Krieg in Afghanistan Karzai entlässt nach Tod von Zivilisten zwei Kommandeure

Afghanistans Präsident zieht Konsequenzen aus dem mutmaßlichen Blutbad unter Zivilisten. Weil an dem Angriff auch afghanische Truppen beteiligt waren, entließ Hamid Karzai zwei Generäle. Die US-Regierung bedauerte die zivilen Opfer, die Umstände des Vorfalls werden noch untersucht.


Kabul - Nach dem Tod von bis zu 89 Zivilpersonen bei einem Einsatz US-amerikanischer und afghanischer Soldaten im Westen Afghanistans hat Präsident Hamid Karzai zwei ranghohe Militärbeamte entlassen. Karzai wies am Sonntag das Verteidigungsministerium an, Ermittlungen gegen General Dschalandar Schah, den Kommandeur der Provinz Herat, und gegen Major Abdul Dschabar, den Befehlshaber der betroffenen Kommandoeinheit, einzuleiten. Beide seien in die Militäroperation in der Ortschaft Asisabad am Donnerstag verwickelt gewesen.

Luftangriff in Asisabad: Ein Mann läuft durch die Trümmer
DPA

Luftangriff in Asisabad: Ein Mann läuft durch die Trümmer

Unklarheit herrschte weiter über die genaue Zahl der Todesopfer. Karzai sprach am Sonntag von 89 getöteten Zivilpersonen. Eine Menschenrechtsorganisation ging von 78 Opfern aus, das Innenministerium sprach von 76 Getöteten, darunter 50 Kinder. Das Verteidigungsministerium erklärte dagegen, 25 Aufständische und fünf Zivilpersonen seien ums Leben gekommen.

US-Militärsprecherin Rumi Nielson-Green bezifferte die Opferzahl auf 30 und räumte ein, es seien zwei Frauen und drei Kinder ums Leben gekommen. Ein anderer US-Militärsprecher betonte, die widersprüchlichen Angaben müssten so schnell wie möglich geklärt werden. "Offenkundig gibt es Anschuldigungen und eine Diskrepanz", sagte Oberleutnant Nathan Perry.

Nach US-Militärangaben wurde der gemeinsame Einsatz am Donnerstag von den afghanischen Streitkräften geleitet. Zunächst war von einem US-geführten Angriff die Rede gewesen. Ausgangspunkt der Operation waren nach Angaben des afghanischen Verteidigungsministeriums Geheimdienstinformationen, wonach sich Taliban-Kämpfer zu einem Treffen in Asisabad versammelt hatten.

Die US-Regierung sprach ungeachtet der laufenden Untersuchungen ihr Bedauern aus. "Wir bedauern den Tod unschuldiger Afghanen, zu deren Schutz wir uns verpflichtet haben", sagte Präsidentensprecher Tony Fratto am Sonntag in Crawford (Texas), wo sich US-Präsident George W. Bush auf seiner Ranch aufhielt. Der Vorfall werde untersucht, sagte Fratto, ohne die von der afghanischen Regierung genannte Opferzahl zu bestätigen.

phw/AFP/AP

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