Krieg der Sterne Moskau warnt die USA vor neuen SDI-Plänen

Das Gespenst eines Raketenkrieges im Weltraum ist auf die internationale Bühne zurückgekehrt. Russland sieht den "historischen Wandel", den die nukleare Abrüstung ermögliche, durch amerikanische Pläne für ein Raketenabwehrsystem gefährdet. Die USA wollen dennoch an dem abgespeckten SDI-Programm festhalten.


New York - Öffentlich streiten sich Amerikaner und Russen um eine fast drei Jahrzehnte als unumstößlich angesehene Spielregel für die Reduzierung strategischer Nuklearwaffen. Russlands Außenminister Igor Iwanow warnte Washington am Dienstag noch einmal eindringlich, dass "ein Fehlschlag des ABM-Abkommens die Gesamtheit aller Abrüstungsverträge der vergangenen 30 Jahre unterminieren würde".

Das 1972 zwischen den USA und der damaligen Sowjetunion vereinbarte Anti-Ballistic-Missile-Abkommen (ABM) gesteht jedem der beiden Staaten den Schutz der Hauptstadt und einer Batterie von Interkontinentalraketen durch Abfangraketen zu. Es gilt als Eckpfeiler des Systems der atomaren Abschreckung, weil sich beide Staaten damit in Zeiten des Kalten Krieges die Fähigkeit zu einem nuklearen Vergeltungsschlag eingeräumt hatten.

Verteidigt die neuen Raketen-Pläne: Madeleine Albright
AP

Verteidigt die neuen Raketen-Pläne: Madeleine Albright

Dass die Amerikaner trotz der Kritik von Iwanow ernsthaft an eine abgespeckte Version der unter Präsident Ronald Reagan entworfenen Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI) denken, machte US-Außenministerin Madeleine Albright am Montag ausgerechnet zum Auftakt der internationalen Überprüfungskonferenz für den Atomwaffensperrvertrag in New York deutlich. "Star Wars II", wie Uno-Diplomaten die Neuauflage der Sternenkriegs-Idee nennen, ist nach den Worten Albrights aber keineswegs gegen Moskau gerichtet. Sie verwies auf "neue Gefahren, die von Staaten außerhalb des Systems der strategischen atomaren Abschreckung" ausgingen.

Washington habe nicht vor, das bilaterale ABM-Abkommen mit Russland zu sabotieren, sagte Albright. Es sollte jedoch möglich sein, die Regelungen zu modifizieren, forderte sie.

Dagegen besteht Russland laut Iwanow darauf, dass "die Einhaltung des ABM-Vertrages in seiner gegenwärtigen Form ohne jegliche Modifikation die Voraussetzung für weitere Verhandlungen über eine nukleare Abrüstung" sei.

Albright sagte, die US-Pläne seien keinesfalls darauf gerichtet, "Russlands Fähigkeit zur atomaren Abschreckung zu verringern". Es gehe lediglich um ein System, dass "höchstens einige Dutzend" anfliegende Atomraketen abwehren könne. Washington bemühe sich, die Russen noch vor dem für Juni geplanten Treffen zwischen den Präsidenten Bill Clinton und Wladimir Putin für eine entsprechende Modifizierung des ABM-Vertrages zu gewinnen, hieß es in diplomatischen Kreisen.

Albright äußerte sich zuversichtlich, dass die US-Regierung den Kongress doch noch zur Ratifizierung des Atomteststopp-Vertrages bewegen könne. Die Ratifizierung war von der konservativen Mehrheit im Kongress abgelehnt worden. Washington werde sich dennoch an den vereinbarten Teststopp halten, sagte Albright, und forderte andere Staaten auf, dies ebenfalls zu tun.



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