Krieg im Nahen Osten Raketen aus dem Libanon treffen Nordisrael

Die Sorge vor einer zweiten Front wächst: Im Norden Israels sind am Morgen mehrere Raketen aus dem Libanon eingeschlagen - zum zweiten Mal seit Beginn der israelischen Offensive im Gaza-Streifen. Israels Armee feuerte zurück.

Jerusalem - Drei aus dem Südlibanon abgefeuerte Raketen schlugen am Mittwochmorgen nach Polizeiangaben im freien Gelände bei Kirjat Schmona ein, Opfer oder Schäden gab es nicht. Es war der zweite derartige Angriff seit Beginn der israelischen Offensive im Gaza-Streifen am 27. Dezember.

Schon am Donnerstag vergangener Woche schlugen vier Raketen in dem Gebiet ein. Sie wurden vermutlich von im Libanon lebenden palästinensischen Gruppen abgeschossen. Die islamistische Hisbollah-Miliz hatte eine Verantwortung für den Beschuss von sich gewiesen.

Explosionen in Rafah im Gaza-Streifen (Aufnahme vom 13.1.09): Heftige Kämpfe zwischen Soldaten und Islamisten

Explosionen in Rafah im Gaza-Streifen (Aufnahme vom 13.1.09): Heftige Kämpfe zwischen Soldaten und Islamisten

Foto: AP

Die Raketeneinschläge hatten Befürchtungen geweckt, Extremisten könnten an der Nordgrenze Israels in den bisher auf den Gaza-Streifen begrenzten Konflikt eingreifen und eine zweite Front eröffnen.

Die israelische Armee reagierte auch diesmal unmittelbar auf den Beschuss und feuerte vier Geschosse zurück, die nördlich der südlibanesischen Ortschaft Gadschar einschlugen, wie libanesische Sicherheitskräfte mitteilten.

19. Tag der Gaza-Offensive

Die Offensive im Gaza-Streifen ging am Mittwoch in den 19. Tag. Nach Angaben von Augenzeugen waren die Luftangriffe der israelischen Armee in der Nacht zu Mittwoch weniger intensiv als am Vortag. Die Luftwaffe habe in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer insgesamt 60 Ziele angegriffen, meldeten israelische Medien am Morgen. Es seien etwa 35 Tunnel beschossen worden, die dem Waffenschmuggel dienten. Zudem habe die Luftwaffe mehrere Waffenlager bombardiert.

Auch die Kämpfe am Boden hielten unvermindert an. Israelische Soldaten lieferten sich am frühen Mittwochmorgen heftige Kämpfe mit Anhängern der radikal-islamischen Hamas. Unterstützt von der Luftwaffe drangen israelische Spezialtruppen mit Panzern mehrere hundert Meter in Stadtbezirke Gazas vor. "Die Panzer schießen auf palästinensische Kämpfer, diese antworten mit Raketenwerfern", beschrieb ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht die Lage in Gaza.

Beide Seiten feuerten demnach auch mit Maschinengewehren. Im Viertel Radwan starb nach Angaben von Medizinern und Augenzeugen ein Palästinenser bei einem Luftangriff auf ein Haus, mindestens 20 weitere wurden demnach verletzt. Bei Luftangriffen im Norden und Süden des Gaza-Streifens starben nach Angaben palästinensischer Krankenhausmitarbeiter am Dienstagabend mindestens acht Palästinenser. Darunter waren demnach auch drei Kinder, die in Dschabalija auf der Straße gespielt hatten.

Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, die meisten Ziele der Offensive seien erreicht, "aber wahrscheinlich nicht alle". Regierungschef Ehud Olmert hat nach Angaben eines ranghohen Regierungsvertreters zwei Ziele für die Offensive definiert. Dies sei zum einen, die Beschüsse und den Terror durch die Hamas zu beenden, sagte der Regierungsvertreter dem Nachrichtenportal Ynet. Zum anderen solle die militärische Struktur der Organisation zerstört werden. Solange diese Ziele nicht erreicht seien, bestehe "keinerlei Druck" zur Beendigung des Militäreinsatzes.

Seit Beginn der Offensive am 27. Dezember wurden palästinensischen Angaben zufolge mindestens 975 Menschen im Gaza-Streifen getötet und knapp 4400 verletzt.

Olmert beauftragte den Minister für soziale Angelegenheiten, Jizchak Herzog, mit der Koordinierung der internationalen Hilfslieferungen in den Gaza-Streifen. Nach Uno-Berichten droht dort eine schwere humanitäre Krise. Am Dienstag seien 60 Prozent der Bevölkerung von der Stromversorgung abgeschnitten gewesen, teilte das Uno-Büro zur Koordination humanitärer Angelegenheiten (OCHA) mit.

Ban Ki Moon will vermitteln

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon brach zu einer mehrtägigen Reise in den Nahen Osten auf, um sich für einen Waffenstillstand einzusetzen. Ban flog von New York aus zunächst Richtung Kairo, wo er mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak über eine gemeinsame Friedensinitiative mit Frankreich sprechen will. Vorgesehen sind in dem Plan eine Feuerpause und schließlich ein Waffenstillstand.

Ban will zudem Jordanien, Israel, das Westjordanland, die Türkei, den Libanon, Syrien and Kuwait besuchen. Kurz vor seiner Abreise erhielt Ban die Rückendeckung des Uno-Sicherheitsrates. Nach Angaben des französischen Uno-Botschafters Jean-Maurice Ripert unterstützen alle 15 Mitglieder das Vorhaben, einen Waffenstillstand zu erreichen und Hilfsgüter in den Gaza-Streifen zu bringen. Ägypten hat bereits getrennt mit Vertretern der Hamas und Israels verhandelt.

Nahost-Konflikt

phw/AFP/dpa/AP/Reuters
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