Krieg gegen den Terror Auftraggeber der Sauerland-Gruppe von US-Drohne getötet

Der usbekische Terrorchef Nadschmeddin Schalolow bildete die Sauerland-Gruppe in Waziristan aus - und beauftragte sie, in Deutschland Terroranschläge zu planen. Jetzt soll der Führer der "Islamischen Dschihad-Union" beim Angriff einer US-Drohne ums Leben gekommen sein.
Von Yassin Musharbash

Berlin - Nadschmeddin Schalolow, Chef der "Islamischen Dschihad-Union" (IJU) und Drahtzieher hinter den Anschlagsplanungen der Sauerland-Gruppe in Deutschland, ist offenbar tot. Verschiedenen Medienberichten zufolge starb der Usbeke schon am Montag dieser Woche - durch Beschuss von einer US-Drohne im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet.

Unter Berufung auf pakistanische Sicherheitskreise berichtet Reuters, der Usbeke sei einer von drei oder vier Militanten gewesen, die durch den gezielten Luftschlag auf einen Lkw getötet wurden. Schalolow war der Gründer und "Amir", Anführer, der IJU, einer ursprünglich rein usbekischen Gruppe, die jedoch schon seit Jahren ihren Operationsraum nach Pakistan verlegt hat. Laut der Web-Seite des "Indianexpress" gehen auch US-Quellen davon aus, dass Schalolow "so gut wie sicher" getötet worden sei. Eine offizielle Bestätigung steht freilich noch aus.

Schalolow hatte sich um das Jahr 2002 herum mit einigen Gefolgsleuten von der "Islamischen Bewegung Usbekistan" losgesagt und eine eigene Gruppierung gegründet. Die IJU wird zwar nur auf höchstens 100 aktive Kämpfer geschätzt, pflegt aber nachweislich Beziehungen zu al-Qaida und den Taliban.

Befehl zum Anschlag

Auch deutsche Rekruten haben den Weg zur IJU gefunden. Ursprünglich war der Plan der Dschihadisten aus Deutschland, sich bei der IJU nur ausbilden zu lassen, um dann später in Tschetschenien zu kämpfen.

Doch es kam anders: Schalolow höchstpersönlich forderte Fritz Gelowicz und Co. dazu auf, stattdessen eine Serie von Terroranschlägen in Deutschland zu begehen. Als Ziel hatte er nach Aussagen der Sauerland-Gruppe vor allem US-Soldaten vorgesehen, aber auch deutsche und usbekische Ziele sollten wenigstens symbolisch angegriffen werden.

Gelowicz und seine Mitstreiter, die bis auf Atilla Selek auch einen Eid ablegten, machten sich daraufhin tatsächlich an die Planung solcher Anschläge. Im September 2007 wurden sie, wiederum bis auf Selek, im sauerländischen Medebach-Oberschledorn festgenommen, wo sie bereits begonnen hatten, eine Testladung Sprengstoff vorzubereiten. Selek ging den Fahndern später in der Türkei ins Netz; er hatte geholfen, Sprengzünder zu organisieren.

Gespräche am Lagerfeuer

In ihren umfassenden Geständnissen schilderten die vier Zellenmitglieder, die seit April am Oberlandesgericht Düsseldorf vor Gericht stehen, Schalolow als umtriebigen Anführer, der sie immer wieder aufsuchte. Sie kannten ihn freilich nur unter dem Namen "Ahmad". Bei abendlichen Runden am Lagerfeuer soll "Ahmad" unter anderem über die Entstehung und Geschichte der IJU geplaudert haben. Die IJU bekannte sich zwischen 2002 und 2004 zu mehreren Bombenanschlägen in Usbekistan.

Neben den Sauerländern stießen durch deren Vermittlung im Laufe der Zeit weitere Rekruten aus Deutschland zur IJU. So sprengte sich Cüneyt Ciftci aus Ansbach in Bayern im Namen der IJU im afghanischen Khost in die Luft. Saadullah K. aus Hessen fiel für die IJU in einem Gefecht. Zwei weitere Dschihad-Willige stehen derzeit am Oberlandesgericht Frankfurt am Main vor Gericht. Der Saarländer Eric Breininger und der Deutsch-Libanese Houssain al-Malla werden weiterhin am Hindukusch vermutet.

Bei dem Drohnenangriff am Montag kam neben Schalolow anscheinend auch ein pakistanischer Militanter ums Leben, der zuvor in gewalttätige Aktivitäten in Kaschmir verwickelt gewesen sein soll. Laut "Indianexpress" sind in den vergangenen 13 Monaten fast 500 Militante durch US-Drohnen getötet worden. Allerdings kam es dabei Medienberichten und Augenzeugen zufolge mehrfach auch zu Todesfällen unter Zivilisten, so dass diese Zahl schwer einzuschätzen ist.

Die IJU, die sich vornehmlich auf ausgewählten türkischsprachigen Dschihadisten-Web-Seiten mitteilt, hat sich zu dem angeblichen Tod Schalolows unterdessen noch nicht geäußert.

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