Krieg in Libyen Gaddafi feiert seine Luftabwehr

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5. Teil: Verschlepptes Schiff wieder aufgetaucht


+++ Nato kritisiert Bundesregierung +++

[12.44 Uhr] Hohe Nato-Offiziere haben das Vorgehen der Bundesregierung unter dem Motto "Tausche Libyen, biete Afghanistan" kritisiert. "Das Kneifen beim Einsatz in Libyen mit der Teilnahme deutscher Soldaten bei den Awacs-Flügen über Afghanistan auszugleichen, ist eine Nullnummer und Augenwischerei" sagte ein General der Nachrichtenagentur dapd im Nato-Hauptquartier in Brüssel. Damit solle von der "Fehlentscheidung Berlins, nicht an der Einrichtung der Flugverbotszone in Libyen teilzunehmen, abgelenkt werden".

+++ Verschlepptes Schiff wieder im Hafen +++

[12:31 Uhr] Das vom libyschen Militär verschleppte italienische Schiff mit elf Besatzungsmitgliedern an Bord ist wieder in den Hafen von Tripolis eingelaufen. Der Crew der "Asso 22" gehe es gut, teilte der in Neapel ansässige Schiffseigentümer Augusta Offshore mit. Ihnen sei erlaubt worden, ihre Familien anzurufen. Der Fall sei damit jedoch nicht abgeschlossen, erklärte die Reederei. Demnach befanden sich acht Italiener, zwei Inder und ein Ukrainer an Bord der "Asso 22".

Vertreter der Hafenbehörde von Tripolis hatten den Schleppkahn nach Angaben von Augusta Offshore am Freitag und Samstag betreten und darum gebeten, die Ausrüstung fotografieren zu dürfen. Am Sonntag hätten libysche Militärbeamte das Schiff geentert. Es habe dann den Hafen später Richtung Westen verlassen und sei vor der libyschen Küste im Zickzackkurs gefahren, hieß es.

+++ Nahrungsmittel werden deutlich teurer +++

[12.28 Uhr] Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis und Brot steigen in Libyen stark an. Wie das Uno-Welternährungsprogramm (WFP) am Dienstag in Rom und Kairo mitteilte, bereitet die angespannte Versorgungslage große Sorgen.

Die Befragung von Flüchtlingen an der tunesisch-libyschen Grenze habe gezeigt, dass sich der Preis für Mehl in den vergangenen Wochen mehr als verdoppelt habe. Reis sei um etwa 88 Prozent teurer geworden, Brot um 110 Prozent und Pflanzenöl um 58 Prozent. In den umkämpften Städten seien die allermeisten Verkaufsläden geschlossen. Das WFP stockt deshalb seine Nahrungsdepots im Osten Libyens und an den Grenzen auf.

+++ Gates spricht sich für weniger Militäreinsätze aus +++

[12.27 Uhr] US-Verteidigungsminister Robert Gates hat während eines Moskau-Besuchs erklärt, dass die Militäreinsätze in Libyen in den kommenden Tagen zurückgefahren werden sollten. Diese Ansicht habe er gegenüber seinem russischen Kollegen Anatoli Serdjukow geäußert. Die Militärkoalition sei zudem sehr bemüht, Opfer unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden. Ziel der Angriffe sei die Luftabwehr in dünn besiedelten Gebieten. Serdjukow sagte, er verurteile die Tötung von Zivilisten in Libyen.

+++ Zweites F-15-Crewmitglied in Sicherheit +++

[12.05 Uhr] Das US-Militär teilt mit, auch das zweite Besatzungsmitglied des abgestürzten Kampfjets sei nun gerettet. Die beiden Crewmitglieder an Bord konnten sich per Schleudersitz aus dem Flugzeug katapultieren. Sie hätten leichte Verletzungen erlitten, teilte ein Sprecher des US-Militärs mit.

Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge bereits am späten Montagabend. Der Kampfjet sei im britischen Lakenheath stationiert und zu seinem Einsatz über Libyen vom US-Luftwaffenstützpunkt Aviano in Italien aus aufgebrochen. Genaue Angaben zum Ort des Absturzes machte das amerikanische Militär nicht. Die libysche Oppositionszeitung "Brnieq" berichtete, das Kampfflugzeug sei in dem unbewohnten Gebiet Ghut Sultan südöstlich der Rebellenhochburg Bengasi im Osten des Landes abgestürzt.

+++ US-Militärjet stürzt ab +++

[11.22 Uhr] Nach Angaben des US-Militärs ist ein amerikanisches Kampfflugzeug in Libyen auf einem Feld abgestürzt. Der Pilot der F-15 soll gerettet worden sein und sich nun bei Rebellengruppen befinden, ein weiteres Crewmitglied werde derzeit in Sicherheit gebracht. Das Flugzeug wurde nach Angaben eines US-Militärsprechers nicht abgeschossen. Als Ursache werde ein technischer Ausfall vermutet.

+++ Mehrere Journalisten festgenommen +++

[10.56 Uhr] Mehrere westliche Journalisten befinden sich nach Augenzeugenberichten in der Hand von Anhängern von Muammar al-Gaddafi, unter ihnen auch der deutsch-kolumbianische AFP-Fotograf Roberto Schmidt. Der 45-Jährige sei gemeinsam mit dem Briten Dave Clark und dem Amerikaner Joe Raedle unter Androhung von Waffengewalt festgenommen worden, sagte der Fahrer der drei Journalisten später nach Berichten französischer Medien am Dienstag.

Sie seien am Samstag auf dem Weg von Tobruk in die Rebellenhochburg Adschdabija unterwegs gewesen, als Militärfahrzeuge Jagd auf sie gemacht hätten. Einer der Journalisten habe auf Arabisch gesagt, dass sie Journalisten seien. Die Soldaten hätten die drei in einem Militärfahrzeug mitgenommen. Seitdem habe es keinen Kontakt mehr zu ihnen gegeben.

Ein weiterer französischer Fotograf, der als freier Mitarbeiter für die Agentur Polaris arbeitete, gilt ebenfalls als vermisst. Stéphane Lehr habe sich zuletzt am Sonntag per Mail aus Bengasi gemeldet, teilte die Organisation Reporter ohne Grenzen mit. Er habe ebenfalls Richtung Adschdabija fahren wollen. Nach Angaben der Organisation sind außerdem vier Journalisten des arabischen Senders al-Dschasira in der Hand von Gaddafis Truppen. Sechs libysche Journalisten gelten ebenfalls als vermisst.

+++ Bomben auf Sintan +++

[10.23 Uhr] Gaddafi-loyale Truppen versuchen nach einem Bericht des Fernsehsenders al-Dschasira die Stadt Sintan einzunehmen. Sie setzen demnach schwere Waffen ein. Auch aus Misurata werden neue Gefechte gemeldet.

+++ China drängt auf Waffenruhe+++

[10.10 Uhr] China hat eine Waffenruhe in Libyen gefordert. Die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, äußerte sich am Dienstag in Peking "tief besorgt" über die Militärschläge der westlichen Allianz und die Opfer unter der Zivilbevölkerung.

"Der ursprüngliche Grund für die Uno-Resolution war der Schutz der Sicherheit der einfachen Leute", sagte die Sprecherin vor der Presse. "Wir lehnen den übermäßigen Einsatz von militärischer Gewalt ab, der mehr Opfer in der Bevölkerung und mehr humanitäres Unheil verursacht."

"Wir fordern die betroffenen Parteien auf, das Feuer einzustellen und die Probleme mit friedlichen Mitteln zu lösen", sagte die Sprecherin weiter. China unterstütze die diplomatischen Bemühungen des Sondergesandten der Vereinten Nationen, der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union. Die Veto-Macht China hatte sich vergangene Woche im Weltsicherheitsrat bei der Abstimmung über die Uno-Resolution der Stimme enthalten.

+++ Türkei fordert Uno-Führung des Einsatzes +++

[10.02 Uhr] Auch eine Beteiligung der Nato an dem laufenden Einsatz gegen Truppen des Machthabers Muammar al-Gaddafi sei nur möglich, wenn es eine Führung durch die Uno gebe, sagte der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu. Sein Land werde sich aber nicht an Angriffen beteiligen. "Die Türkei wird niemals eine Waffe auf die libyschen Brüder richten", sagte Davutoglu. Türkischen Medienberichten zufolge ist Ankara bereit, sich logistisch sowie mit Hilfseinsätzen zu beteiligen.

Das Nato-Land Türkei hat nach Kritik am Vorpreschen Frankreichs eine Führung des Militäreinsatzes in Libyen durch die Vereinten Nationen gefordert. "Der Libyen-Einsatz sollte unter dem Dach der Uno ausgeführt werden. Die Uno sollte die Entscheidungen treffen", zitierten türkische Medien am Dienstag Davutoglu. Es stehe dann einzelnen Staaten frei, sich an dem Einsatz zu beteiligen.

+++ Nächtliche Angriffe auf Tripolis und Bengasi +++

[0.05 Uhr] Tag vier der Militäraktion in Libyen: In der Nacht auf Dienstag haben die Alliierten mehrere Ziele am Boden bombardiert, unter anderem in Tripolis und Bengasi. In der Hauptstadt wurden mehrere Explosionen im Hafengebiet gemeldet.

Laut al-Dschasira wurden darüber hinaus Flughäfen in Sirte und Sabha beschossen. Bei "Luft- und Raketenangriffen" auf Städte wie Suara und Sirte habe es "zahlreiche zivile Opfer" gegeben, zitierte der Sender einen Sprecher von Gaddafi.

Sprecher der Koalitionsstreitkräfte erklärten, dass mit der Intervention der Vormarsch der Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi gegen die Rebellenhochburg Bengasi gestoppt worden sei.

Im Streit darum, wie sich die Nato an den Militäreinsätzen beteiligt, wird ein Kompromiss wahrscheinlicher. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll demnach die Nato für die Durchsetzung der Flugverbotszone verantwortlich sein. In Berlin heißt es, es bestehe die Chance, dass Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen zumindest dafür die Zustimmung aller Nato-Partner gewinnen kann.

sto/ler/otr/dpa/dapd/Reuters

insgesamt 208 Beiträge
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Seite 1
AxelSchudak 22.03.2011
1. Das Glaubwürdigkeitsproblem...
"China hat eine Waffenruhe in Libyen gefordert. " China wäre hier deutlich glaubwürdiger, wenn sie zu Zeiten des rein innerlibyschen Konfliktes ähnliches von Gaddafi gefordert hätten. Offensichtlich sorgt sich China aber öffentlichkeitswirksam nur um Opfer westlicher Aktionen.
sebs42 22.03.2011
2. Technischer Ausfall
Jaja, technischer Ausfall. Vermutlich technischer Ausfall, ausgelöst durch Flak-Treffer? Wie immer im Krieg sind sämtliche offiziellen Meldungen mit Vorsicht zu genießen.
Mulharste, 22.03.2011
3. -
Zitat von sysopHeftige Luftangriffe auf Tripolis, ein US-Flugzeug stürzt über einem Feld ab - am vierten Tag des Militäreinsatzes in Libyen*gibt es schwere Gefechte. Nun verschärft sich der*Streit zwischen den Bündnispartnern der Nato. Verfolgen Sie die Ereignisse im Liveticker. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,752441,00.html
Crew gerettet? Also sind Bodentruppen im Land. Seals?
butter_milch 22.03.2011
4. ...
"China drängt auf Waffenruhe". Wenn ich lese, dass China sich um zivile Opfer sorgt, platzt mir der Kragen. Die Dreistigkeit muss man erstmal haben, als eine der schlimmsten Regierungen auf unserem Planeten ein solches Statement abzugeben. Erbärmlich.
berpoc 22.03.2011
5. ein neuer Tag, der...
... uns von der Sinnlosigkeit der übermäßigen Waffenherstellung überzeugen sollte.
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