Krieg in Libyen Armee lässt deutschen Fotografen frei

Sie sind wieder auf freiem Fuß: Die libysche Führung ließ die seit Samstag festgehaltenen Reporter der Nachrichtenagentur AFP und der Bildagentur Getty in der Hauptstadt Tripolis frei. Einer von ihnen ist der 45-jährige deutsche Fotograf Roberto Schmidt.

Journalisten Raedle, Schmidt und Clark (v.l.n.r.) nach ihrer Freilassung in Tripolis
AFP

Journalisten Raedle, Schmidt und Clark (v.l.n.r.) nach ihrer Freilassung in Tripolis


Tripolis - Die beiden seit Samstag von der libyschen Armee festgehaltenen Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sind in der Hauptstadt Tripolis freigelassen worden. Dies teilte ein AFP-Korrespondent in der Nacht zum Mittwoch mit. Auch ihr Kollege der Bildagentur Getty sei wieder auf freiem Fuß.

Die drei Reporter befanden sich seit dem Wochenende in den Händen der libyschen Streitkräfte. Der 38-jährige Brite Dave Clark und der 45-jährige Deutsch-Kolumbianer Roberto Schmidt hatten am Freitagabend in einer E-Mail an AFP angekündigt, sie wollten tags darauf in der Nähe der Stadt Tobruk mit Aufständischen sprechen und Flüchtlinge interviewen. In ihrer Begleitung war der 45-jährige Getty-Fotograf Joe Raedle, der US-Staatsbürger ist.

Der libysche Fahrer Mohammed Hamed nahm die Gruppe am Samstagmorgen zusammen mit einem Übersetzer in Tobruk auf, wie er sagte, und startete mit ihnen ins 400 Kilometer entfernte Adschdabija. Die Stadt wird von Rebellen gehalten, ist aber von Regierungstruppen umschlossen.

13 Journalisten werden derzeit in Libyen vermisst

Einige Dutzend Kilometer vor der Rebellenbastion trafen sie auf eine Militärkolonne, wie der Fahrer weiter berichtete. Er habe umgedreht, aber die Soldaten hätten den Wagen verfolgt. Nach einer etwa fünfzig Kilometer langen Verfolgungsjagd zwangen die Soldaten den Fahrer durch Schüsse in die Reifen zum Anhalten, wie der Übersetzer Sudki Abdulkarim Dschibril im Radio berichtete.

Vier Männer zwangen die Insassen den Schilderungen des Fahrers zufolge unter Androhung von Waffengewalt, das Auto zu verlassen und sich auf die Straße zu knien, mit den Händen am Kopf. Clark habe "Sahafa, Sahafa" gerufen, um seine Kollegen und sich als Journalisten zu erkennen zu geben. Die Soldaten hätten das Fahrzeug der Reporter in Brand gesetzt und seien mit ihnen in einem Militärfahrzeug davongefahren. "Wir wissen nicht, wo sie hingebracht wurden", sagte der Übersetzer Dschibril später.

Die Nachrichtenagentur AFP hatte den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi aufgerufen, die beiden AFP-Reporter und den Getty-Fotografen freizulassen. Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten wurden 13 Journalisten in Libyen vermisst oder befänden sich in Gewahrsam der Regierung. Erst am Montag waren vier in Libyen festgehaltene Journalisten der "New York Times" wieder freigekommen.

Der britische Reporter Clark, der eigentlich in Paris arbeitet, ist seit Anfang des Monats als Reporter in Libyen im Einsatz, Schmidt seit dem 28. Februar. Der deutsch-kolumbianische Fotograf hat sein Heimatbüro in der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Seit Beginn des Konflikts in Libyen wurden dort bereits mehrere Journalisten verschleppt.

lgr/AFP/dapd

insgesamt 2 Beiträge
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tsitsinotis 23.03.2011
1. Vielleicht sollte Herr Rasmussen
sich die Zeit nehmen und Robert D. Hare`s Buch "Gewissenlos - Die Psychopathen unter uns" lesen, um zu ganz neuen Erkenntnissen zu kommen. Diese Lektüre empfehle ich allen sog. Entscheidungsträgern incl. Angela Merkel. Der Psychopath Gadaffi spielt nit ihnen SEIN Spiel, und sie merken es nicht. Es scheint sich wieder einmal der "Analphatemismus der Angst"(Günther Anders) zu bewahrheiten: "Das Fühlen HUMPELT dem Tun hinterher". Fukushima lässt grüßen.
aronsperber 23.03.2011
2. Neue Osamas?
Den Banditen Gaddafi stürzen zu wollen, indem man den Banditen von Bengasi Feuerhilfe gibt, könnte dazu führen, dass man sich gleich mehrere neue Gaddafis und im schlimmsten Fall sogar neue Osamas züchtet. http://aron2201sperber.wordpress.com/2011/03/06/unterstutzt-obama-die-neuen-osamas/ Die einzige Macht, die dazu in der Lage wäre, in Libyen für Ordnung zu sorgen, ist nun einmal die USA.
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