hilfreich aber unangemessen seien.

Und Jon Huntsman, der frühere Gouverneur von Utah, schafft es, über die Einleitung zu seiner Romney-Frage gar ein Thema jenseits der Wirtschaft zu streifen und damit Perry zu attackieren: Weil sich hier alles um Ökonomie drehe, sagt Huntsman, verspreche er Romney, dass es in seiner Frage nicht um die Religion gehe. Seitenblick zu Perry: "Sorry, Rick!" Grinsender Huntsman, lachender Romney. Der Hintergrund: Am vergangenen Wochenende hatte ein Perry nahestehender Pastor der evangelikalen Christen mit Blick auf den gläubigen Mormonen Romney erklärt, dessen Glaube sei eine Sekte. Weil auch Huntsman Mormone ist, revanchiert er sich nun bei Perry. Der lässt es über sich ergehen.

Der Texaner hat sich ein anderes Thema ausgesucht, um Romney an diesem Abend zu attackieren: dessen Gesundheitsreform. Was er denn den Kritikern entgegenhalte, die "Romneycare" mit "Obamacare" verglichen, fragt Perry scheinheilig. Es ist die letzte Patrone des Texaners an diesem Abend. Und sie geht daneben.

Er sei stolz darauf, ein Problem gelöst zu haben, antwortet Romney selbstgewiss. Es habe zu viele unversicherte Kinder in Massachusetts gegeben, das habe er geändert. Jetzt gebe es dort die niedrigste Zahl nicht versicherter Kinder landesweit, sagt Romney und dreht sich zu Perry: "Du hast die höchste, du hast eine Million nicht versicherter Kinder." Er, sagt Romney, kümmere sich eben um die Leute.

Rick Perry wirkt jetzt wie ein Schuljunge, der sich im Sitzen die Hände unter die Oberschenkel klemmt.

Chris Christie übrigens, der neue konservative Romney-Fan aus New Jersey, schickt während der Debatte noch eine Mail raus: "Hallo Freund, Mitt Romney ist der einzige unterstützenswerte Kandidat." Ah ja. Wenn das jene republikanischen Großspender genauso sehen, die ihr Geld bislang zurückhielten und noch vor wenigen Tagen Christie selbst zur Kandidatur drängen wollten, dann kann Romney sich nicht nur über diese TV-Debatte freuen.

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