Kranker Castro Karneval von Havanna abgesagt

Keine Zeit für Fröhlichkeit: Der Karneval von Havanna ist wegen der Erkrankung Fidel Castros auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Exilkubaner in den USA riefen die Bevölkerung der Karibikinsel auf, die Krankheit des Staatschefs für einen Aufstand zu nutzen.

Havanna - Eigentlich wollten sie morgen an in den Straßen der Kubanischen Hauptsstadt feiern. Doch angesichts der Gesundheitsprobleme von Staatschef Fidel Castro haben die Veranstalter den Karneval von Havanna erst einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Der neue Termin werde noch bekannt gegeben, kündigte die staatliche kubanische Nachrichtenagentur an. Die Veranstalter hatten für dieses Jahr einen Karneval in einem bescheideneren Umfang als in den vergangenen Jahren angekündigt.

Der Karneval von Havanna wurde schon in spanischer Kolonialzeit von den schwarzen Sklaven gefeiert. In den 90er Jahren fiel er wegen der wirtschaftlichen Krise auf der Karibikinsel fast zehn Jahre lang aus, erlebte dann aber vor allem wegen der in Scharen kommenden Touristen vor fünf Jahren ein Revival. Castro hatte am Montag wegen einer Darmoperation die Amtsgeschäfte "vorübergehend" an seinen 75-jährigen Bruder Raul abgegeben. Es war das erste Mal seit fast einem halben Jahrhundert, dass Castro die Amtsgeschäfte aus der Hand gab.

Inzwischen soll der Revolutionsführer nach Darstellung seiner in den USA lebenden Schwester die Intensivstation des Krankenhauses verlassen haben. Juanita Castro sagte dem Sender CNN, das habe sie auf inoffiziellen Wegen aus Havanna erfahren. "Er ist nicht tot", widersprach sie in Südflorida kursierenden Gerüchten. "Er ist sehr krank, aber er ist nicht tot." Juanita Castro hatte 1963 mit ihrem Bruder gebrochen und lebt in Miami. Nach offiziellen Angaben vom Dienstag ist Castros Gesundheitszustand stabil.

Die größte Organisation der Exilkubaner rief die Bevölkerung Kubas indes zu einem Aufstand auf. Mutige Männer und Frauen, die Kuba auf einen anderen Weg bringen wollten, sollten die Krankheit von Staatschef Fidel Castro zu einem Umsturz nutzen, sagte der Präsident der Kubanisch-Amerikanischen National-Stiftung (FNCA), Jorge Mas Santos, in Miami. Dies könne "eine militärische oder zivile Erhebung" sein. Die Exilkubaner warfen Castro vor, mit der eigenmächtigen Benennung von Nachfolgern die Kubaner wie sein "absolutes Eigentum" zu behandeln.

phw/AFP/AP