Krieg Eine halbe Million vertriebene Kosovaren

Die jugoslawische Armee hat mit ihren systematischen "ethnischen Säuberungen" bereits ganze Landstriche entvölkert. Seit 1998 haben laut UNHCR an die 514 000 Kosovo-Albaner in Nachbarländern Zuflucht gesucht.

Genf/Washington/Tirana - Das erklärte das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) am Sonntag in Genf. Nach der erneuten Öffnung der jugoslawischen Grenze seien in der Nacht zum Sonntag mehr als 4 000 neue Vertriebene nach Albanien gekommen. "Das ist ein klassischer Fall von ethnischer Säuberung", sagte Judith Kumin, die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks. "Das ist eine absolut organisierte Aktion und läuft meist ohne direkte Gewaltanwendung ab."

Die serbischen Einheiten gingen dabei stets nach dem selben Muster vor: "Sie umstellen die Dörfer und zwingen die Leute, ihre Häuser zu verlassen. Dann eskortieren sie die Menschen bis zur Grenze." In der Nacht zum Sonntag seien auf diese Art und Weise zahlreiche kleinere Dörfer westlich von Pristina entvölkert worden. In Mazedonien kamen laut UNHCR seit Samstag rund 280 Flüchtlinge an.

Über gewaltsame Zerstörungen von Hab und Gut sowie Hauseigentum berichtete die Nato. So ergab die Auswertung von Fotos der Aufklärungs-Drohnen der deutschen Bundeswehr, daß vielfach mit einer aufgedrehten Gasflasche im Erdgeschoß und einer brennenden Kerze im ersten Geschoß die Dächer von Häusern weggesprengt wurden.

Das UNHCR schätzt, daß seit Ausbruch des Konflikts im Kosovo im Jahr 1998 mehr als 514 000 Kosovo-Albaner in Montenegro und den Nachbarländern Jugoslawiens Zuflucht gesucht haben. In Montenegro halten sich laut UNHCR inzwischen 61 000 Flüchtlinge und Vertriebene auf, in Mazedonien rund 119 000 und in Albanien 309 500. 24 300 Kosovo-Albaner und Serben seien nach Bosnien-Herzegowina geflüchtet.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf wies Anschuldigungen der serbischen Gesundheitsministerin Leposava Milicevic zurück, die der Organisation vorgeworfen hatte, sie interessiere sich nicht für die humanitäre Lage in Jugoslawien. IKRK-Sprecherin Doris Pfister sagte, Rotkreuz-Mitarbeiter hätten gerade Novi Sad, Nis und Vranja besucht, um sich ein Bild von der Zerstörung durch die Nato-Luftangriffe zu machen und die Lieferung von Hilfsgütern zu planen. Nach Aleksinac habe man bereits Decken, Plastikplanen und Matratzen geliefert.

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