Krieg in Libyen Gaddafi feiert seine Luftabwehr

REUTERS

2. Teil: Libysche Regierung lässt deutschen Journalisten frei


+++ AFP-Journalisten sind frei +++

[01.33 Uhr] Die beiden seit Samstag von der libyschen Armee festgehaltenen Journalisten der Nachrichtenagentur AFP sind in der Hauptstadt Tripolis freigelassen worden. Auch ihr ebenfalls festgenommener Kollege der Bildagentur Getty sei wieder auf freiem Fuß, sagte ein AFP-Korrespondent in der Nacht zum Mittwoch. Ein Sprecher der libyschen Führung hatte der Nachrichtenagentur zuvor gesagt, die drei Journalisten befänden sich in Tripolis und sollten in Kürze freigelassen werden.

+++ USA rechnen mit schnellem Kommandowechsel beim Libyen-Einsatz +++

[00.49 Uhr] Die Nato soll bald übernehmen: Die Vereinigten Staaten rechnen nach Aussage von US-Außenministerin Hillary Clinton mit einem Kommandowechsel bei dem Militäreinsatz in Libyen innerhalb der kommenden Tage. "Ob es bis Samstag geschieht oder nicht, hängt von der gemeinsamen Bewertung durch unsere militärischen Kommandeure mit den Alliierten und Partnern ab", sagte sie in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC. Wer die Führungsrolle von den Amerikanern übernehmen werde, sei noch offen, aber die Nato werde klar eine Rolle an der Front haben. "Die Nato wird definitiv involviert sein, weil viele Nato-Mitglieder sich diesem Prozess verpflichtet sehen. Und sie wollen eine Kommando- und Kontrollstruktur, die organisiert ist", sagte Clinton. Sie sei sehr "entspannt", was diese Diskussion angehe. Alles gehe in die richtige Richtung.

+++ Gaddafi-Auftritt im libyschen Staatsfernsehen +++

[23.35 Uhr] Es war offenbar Gaddafis erster Auftritt innerhalb einer Woche und damit seit dem Beginn der Luftangriffe auf sein Land: Das libysche Staatsfernsehen hat nach eigenen Angaben eine Live-Ansprache von Muammar al-Gaddafi übertragen. Dieser habe in seiner Residenz Bab Al Asisija in der Nähe der Hauptstadt Tripolis gesprochen. Die Aufnahmen zeigten Gaddafi auf einem Balkon stehend vor seinen Unterstützern. Er verurteilte die Luftangriffe auf seine Truppen und kündigte an: "Wir werden sie kurzfristig schlagen, wir werden sie langfristig schlagen." Die Residenz war in der Nacht auf Montag von einem Marschflugkörper getroffen worden.

+++ Clinton spekuliert über Exil-Optionen für Gaddafi +++

[23.28 Uhr] Machthaber Gaddafi und sein engster Führungskreis überlegen sich offenbar Möglichkeiten, wohin sie ins Exil gehen könnten. Davon geht zumindest US-Außenministerin Hillary Clinton aus. In einem Interview mit dem Nachrichtensender ABC News sagte Clinton, die USA hätten Informationen über Leute, die angeblich auf Gaddafis Geheiß derartige Möglichkeiten ausloten würden. Einiges davon sei sicherlich nur "Theater", doch die USA würden die Idee Gaddafis, ins Exil zu gehen, unterstützen. US-Präsident Barack Obama sagte bei seiner Lateinamerika-Reise, solange Gaddafi an der Macht sei, bleibe dieser eine potentielle Gefahr für das libysche Volk. Die USA machen keinen Hehl daraus, dass sie ein Ende der Herrschaft Gaddafis begrüßen würden. Der Militäreinsatz habe dies aber nicht zum Ziel, erklärten führende Militärs.

+++ Türkei vertritt diplomatische US-Interessen in Libyen +++

[23.22 Uhr] Die türkische Regierung wird vorerst die diplomatischen Interessen der Vereinigten Staaten in Libyen vertreten. Das teilte das US-Außenministerium am Dienstag in Washington mit. "Die Türkei hat zugestimmt, unsere Schutzmacht in Libyen zu sein. Und wir sind wirklich sehr dankbar, dass die Türkei diese Rolle akzeptiert hat", sagte Sprecher Mark Toner. Die USA hatten ihre Botschaft in Tripolis geschlossen, nachdem Gaddafi mit seinen Gewaltaktionen gegen die Rebellen in dem Land begonnen hatte. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte zudem gesagt, dass die USA ihre Verbindungen zur libyschen Botschaft in Washington gekappt haben.

+++ Festgehaltene Journalisten werden vielleicht bald freigelassen +++

[22.55 Uhr] Die Freilassung der drei von der libyschen Armee festgehaltenen Journalisten steht möglicherweise unmittelbar bevor. Die zwei Journalisten der Nachrichtenagentur AFP und ihr Kollege der Bildagentur Getty befänden sich in der Hauptstadt Tripolis und würden in "einer oder zwei Stunden" freigelassen, sagte ein Sprecher der libyschen Führung am Dienstagabend zu AFP. Darunter befindet sich auch der 45-jährige Deutsch-Kolumbianer Roberto Schmidt. Die Reporter waren nach Angaben ihres einheimischen Fahrers am Samstag im Osten Libyens von Soldaten angehalten und an einen unbekannten Ort gebracht worden.

+++ Gaddafi will trotz angekündigter Waffenruhe weiterkämpfen +++

[22.40 Uhr] Das klingt nicht nach einem ernstgemeinten Waffenstillstand: Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi habe in einer kurzen Rede vor Anhängern in Tripolis zum Kampf aufgerufen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. "Wir werden siegen", habe Gaddafi der Gruppe zugerufen.

+++ Ban Ki Moon: Libyen will neuen Waffenstillstand +++

[21.50 Uhr] Nach dem Eingreifen der Nato in den Libyen-Konflikt hat die Regierung in Tripolis laut Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erneut einen Waffenstillstand angekündigt. Ban Ki Moon berichtete am Dienstagabend in Tunesien auf einer Pressekonferenz, der libysche Ministerpräsident Al Baghdadi Ali al-Mahmoudi habe ihn angerufen und darüber unterrichtet. Libyen hatte erst am Freitag, kurz nach der Verabschiedung der Uno-Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone, eine sofortige Feuerpause angekündigt - die Angriffe aber fortgesetzt.

+++ Rumänien schickt Fregatte in Richtung Libyen +++

[21.32 Uhr] Rumänien beteiligt sich an dem Vorhaben der Nato, auf dem Mittelmeer ein Waffenembargo gegen Tripolis durchzusetzen. Die Entsendung der Fregatte "König Ferdinand" mit 205 Soldaten an Bord geschehe auf Antrag der Nato, sagte Staatschef Traian Basescu am Dienstagabend in einer im Fernsehen übertragenen Ansprache. Rumänien ist seit 2004 Nato-Mitglied. Die rumänische Fregatte wird voraussichtlich drei Monate lang Schiffe im Mittelmeer auf einen Verstoß gegen das von der Uno verhängte Waffenembargo kontrollieren.

+++ USA verhängen Sanktionen gegen libysche Unternehmen +++

[20.53 Uhr] Das US-Finanzministerium hat 14 libysche Unternehmen mit Sanktionen belegt. Die Firmen stünden unter Kontrolle der staatlichen libyschen Ölgesellschaft NOC und fielen damit unter das Embargo, das US-Präsident Obama Ende Februar per Erlass verhängt hatte, teilte das Ministerium in Washington mit. Damit ist es Bürgern und Unternehmen in den USA verboten, Geschäfte mit diesen Unternehmen zu machen. NOC sei "eine der wichtigsten Einnahmequellen des Gaddafi-Regimes", hieß es aus dem Ministerium.

+++ Wieder Flugabwehrfeuer über Tripolis +++

[20.48 Uhr] In der libyschen Hauptstadt Tripolis ist nach Einbruch der Dunkelheit erneut schweres Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Es seien auch laute Explosionsgeräusche zu hören. Woher diese stammen, ist noch unklar.

+++ Washington, Paris und London für Nato-Führung +++

[20.21 Uhr] Eine Einigung der Nato über eine Einsatzführung bei der Durchsetzung der Flugverbotszone über Libyen rückt möglicherweise näher. Die USA, Frankreich und Großbritannien haben sich nach Angaben des Weißen Hauses auf eine Führungsrolle der Nato beim Militäreinsatz in Libyen verständigt. US-Präsident Obama habe hierzu mit dem französischen Staatschef Sarkozy und dem britischen Premier Cameron telefoniert, sagte ein Sprecher Obamas. Obama habe mit beiden auch über den "beträchtlichen Fortschritt" gesprochen, den die internationale Koalition im Kampf gegen die Truppen Gaddafis und bei der Einrichtung einer Flugverbotszone erzielt habe. Die Mitgliedstaaten der Nato diskutieren seit Tagen über die Rolle der Militärallianz im Libyen-Konflikt. Bisher hatte sich Diplomaten zufolge besonders Paris gesträubt, die Einsatzführung an die Nato zu übergeben.

+++ Moskau bietet Vermittlung an +++

[20.13 Uhr] Im Libyen-Konflikt hat sich Russland als Vermittler angeboten. Moskau stehe für den Versuch bereit, den Streit möglichst friedlich beizulegen, sagte Kremlchef Medwedew in Moskau. Ein militärisches Engagement seines Landes habe der Präsident erneut ausgeschlossen, teilte der Kreml mit.

+++ Katar beteiligt sich ab dem Wochenende an Libyen-Operation +++

[20.01 Uhr] Die Luftwaffe von Katar wird nach Angaben der US-Streitkräfte vermutlich ab dem Wochenende an der Militäroperation in Libyen teilnehmen. Das Land wolle das internationale Bündnis mit vier Kampfjets unterstützen, sagte US-Marinekommandant Admiral Samuel Locklear. Katar wäre das erste arabische Land, das sich aktiv an der Überwachung der Flugverbotszone beteiligen würde. Das amerikanische und französische Militär würden derzeit darüber beraten, wie Katars Beitrag am besten genutzt werden könne, sagte Locklear.

insgesamt 208 Beiträge
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Seite 1
AxelSchudak 22.03.2011
1. Das Glaubwürdigkeitsproblem...
"China hat eine Waffenruhe in Libyen gefordert. " China wäre hier deutlich glaubwürdiger, wenn sie zu Zeiten des rein innerlibyschen Konfliktes ähnliches von Gaddafi gefordert hätten. Offensichtlich sorgt sich China aber öffentlichkeitswirksam nur um Opfer westlicher Aktionen.
sebs42 22.03.2011
2. Technischer Ausfall
Jaja, technischer Ausfall. Vermutlich technischer Ausfall, ausgelöst durch Flak-Treffer? Wie immer im Krieg sind sämtliche offiziellen Meldungen mit Vorsicht zu genießen.
Mulharste, 22.03.2011
3. -
Zitat von sysopHeftige Luftangriffe auf Tripolis, ein US-Flugzeug stürzt über einem Feld ab - am vierten Tag des Militäreinsatzes in Libyen*gibt es schwere Gefechte. Nun verschärft sich der*Streit zwischen den Bündnispartnern der Nato. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752441,00.html
Crew gerettet? Also sind Bodentruppen im Land. Seals?
butter_milch 22.03.2011
4. ...
"China drängt auf Waffenruhe". Wenn ich lese, dass China sich um zivile Opfer sorgt, platzt mir der Kragen. Die Dreistigkeit muss man erstmal haben, als eine der schlimmsten Regierungen auf unserem Planeten ein solches Statement abzugeben. Erbärmlich.
berpoc 22.03.2011
5. ein neuer Tag, der...
... uns von der Sinnlosigkeit der übermäßigen Waffenherstellung überzeugen sollte.
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