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20. Dezember 2013, 09:59 Uhr

Putins Gnadenerlass

Kreml-Gegner Chodorkowski ist frei

Michail Chodorkowski ist nach zehn Jahren Haft wieder in Freiheit. Nach der Begnadigung durch Präsident Wladimir Putin hat Russlands prominentester Häftling das Straflager Segescha im Norden des Landes verlassen.

Moskau - Russlands prominentester Gefangener ist in Freiheit: Kurz nach seiner Begnadigung durch Präsident Wladimir Putin ist der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski am Freitag aus dem Gefangenenlager Segescha entlassen worden. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Der ehemalige Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Jukos war 2003 festgenommen und zwei Jahre später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden.

Chodorkowski hatte sich vor seiner Verurteilung offen zur Opposition bekannt. Der einst reichste Mann Russlands setzte sich zudem für den Bau einer von seiner Firma kontrollierten Ölpipeline nach China ein, die den staatlichen Firmen Konkurrenz gemacht hätte. Der Prozess gegen ihn wurde international als politisch motiviert kritisiert.

Freilassung aus humanitären Gründen

Am Freitagmorgen hatte Putin die Begnadigungsurkunde für Chodorkowski unterschrieben. Auf Grundlage der Prinzipien der Humanität befreie er den 50-Jährigen von seiner weiteren Haftstrafe, hieß es in dem veröffentlichten Erlass Putins.

Der russische Präsident hatte am Donnerstag überraschend von einem Gnadengesuch Chodorkowskis gesprochen. Die Zeitung "Kommersant" berichtete, dass Geheimdienstmitarbeiter sich mit Chodorkowski im Straflager getroffen hätten, um den Gnadenakt auf den Weg zu bringen. Anfang Dezember habe es ein Gespräch von Geheimdienstmitarbeitern mit dem früheren Oligarchen gegeben, bei dem kein Anwalt zugegen war, berichtete "Kommersant" am Freitag unter Berufung auf anonyme Quellen. Dabei sei Chodorkowski gesagt worden, dass sich der Gesundheitszustand seiner krebskranken Mutter verschlechtert habe und ihm ein dritter Prozess drohe.

Daraufhin habe sich Chodorkowski, der bislang immer ein Gnadengesuch verweigert hatte, an Präsident Wladimir Putin gewandt. Laut Angaben des Kreml ist ein Gnadengesuch in Russland immer mit einem Schuldeingeständnis verbunden - deshalb hatte sich Chodorkowski lange dagegen gesträubt.

syd/dpa/AFP

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