Krieg im Irak Wie die USA die Terroristen in den Griff bekamen

Hochspezialisiert, sofort einsatzbereit, höchst effektiv: In kleinen Teams jagen US-Soldaten und Agenten im Irak nach Terroristen. Die Spezialkommandos sollen maßgeblich für den Rückgang der Gewalt verantwortlich sein - und nicht wie stets behauptet die massive Truppenaufstockung.


Berlin - Sie ziehen fast jede Nacht los, in Bagdad und an vielen anderen Orten im Irak: Kleine Teams von Spezialkräften der US-Truppen und Geheimdienstoffizieren machen seit Monaten Jagd nach auf die meistgesuchten Terroristen im Irak. Und sie sind hocheffektiv - dank ihrer "ungewöhnlichen Taktik", wie es heißt. Hunderte Extremisten und deren Anhänger gingen ihnen in den vergangenen Monaten ins Netz. Zumindest haben Vertreter des Geheimdienstes und des Verteidigungsministeriums der "Washington Post" von dieser beachtlichen Erfolgsquote der neuartigen Operationen im Anti-Terror-Kampf im Irak erzählt.

US-Soldaten auf Terroristenjagd in Bagdad (2007): Spezialkräftekommandos statt Truppenaufstockung
AFP

US-Soldaten auf Terroristenjagd in Bagdad (2007): Spezialkräftekommandos statt Truppenaufstockung

Die Zeitung berichtet, dass vor allem diese gemischten Teams von Geheimdienst und Militär für die zuletzt deutlich zurückgehende Gewalt am Persischen Golf verantwortlich sind. Laut Pentagon erhöhten die USA so insbesondere den Druck auf die irakische Filiale des Terrornetzwerks al-Qaida. Zehn hochrangige Terrorkommandeure habe al-Qaida im Irak seit Juni allein in Bagdad verloren, berichtet die "Post".

Als ein Beispiel der erfolgreichen Arbeit beschreibt das Blatt die Ergreifung von Abu Uthman, genannt "Tiger". Der Terrorist steckt nach Ansicht der US-Behörden hinter der Entführung der amerikanischen Journalistin Jill Carroll und einer ganzen Reihe blutiger Angriffe auf US-Soldaten und irakische Zivilisten.

Am 11. August nahm ein Eingreifkommando des US-Militärs den "Tiger" nach einem Hinweis in einem Haus Bagdad fest. Schon vorher soll sich die Schlinge um den Hals Uthmans so eng gezogen haben, dass dieser nur noch mit der Suche nach geeigneten Verstecken beschäftigt gewesen sei statt mit neuen Attentatsplänen.

Starjournalist spricht von "bahnbrechenden" Einsatzformen

Der Bericht der "Washington Post" bestätigt Enthüllungen des US-Starjournalisten Bob Woodward. In seinem neuen Buch "The War Within: A Secret White House History, 2006 - 2008" schreibt Woodward, dass für den Rückgang der Gewalt im Irak nicht so sehr die von Bush initiierte Operation "Surge" verantwortlich, in deren Verlauf 2007 beinahe 30.000 zusätzliche US-Soldaten eingesetzt wurden.

Woodward behauptet, "bahnbrechende" neue Formen verdeckter Einsätze der US-Truppen hätten stattdessen maßgeblich zu diesem Erfolg geführt. Damit sei es möglich gewesen, Führer der Qaida und anderer aufständischer Gruppen auszumachen und zu töten.

Die "Post" berichtet unter Berufung auf Pentagon-Stellen, dass Tipps aus der Bevölkerung die Erfolge der Spezialeinheiten zunehmend begünstigen. Viele Iraker empfänden längst keine Sympathie mehr für die Aufständischen und verrieten deren Rückzugsorte. Hinweise würden sofort an die Spezialkommandos weitergegeben, die die Verstecke unverzüglich ins Visier nähmen. Oft rücken die Teams zu mehreren Einsätzen in einer Nacht aus, heißt es weiter, vor allem wenn eine Operation neue Hinweise auf ein anderes Versteck erbracht hat.

Hauptquartier in Saddams altem Hangar

Die Operationen würden von einer vom Militär geführten Task Force koordiniert, in der auch Geheimdienstler von CIA und NSA, Forensikexperten des FBI, politische Analysten und Drohnen-Spezialisten mitarbeiten. Nachdem sich die verschiedenen Sicherheitsbehörden in den vergangenen Jahrzehnten eher in einem Konkurrenzverhältnis gegenübergestanden hätten, zeige die Task Force, wie erfolgreich eine direkte Kooperation sein könne, schreibt die "Washington Post" weiter.

Das Hauptquartier der Task Force ist in einem alten Hangar auf dem Luftwaffenstützpunkt Balad nördlich von Bagdad beheimatet, wo einst die Kampfflugzeuge des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein stationiert waren. Von hier aus werden die Teams im Norden, Westen und Süden des Landes sowie in der Hauptstadt selbst gesteuert.

phw

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