Krieg gegen die Hamas Israels Truppen zum Einmarsch in Gaza-Streifen bereit

Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis israelische Soldaten in den Gaza-Streifen einmarschieren: Die Bodentruppen seien bereit, sagte eine Armeesprecherin. Eine Feuerpause lehnt die israelische Regierung derzeit ab. Es gebe "keinen Raum für eine Waffenruhe", hieß es.


Jerusalem/Damaskus - Weitet Israel seine Angriffe gegen die islamistische Hamas im Gaza-Streifen aus und marschiert mit Bodentruppen in das Gebiet ein? Das israelische Militär hat entsprechende Vorbereitungen für eine solche Aktion inzwischen abgeschlossen und Stellungen bezogen. Die Möglichkeit einer Bodenoffensive bestehe, sagte eine Armeesprecherin am Dienstag. "Die Bodentruppen sind bereit. Im Moment jedoch greifen wir ausschließlich aus der Luft oder vom Meer aus an."

In der vergangenen Nacht setzte das israelische Militär seine Luftangriffe fort - vor allem Ministerien der Hamas wurden attackiert. Dabei wurde palästinensischen Angaben zufolge das Außenministerium vollständig zerstört, mindestens zehn Menschen wurden den Angaben zufolge getötet.

Auch zwei Mädchen im Alter von vier und elf Jahren starben bei den Luftangriffen. Sie kamen Augenzeugenberichten zufolge ums Leben, als die israelische Luftwaffe einen Eselkarren beschoss, auf dem die Kinder saßen. Ein Armeesprecher sagte, man prüfe den Bericht.

Sieben weitere Menschen wurden demnach getötet, als das Haus eines Kommandeurs der Hamas in Bet Lahia getroffen wurde. Bei den Opfern soll es sich um Nachbarn und Passanten handeln. Der zehnte Tote war nach Angaben der Gesundheitsbehörde ein Wächter einer Uno-Schule, der bei einem Angriff auf eine nahe gelegene Polizeistation in Chan Junis tödliche Verletzungen erlitten habe.

Der Wille der Hamas soll gebrochen werden

Bisher starben bei der Militäroffensive mehr als 350 Menschen. Der Uno zufolge waren mindestens 62 der Toten Zivilisten. Durch die palästinensischen Raketenangriffe starben in dieser Zeit vier Israelis.

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Ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht: Die israelische Führung lehnte eine Waffenruhe ab, solange die Gefahr von Raketenangriffen aus dem Gaza-Streifen nicht gebannt ist. "Es gibt keinen Raum für eine Waffenruhe", sagte Innenminister Meir Schitrit am vierten Tag der israelischen Luftangriffe im Hörfunk. Die Regierung sei entschlossen, den Raketenbeschuss im Süden des Landes zu stoppen. Daher dürfe die Armee ihren Einsatz nicht beenden, bevor der Wille der islamistischen Hamas zur Fortsetzung der Raketenangriffe gebrochen sei. "Dies ist das Ziel und es muss erreicht werden", sagte Schitrit.

Vizeverteidigungsminister Matan Vilnai sagte, die Armee sei darauf vorbereitet, notfalls mehrere Wochen zu kämpfen.

Die massiven israelischen Angriffe verstärken inzwischen die schwelenden Konflikte zwischen den arabischen Staaten. Die syrische Führung forderte Ägypten am Dienstag zum Abbruch seiner diplomatischen Beziehungen zu Israel auf. Die regierungstreue syrische Tageszeitung "Tishreen" schrieb, Ägypten solle "zurückkehren zu seiner eigentlichen Rolle als arabisches Land, das sich in der Palästinenserfrage dem politischen Kampf gegen Israel stellt". Die Solidarität des ägyptischen Volkes mit den Palästinensern sei offensichtlich größer als die der politischen Führung in Kairo.

Demonstranten stürmen ägyptisches Konsulat im Jemen

In zahlreichen arabischen Ländern wird Ägypten vorgeworfen, den israelischen Angriffen auf den Gaza-Streifen zugestimmt zu haben. Im Jemen stürmten am Dienstag Hunderte Demonstranten das ägyptische Konsulat und protestierten gegen die Rolle Kairos bei den israelischen Luftangriffen auf den Gaza-Streifen. Aus Sicherheitskreisen verlautete am Dienstag, die Demonstranten hätten Computer aus den Fenstern geworfen und die ägyptische Flagge auf dem Dach des zweistöckigen Gebäudes in Aden angezündet. Später verließen sie das Konsulat, das von Sicherheitskräften umstellt wurde.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte
Die Parlamente des Iraks und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten am Montagabend die israelischen Attacken verurteilt. In einer Erklärung des Parlamentes in Abu Dhabi war von "barbarischen Operationen Israels gegen die Palästinenser" die Rede.

Die EU will am Dienstagabend bei einem Sondertreffen der Außenminister über die Lage in der Region beraten. Die französische EU-Ratspräsidentschaft hat kurzfristig zu dem Treffen eingeladen.

Die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten gefährdet nach den Worten von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Stabilität in der gesamten Region.

Darin sei sich Steinmeier mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bei einem Telefonat am Montagabend einig gewesen, teilte das Auswärtige Amt mit. Die Lage dürfe keinesfalls so weit eskalieren, dass dadurch der Annapolis-Prozess einschließlich der bilateralen Verhandlungen zwischen Israels Präsident Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gefährdet würden. Eine Lösung für die Probleme in der Region könne nur im Rahmen eines tragfähigen politischen Prozesses erreicht werden.

Der scheidende US-Präsident George W. Bush hatte vor einem Jahr beim Nahost-Gipfel in Annapolis einen Anlauf zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts unternommen. Die Verhandlungen sollen zur Bildung eines Palästinenserstaates führen.

hen/dpa/AP/Reuters

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