Krieg am Horn von Afrika Regierungstruppen erobern Schlüsselpositionen in Mogadischu

Der Kampf um die somalische Hauptstadt scheint vorerst entschieden. In Mogadischu besetzten Truppen der Übergangsregierung wichtige Gebäude und den Flughafen. Die islamistischen Kräfte sind auf dem Rückzug.


Mogadischu - Zu den eingenommenen Schlüsselpositionen gehöre auch der ehemalige Präsidentenpalast, sagte ein Sprecher der Somalischen Nationalallianz (SNA) am Donnerstag. Es gebe eine gute Verbindung zur Regierung, die man nun gern in der Hauptstadt willkommen heißen wolle. Die SNA gehört zu dem ehemaligen Kriegsfürsten Hussein Aidid, der in der Übergangsregierung nun Innenminister und Vize-Ministerpräsident ist.

Zuvor hatten sich die Muslim-Extremisten aus Mogadischu zurückgezogen. Bewohner berichteten anschließend von Plünderungen und Schießereien. Dabei kamen nach Augenzeugenberichten mindestens vier Menschen ums Leben.Auch seien Straßensperren errichtet worden.

In der Umgebung von Mogadischu übernahmen Regierungstruppen die Kontrolle über die Ortschaft Balad im Norden und standen im Westen kurz vor dem Ort Afgoye, wie aus Regierungskreisen verlautete. Sie eroberten auch den Flughafen Badedogle, den wichtigsten im ganzen Land. Es wurde erwartet, dass Präsident Abdullahi Jussuf Ahmed den gemäßigten Kräften in Mogadischu einen Waffenstillstand anbieten würde.

Die somalische Übergangsregierung hat unterdessen den Ausnahmezustand über das Land verhängt. Mit
diesem Schritt solle die Ruhe wieder hergestellt und eine
allgemeine Entwaffnung vorangetrieben werden, sagte ein
Regierungssprecher in Baidoa. "Unsere Streitkräfte werden Mogadischu aus zwei Richtungen betreten, aus Nord und Süd", erklärte Abdelrahman Dinari als Sprecher
der Übergangsregierung.

Die islamistischen Milizen hatten zuvor angekündigt, sich aus der Stadt zurückzuziehen, die sie vor rund einem halben Jahr erst erobert hatten. Das hatte einer der Islamistenführer, Scheich Scharif Ahmed, am Donnerstag dem arabischen Fernsehsender Al Dschasira gegenüber erklärt. Damit wolle man Blutvergießen verhindern. Einheiten der international anerkannten somalischen Übergangsregierung hatten zuvor gedroht, zusammen mit verbündeten äthiopischen Truppen zum Sturm auf die Stadt anzusetzen. "Wir haben uns zurückgezogen, um ein Bombardement zu verhindern", erklärte Scheich Ahmed.

Es bedeute aber keinesfalls
eine Niederlage: "Mitglieder der Union der Islamischen Gerichte
werden sich nicht ergeben. Wir werden uns verteidigen und dem Feind eine Niederlage zufügen." Er warf den äthiopischen Truppen "Völkermord am somalischen Volk" vor.

Krisenherd Horn von Afrika: Keine Lösung bislang durch die Uno.
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Krisenherd Horn von Afrika: Keine Lösung bislang durch die Uno.

Das christliche geprägte Nachbarland Äthiopien hatte den Islamisten, die nach dem Fall von Mogadischu im vergangenen Juni den Großteil Somalias kontrollierten, am Sonntag den Krieg erklärt. Äthiopien unterstützt die bedrängte Übergangsregierung mit Sitz in Baidoa im Süden des ostafrikanischen Landes, um einen islamischen Gottesstaat in Somalia zu verhindern.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen konnte sich unterdessen auch im zweiten Anlauf nicht auf einen Appell zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes einigen. Die Afrikanische Union hatte am Vortag den sofortigen Rückzug aller ausländischen Truppen auf beiden Seiten der Konfliktparteien gefordert.

sev/rtr/afp/ap



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